Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1868)
- Date
- 1868-07-28
- Page
- Seite 622 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Auf die Militärgrenze, ein zu Ungarn gehörendes Gebiet von 714 OM. mit H/4 Million Einwohnern, welches vermöge seiner militärischen Verwaltung noch außerhalb der Constitution steht, ist das Freizügig keitsrecht der Israeliten bereits ausgedehnt, damit die Anomalie: gleichberechtigten Landesbürgern einen Theil des Staatsterritoriums zu verschließen, aufhöre. Es hat auch eine Anzahl unserer Glaubensgenossen von diesem ihnen gewährten Rechte bereits Gebrauch gemacht, und es bereiten sich andere aus den benachbarten Gemeinden vor, ebenfalls dahin zu übersiedeln. — Die Congregation des Neograder Comitats entschied, daß Protestanten und Israeliten, welche von katholischen Einwohnern Felder kaufen, an den betreffenden katholischen Pfarrer nunmehr keine wie immer gearteten Gebühren zu entrichten brauchen. In der jüngsten Sitzung des Hont er Comitats wurde der ifrael. Kaufmann Johann Winter in Jpolysig zum Honorar-Notar des Comitats erwählt. Der „Neuzeit" vom 29. Mai wird aus Döves in Siebenbürgen Folgendes geschrieben: „Der erste Jude Ungarns, der als Comitatsbeamter einen Antrag bei einer Comitatscongregation einbrachte und denselben in einer glänzenden Rede motivirte, war meines Wissens Herr Leon Tauber, Ehren Notar des Jnner-Szolnoker Comitats. Sein Antrag bezog sich auf die Reform der Schulangelegenheiten aller Confessionen. Seine Rede wurde oftmals durch die lebhaftesten „Eljen's" t Lebehoch) unterbrochen. . . ♦" In Ungarn war unseres Wissens Herr Dr. Nikolsburger, Communalarzt in Topolya, einige Stunden von hier, der erste Jude, welcher, wie wir bereits voriges Jahr berichteten, bei der Congregation des Bäcser Comitats als Honorär-Bezirksarzt einen von Erfolg begleiteten Antrag bezüglich des Stimmrechtes der Ehrenmitglieder der Comitatscommission, einbrachte. — Im Gömörer Comitat conftituirte sich, trotz Abrathen des Domherrn Hofmann, ein confessionsloser Volkserziehungsverein unter Leitung des zweiten Vicegespans Bodon. Das vereinigte Herren- und Handelscasino in B aja hat sämmtliche Bolksschullehrer der Stadt, also auch, die israelitischen, zu Ehrenmitgliedern erwählt. Ebenso gewahrte der Leseverein zu Aß6d den dortigen Volksschullehrern aller Confessionen die Aufnahme in deu Verein unter Befreiung von der jährlichen Gebühr. — 7. Jüdisches Bereinswesen. In Papa bildete sich ein der Förderung geistiger Interessen im Judenthume gewidmeter, gegenwärtig aus ungefähr 150 Mitgliedern bestehender Verein, welcher, wie die „Nzt." berichtet, im Monate April an den Cultusminister Baron Eötvös die Bitte stellte, diesem Vereine den Namen Sr. Excellenz beilegen zu dürfen. In dem bezüglichen Bittgesuche werden als Zwecke des Vereins: „Aneignung politischer Bildung und die Förderung der gegenwärtig schwebenden jüdischen Organisationsfrage im liberalen Sinne, sowie die Förderung der socialen Emancipation angegeben, ohne jedoch die sonstigen, den ungarischen Israeliten, als Bürger eines freien Staates und Genossen eines nach innerer Erhöhung strebenden Glaubens, berührenden Angelegenheiten auszuschließen." Se. Exeellenz genehmigte mit Erlaß v. 2. Mai Z. 5651 diesen Wunsch und äußerte, daß er die patriotischen Sympathien des Vereins theile und der vielversprechenden Thätigkeit desselben seine volle Aufmerksamkeit zuwenden werde. Unter den Vorträgen, welche in diesem Verein bereits gehalten wurden, seien hier erwähnt: L)r. Pserhofers Denkrede auf Dr. Mühlfeld, Joh. Fischers Beleuchtung der Statutentwürfe der Notablenversamnyung, Dr. Steiners Vortrag aus der vaterländischen Geschichte, Dr. Feitels Vorträge: Der erste Sederabend nach der Emancipation, worin er die durch letztere inalterirt gebliebene Misiion des Judenthums erörterte, ferner die Solidarität im Judenthume und schließlich die Beantwortung der Frage, ob die jüdische Reform durch die Emancipation gefördert oder gefährdet ist. Daß Vereine von solcher Tendenz, wie der hier in Rede stehende, Bildung und Fortschritt zu fördern geeignet sind, liegt auf der Hand. Besondere Verdienste um das Zustandekommen desselben werden dem Dr. Feitel zugeschrieben. — In Nagykaroly schufen die dortigen Israeliten einen Sch ulu nt er stütz un gs- und Selbstbildungsv er ein, der bereits gegen 100 Mitglieder zählt. Die Förderung der Selbstbildung wird in diesem Vereine auch durch Abhaltung von Vorträgen vermitteli. Die Bildung eines Zweigvereines der „Alliance isr. univ4“ in Pest wurde durch den Minister des Innern, Baron Wenkheim, darum nicht gestattet, weil die unterbreiteten Statuten den Vereinsgesetzen des Landes nicht entsprachen. Wird das Comits die Statuten in entsprechender Weise modisiciren, so dürfte die Constituirung dieser Filiale gestattet werden, da ja solche be-