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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-28 · Heft 31 (28.7.1868) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 31 (28.7.1868)
Date
1868-07-28
Page
Seite 629 (sequence 19)
Language
German
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m Das wohl verborgene Grab in tiefem Felsschacht ist durchaus zu unterscheiden von der Grabkapelle, welche dem eigentlichen Andenken des Verstorbenen geweiht war. Diese Baulichkeiten, horizontal in den Berg eingemeißelt oder, auf dem Plateau der Wüste, in Gestalt rechteckiger schrägwandiger Steinhäuser oder hallenartiger Räume aus den mächtigsten Werkstücken anfgeführt, bilden in ihrem Zusammenhang regelrecht angelegte Straßen, eine förmliche Todtenstadt. Die ältesten zeitlich von einander getrennten sind diejenigen, welche sich in ihren Trümmern um die drei großen Pyramiden von Gizeh, in der Nähe der Stadt Kairo, so wie um die Pyramiden-Gruppe von Saqqara, drei Wegstunden südlich von den erstgenannten, erheben. Jene bezeichnen die Grabstätten der Urbewohner der alten Hauptstadt Memphis, diese die Nekropolis der jüngeren Geschlechter, wenn es goftattet ist fünftansendjähriges Alter als jünger zu bezeichnen. Ihre regelrechte Anlage in großen Haupt- und Querstraßen läßt ein Blick von der Höhe der Pyramiden aus am besten und anschaulichsten sofort erkennen." Dieser ausführlichen und durchgearbeiteten Lehre über die Fortdauer nach dem Tode, die noch dazu so tief in das wirkliche Leben eingriff, gegenüber, muß das Schweigen der Thorah über die Unsterblichkeit, wenn auch hie und da einzelne Ausdrücke an dieselbe erinnern, als ein bewußter Gegensatz gegen das ägyptische Wesen angesehen werden. Wir haben in unserer Religionslehre Bd. N S. 231 ff. aus dem Mosaismus selbst die Gründe dieses Schweigens dargestellt und können hier darauf verweisen. Wir wollen nur noch hervorheben, daß diesem gewaltigen Apparat gegenüber von Mumien, kostbaren Mumienkasten mit vielgestaltigen figürlichen Darstellungen, woran die götzendienerisch verehrten Thiere gleichen Antheil hatten, von diesen Todtengerichten, Todtenverehrung, Grabkapellen, Pyramiden u. s. w. es den einfachen und intellectuellen Auffassungen des Mosaismus wohl zukam, sie von seiner Lehre und seinem Volke fern zu halten, noch dazu, da das wirkliche Leben der Aegypter bewies, daß ihre Unsterblichkeitslehre nicht vermochte, Tyrannei, Knechtung und Bedrückung aller Art zu beseitigen. Wer die Geschichte der Religionen kennt, weiß, daß diese Ausmalungen der Höllenstrafen und der Paradiesesfreuden das wirksamste Werkzeug in den Händen der herrsch¬ und habgierigen Priester waren, um die Menschen in ihre Gewalt zu bekommen und darin zu behalten; er weiß, wie sich an diese Todtenverehrung im Geiste des Volkes alsbald ein Heiligenkultus mit dem ganzen Apparat des Wunder- und Aberglaubens fügte, wie, um andere Beispiele zu übergehen, der Islam von Neuem erwiesen hat, wo jedes Dorf seinen Heiligen, dessen Grab und Reliquien besitzt. Wie erhaben steht auch hierin die Lehre Mosis da, welche alles dies auf's Strengste vermied. Doch wollen wir an diesem Orte nur noch eine Spezialität hervorheben. Diesem Gräberwesen der Aegypter gegenüber fallt uns um so mehr die Stelle 5 Mos. 34, 6. auf. Es gehört hier nicht zur Sache, über die Schwierigkeiten des in» -opn zu sprechen, sondern nur die Worte ins Auge zu fassen „und Niemand kennt sein (Mosis) Grab bis auf diesen Tag." Erwägt man, daß die Gegend des Grabes wohl bezeichnet ist: „Im Thale, im Lande Mvab, Beth-Peor gegenüber", das Grab selbst aber und seine Stelle unbekannt blieben, und daß gleich darauf es heißt: „Und es stand fortan nicht ein Prophet auf in Israel wie Moses": so bleibt der Zweck dieser eigentümlichen Erscheinung nicht verborgen, und alle Erklärer stimmen darin überein, das Grab Mosis sollte nicht gefunden werden, damit die Israeliten dasselbe nicht abgöttisch verehren möchten, da sie ja es nach V. 8. an Trauer um Moses nicht fehlen ließen. Hiermit wollte aber auch Moses durch sein Beispiel all diesem ägyptischen Todtenunwesen entgegentreten. Auch im israelitischen Volke war die Verehrung für seine Todten, die Pietät gegen dieselben, die möglichst verwahrten Gräber, die feierliche Todtenbestattung Sitte, und die Beispiele Abrahams, Jakobs und Josephs, so wie die späteren Felsengräber und Grabmonumente bei Jerusalem zeugen dafür. Moses trat dieser so natürlichen Sitte nicht entgegen und die Bestattung Mirhams und Aarons erweisen dies. Entschieden hingegen wirkte er gegen jene Entartung, verbot auf's Strengste alle heidnischen götzendienerischen Trauergebräuche und gab durch sein Beispiel zu erkennen, daß selbst dieser Sitte kein höherer und ausschließlicher Werth beizulegen, daß sie, wenn sie irgend auszuarten drohe, gefährlich sei. Die spanische Inquisition. Die „N. fr. Pr." bringt aus d?r Feder eines „ausgezeichneten katholischen Gottesgelehrten" einige historische Skizzen neuer Forschung über die spanische und die römische Inquisition, aus denen wir einige Stücke hervorheben, nicht weil sie Nagelneues berichten, sondern mit einigen neuen Strichen ein Bild zeichnen, das unter den obwaltenden Umständen dem Bewußtsein der Gegenwart nicht entschwinden darf. Sixtus IV. wirkte mit dem spanischen Herrscherpaare (von 1479 an) zur Errichtung eines ständigen Glaubens- Gerichtshofes zusammen. Als die ersten Inquisitoren mit -unmenschlicher Grausamkeit ihr Amt verwalteten, erschrak anfänglich der Papst und ergriff Maßregeln gegen ihre Ausschreitungen, bereute aber bald diesen Anlauf, den er zur Milderung der Verfolgung genommen, weil er fürchtete, mit den königlichen Interessen in Conflict zu kommen, und ernannte den ihm von dein Königspaare vorgeschlagenen Dominicaner Torquemada zum Groß-Jnquisitor, der nun durch seinen Eifer in massenhaften Hinrichtungen und Vermögens-Confiscationen alle

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