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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-28 · Heft 31 (28.7.1868) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 31 (28.7.1868)
Date
1868-07-28
Page
Seite 621 (sequence 11)
Language
German
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kanntlich unter der Herrschaft des Alkohols steht — in seinem blinden Grimm eine Menschenklasse hervorgehoben, Unschuldige mit Schuldigen vermischt, und die anderen Schuldigen vor wie nach agiren lassen. Die Brochüre bringt Zeugnisse von den höchsten richterlichen Aemtern der Union herbei, welche kundgeben, daß unter den Criminalverbrechern sich stets eine höchst geringe Zahl Juden befinde, eine Zahl, die weit unter dem numerischen Verhältniß der Bevölkerung stehe. Jedenfalls ist nicht zu verkennen, daß die Wahl des Generals Grant zum Präsidenten der Republik, die eine Zeit lang unangefochten und unzweifelhaft war, durch diesen Vorgang sehr erschüttert worden ist. Man sieht sich bereits nach allen Seiten nach Candidaten um, welche für ihre resp. Parteien eine größere Zuverlässigkeit bieten. Türkei. Constantinopel, im Juni. Unter den neuernannten Staatsraths - Mitgliedern aus der Provinz befand sich auch ein angesehener Israelit, Namens Avram, der aus Salonich gebürtig, aber seit mehreren Jahren in Monastir ansässig ist. Da in der Türkei Familiennamen selten sind, so dient häufig der Geburtsort zur näheren Bezeichnung, und so war auch in diesem Falle der Betreffende nur als Avram von Salonich bei der Pforte bekannt. Als seine Ernennung beschlossen war, berief man ihn telegraphisch von Salonich, wo es aber eine Unzahl Avrams gibt. Die dortigen Behörden, welche nicht wußten, um was es sich handle, schickten den nächsten Besten, zufällig einen ganz untergeordneten und ungebildeten südischen Mäkler. Als dieser nach Stambul kam, wo er wenigstens ins Gefängniß geworfen zu werden fürchtete, sah er sich plötzlich zum Staatsraths-Mitgliede mit 7000 P. per Monat avancirt. Er ahnte wohl, daß es hier nicht mit rechten Dingen zugehe, nahm aber doch seinen Sitz ein. Seine Haltung im Staatsrathe erregte jedoch bald den Verdacht, daß ein Mißverständniß vorgekommen sei; man zog nähere Erkundigungen ein, und entdeckte den Verstoß. Allein Avram hatte den Eid abgelegt und war ganz regelrecht in sein Amt eingesetzt — man befolgte also den Rath des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten und ließ beide Avram im Staatsrathe Platz nehmen. Der von Salonich Berufene ist seitdem zur Abtheilung für den öffentlichen Unterricht versetzt worden! Correfpondenz. Monatsberichte ans Ungarn IX. Neu-Verbaß, Anfang Juni 1868. (Fortsetzung.) 6. Zur Gleichheit und Gleichberechtigung. Am 6. Mai gelangte im Reichstage der Gesetzentwurf über die griechisch-orientalische Kirche zur Verhandlung. Im Laufe der Debatte sprach der Cultusminister Baron Eötvös in seiner Rede folgende, auch für uus Israeliten bedeutungsvollen Worte: „Ich' kenne nichts dem Interesse des Landes mehr Entsprechendes, als die Sicherung der Autonomie aller im Lande befindlichen Religionsgenossenschaften. Und dies vor allem darum, weil in einem constitutionellen Lande die Natur der Dinge es fordert, daß, ebenso wie andere Verhältnisse, auch jene, welche das innere Wesen aller Bürger so nahe berühren, das heißt die religiösen Beziehungen, auf freiheitlicher Grundlage geregelt werden. (Beifall.) Dann auch darum, weil das 1848er Gesetz die vollkommene Gleichheit der Religionsgenossenschaf. en imPriucip aufgestellt hat, diese aber'practisch auf keinem anderen Wege durchgeführt werden kann, als durch die vollkommene Religionsfreiheit der verschiedenen Confessionen." (Lebhafter Beifall.) Nachdem in Ungarn das Verhältniß der Confessionen zu einander und zum Staate noch nicht geordnet ist, so läßt sich aus vorstehenden Aeußerungen Sr. Excellenz schließen, in welch freisinnigem Geiste der betreffende Gesetzentwurf abgefaßt sein werde. Auffallend ist es, daß in das diesjährige Budget des Cultus- und Unterrichtsministeriums eben nur für die Unitarier und Israeliten keine Staats-Subvention ausgenommen ist. Daß dies seitens des Baron Eötvös bezüglich der Israeliten nicht etwa ans Engherzigkeit geschah, davon halten sich unsere Glaubensgenossen, die erst in jüngster Zeit so mannigfache Beweise der Fürsorge des Cultusmiuisters für sie empfingen, unzweifelhaft überzeugt. Die Motive zu diesem Borgehen werden wol bei den Budgetverhandlungen im Reichstage offenbar werden. Für die Unitarier ist gegen ihre diesbezügliche Ausschließung, sowohl in der Presse, als auch bei der Deputirtentafel selbst, bereits Verwahrung eingelegt worden. 31*

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