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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-04 · Heft 32 (4.8.1868) · p. Seite 650

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 32 (4.8.1868)
Date
1868-08-04
Page
Seite 650 (sequence 3)
Language
German
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650 .;•! und den Äcni^cu ihre mächtige Hllsc; aerc^l'vvcxi. Omic;or-:, Vlil. tvfc.l;t 1 ls7 allen .• v:• j;i, Mo aus Spanien Emfioheneu in Haft ZN - - reM freilich leine Mivimu} halte. Ate^andev denn Tovqm'inaM 1100 die schmei^eUn äeslen :: über die ,,unernleschiün'n" ülr'eeilen, denen er sich ra-5 töV'sche.fl deö Glaubens unterzogen habe, und . cvic ihm, er sei ihm dafür mit inniger Liebe zu- Zugleich genebmigle er, daß gewisse Gelvsnrn- . .. welche Torgnemeda noch neben den an den Fiscus O cherten Beträgen - miticlfr der Inquisition erpreßt - , zur Erbauung und Ausstattung von Tominieanerverwendet wurden. — In der That hat Tor- .e.Ua durch die Menge der geschlachteten Opfer — dal die Zahl von 8000 Hingerichteten zusammen- ..Mit — sich ein unvergängliches Andenken erworben, 7 er konnte U9S das Bewußtsein, es seinen beiden er reu, dem Papste und dem Könige, gleich sehr zum 0 anfe gemacht zu haben, mit sich ins Grab nehmen. Durch die Einsetzung eines General-Inquisitors und .'s Obersten NatheS hatte das Glanbenstribunal eine '.uheit und <3oncon trat ton erhalten, kraft deren sich sein Organismus über ganz Spanien gleichmäßig erstreckte das Land mit einem unzerreißbaren, von Einer ' and gehaltenen und augezogenen Netze umstrickt hielt. Ohne Auswanderung konnte Niemand sich demselben entziehen, Niemand sich auch nur Einen Tag für sicher Hallen. Armnth und Niedrigkeit des Standes oder auch wieder Zugehörigkeit zu einer mächtigen Corporation ruochten vergleichsweise einige Sicherheit gewähren, aber die Reichen und Wohlhabenden befanden sich in peinlicher Lage und mußten in steter Angst ihr Leben verbringen, und nicht besser erging es denen, welche Feinde batten. Es war so leicht, wenn sich einige Wenige unter einander verabredeten, durch gleichlautende Aussagen einen Menschen in die Untersuchung und auf die Folter zu bringen, und es siuden sich auch häufig Klagen über die Beenge der falschen Zeugen, aber nur selten Fälle einer Bestrafung. Manche Hoffnungen aus eine minder despotische und grausame Handhabung der Inquisitions-Gewalt erwachten, als der größte und furchtloseste Mann Spaniens, der Cardinal Innenez, an die Spitze des Tribunals trat. Diese Hoffnungen wltrden schmerzlich getäuscht, und gerade jetzt zeigte sich in der augenfälligen Weise, wie geschützt die Stellung eines Inquisitors war und wie wenig er auch bei dem verderblichsten Mißbrauch seiner Gewalt zu fürchten hatle. Unter dem Schirm des Großinquisitors Deza, Erzbischofs von Sevilla, verfolgte Diego Norriguez Lucero mit äußerster Grausamkeit die Christen israelitischer Abkunft, und darunter Personen vM den angesehensten Familien. Es beständen, behaupte er, insgeheim Synagogen in Eordova, zu welchen eer Satan in Gestalt eines Ziegenbockes die Leute durch die Lüste aus allen Weltgegenden herbeiführe, darunter Eanoniei, Mönche, Nonnen, die, während sie hier beisammen säßen, zu Hause gespenstisch in ihrer gewöhnlichen Gestalt gesehen würden. Tie Folter verschaffte ihm die Bekenntnisse, deren er bedurfte; die Unglücklichen sagten wirtlich auS, daß sie die nächtliche Neise durch die Luft in Thiergestalt gemacht, in der Synagoge angekommen, sich wieder in ihre menschliche Gestalt verwandelt hätten und auf dem Rückweg wieder zu Bestien wurden. — Lucero und seine Gehilfen ließen den Knaben und Mädchen, die sie in ihren Kerkern verwahrten, durch einige dazu bereit gehaltene Juden gewisse jüdische Gebetsformeln und Cerentouien gewaltsaut einlernen, damit sie dann vor Gericht aussagten, sie hätten sie bei den Personen, die man verderben wollte, gesehen und gehört. Die Bernrtheilten ließ er mit einem Knebel im Munde zum Holzstoß führen, damit sieZhre Unschuld nicht betheuern könnten. Die Häuser, in denen die geheünnißvollen Synagogen sich befinden sollten, wurden niedergerissen. Dies aber waren noch nicht die schlimmsten Thaten Lucero's; Lafneute, der über ihn berichtet, bemerkt, daß er die empörendsten Gewaltthaten, die Lueero au eiugekerkerten Frauen und Mädchen verübt habe, mit Stillschweigen übergehe. Der Erzbischof Talavera, vordem Beichtvater der Königin Isabella, der in dieser Stellung sicher nicht geringen Antheil an der Einführung der Inquisition genonunen, jetzt aber selbst bestimmt war, eines ihrer Opfer zu werden, denn der Proceß gegen ihn sollte eben beginnen, sendete Abgeordnete an den König. Gleiches thaten der Bischof, das Capitel und der Magistrat von Eordova. König Philipp, der eben (1506) nach Spanien gekommen war und die Negierung angetreten hatte, sah die Dmge mit deutschen Augen an, enthob sofort den Groß-Juquisitor Teza und den Lucero ihrer Aemter, und übertrug die Untersuchung zweien der Inquisition fernestehenden Männern, deren Einer noch dazu im Auslände, der Gesandte Andrea de Burgo, war. Damit aber überschritt er den als päbstliche Delegirte handelnden Inquisitoren gegenüber seine Gewalt und beging ein schweres Attentat an dem erhabenen Tribunal. Sein kurz darauf (ain 28. September 1500) erfolgter Tod brachte die Herrschaft wieder in die Hände Ferdinands, des Schöpfers und Gönners der Inquisition. Da die päbstlichen Bullen für den von Philipp in Rom präsentirten Groß-Jnquifitov Nannrez, Bischof von Catania, noch nicht gekommen waren, so bemächtigte sich Deza wieder dieser Würde und stieß Alles um, was der König angeordnet hatte. 1 Fortsetzung folgt.) Verlag von Baumgartner's Duchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur f>r. H. Lotze.

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