Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1868)
- Date
- 1868-07-28
- Page
- Seite 620 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Aussehen. Es wurde ein Jude getauft; der Täufling wurde als ein sehr gelehrter Rabbiner ausgeschrien und der Sieg des Christenthums in sehr erbaulicher Weise gefeiert. Am folgenden Tage aber erschien in einem hiesigen Blatte folgender Artikels dessen Widerlegung, ja nur Berichtigung noch heute auf sich warten läßt. „Wie groß war unser Erstaunen, in der Persönlichkeit, welche der Versammlung als ein jüdischer Rabbiner, der in Constantinopel fungirt und in mehreren Sprachen unterrichtet hätte, vorgestellt worden, einen Mann Namens Palaski zu erkennen, der die Profession eines Schneiders ausübt und in der russischen Armee gedient hat. Als Deserteur von Sebastopol, wurde er von den Franzosen über Constantinopel nach Paris geschickt; und später erhielt er in einem Streite, den er in den Minen von Mexico hatte, eine Wunde, an der er sein ganzes Leben leiden wird. Der Kaplan erklärte, daß der Geist von Jesus auf diesen Menschen hinabgestiegen sei und ihn zum Uebertritt bewogen habe. Indessen hat man ihn so manches Mal unter dem Einflüsse ganz anderer Geister handeln sehen, solcher Geister, welche denen, die sich ihnen unterwerfen, eine ganz besondere röthliche Färbung geben, deren unverwischbare Spuren das Gesicht trägt. Wie dem nun auch sei, die Bekehrungsgesellschaft ist sehr glücklich über diese würdige Acquisition, die sie jetzt gemacht. Was uns betrifft, so hätten wir dies gar nicht erwähnt — obgleich es beweist, wie die wiederholten Angriffe des Christenthums das Judenthum wenig treffen und noch weniger das Christenthum vorwärts bringen, — wenn man nicht auf die Eigenschaften des Apostaten so viel Gewicht gelegt, indem man ihn als Rabbiner behandelte. Entweder hat dieser Palaski den Bekehrer getäuscht und sich über ihn lustig gemacht, oder auch dieser letztere hat mit den Eigenschaften des Neophhten bei dem leichtgläubigen Publikum ein Spiel getrieben, um den Erfolg seiner Anstrengungen zu beweisen." NewDork, im Juni. Die hiesigen englisch-jüdischen Gemeinden haben einen großen Verlust durch den Tod des Rev. Morris Jacob Raphal, Predigers der Gemeinde bne Jeschurun, erlitten. Dr. Raphal war am 26. September 1798 zu Stockholm geboren, erreichte also beinahe das 70. Lebensjahr. -1841 wurde er Prediger zu Birmingham, verließ 1849 England und wurde von der gedachten Gemeinde auf Lebenslang angestellt. Ec besaß eine bedeutende englische Beredtsamkeit und hat mehrere gute geschichtliche Arbeiten veröffentlicht. Er erfreute sich deshalb einer allgemeinen Achtung in jüdischen und christlichen Kreisen, und erwies sich diese Theilnahme bei dem unabsehbaren Leichenbegängniß, mit welchem ihm die letzte Ehre erwiesen wurde. Die Angelegenheit des Generals Grant macht in Zeitungen und Brochüren immer noch vielen Lärm. Es war vorauszusehen, daß es sich hierbei bald nicht mehr um die Juden, sondern um die Wahl des Generals Grant handele. Die Freunde des letzteren setzen Alles daran, die Bedeutung und Wirkung jenes Reskriptes (s. Nr. 29 d. Z.) herabzuschwächen, die Feinde, ihm die ausgedehnteste Bedeutung zuzuschreiben. Jene möchten uns einreden, mls ob, der General sich des Wortes Jude nur bedient habe als einer allgemeinen Bezeichnung, wie man im Deutschen etwa „Kornjude" sagt, ohne damit einen Juden selbst zu verstehen. Es wäre damals die Armee von Blutsaugern umgeben gewesen, welche in einer nie vorgekommenen Art die Truppen mit den schlechtesten Bekleidungsgegenständen und Lebensmitteln versehen, und die noch heute mit dem Namen Shuddy's gebrandmarkt werden. Diese von der Armee zu entfernen, sei eine der wichtigsten Aufgaben des Feldherrn gewesen und er habe sich hierbei nur unbedachter Weise eines unbedachten Ausdrucks bedient. Die Gegner Grant's wollen natürlich hiervon nichts wissen. Unter den darüber erschienenen Broschüren heben wir eine hervor: General Grant and the Jews. ßy Ph. von Bort. Sie macht vor Allem geltend, daß General Grant mit einer außerordentlichen Vorsicht jede politische Kundgebung, jede Aeußerung seiner politischen Gesinnung zu vermeiden gewußt habe, so daß sämmtliche Parteien darüber in Ungewißheit wären. Jenes Reskript wäre das einzige Mal, wo der General aus sich selbst herausgegangen, und darum müsse demselben eine besondere Wichtigkeit beigelegt werden. Die Brochüre geht nun das Reskript durch, weist nach, daß jene scheußlichen Betrüger aus allen Glaubensparteien und Racen bestanden und die Juden eben nur ihr verhältnißmäßiges Contingent gestellt hätten. Statt nun, um dem Uebel nachdrücklich zu steuern, die Schuldigen zu treffen und als, Richter zu behandeln, habe Grant — der be-