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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-28 · Heft 31 (28.7.1868) · p. Seite 618

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 31 (28.7.1868)
Date
1868-07-28
Page
Seite 618 (sequence 8)
Language
German
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standen ist und Religion und Herrschaft des Klerus wohl zu unterscheiden weiß. Die soeben vollzogene einstimmige Wahl des Ministers Giskra zum Vertreter der Hauptstadt im Reichstage an der Stelle des verstorbenen Mühlfeld ist ein glänzender Akt, der den Gegnern zeigen muß, daß sie alles Terrain im Volke verloren haben. Die Unruhen in Triest gaben den Beweis, daß der niedrigere und beweglichere Theil des Volkes dieselbe antiklerikale Gesinnung hegt, aber auch, daß die Fluth gedämmt werden müsse, nm keine Ueberschwemmung zu werden. Ich kann es nicht leugnen, daß das Verfahren des Ministeriums der Presse gegenüber anfänglich Verwunderung einflößte. Den klerikalen Blättern war es frcigegeben, in daö Horn zu stoßen und unbehindert die leidenschaftlichsten Töne anzuschlagen; auf der anderen Seite hingegen wurden die Blätter, wenn sie gegen Papst, Curie und Klerus irgend scharf ins Zeug gingen, confiscirt. Dies machte stutzig, und die vorsichtigen Publicisten zogen sich bereits in gewisse Schranken zurück. Licht und Schatten schienen nicht gleicher Weise für die Kämpfenden vertheilt. Dies munterte die geistlichen Herren auf, und sie ließen ihrem Grimme um so freieren Lauf. Da kamen denn auch Confiscationen klerikaler Blätter vor. Man will also von Seiten der Regierung die Leidenschaften zügeln. Selbstverständlich geht dies nicht, ohne den Gegnern doch wieder einigen Much einzuflößen. — Ueberhaupt darf man niemals vergessen, daß der Kampf noch lange nicht zu Ende, daß unsere Enkel noch daran zu streiten haben werden. Was anderthalb Jahrtausende in die Natur der Gesellschaft hineingewachsen, kann ein Jahrhundert nicht Herausreißen. Wie ein Polyp wächst ein abgerissener Theil immer wieder nach. Es muß herausgelöst werden und da bedarf es der Zeit und. der Vorsicht. Frankreich hat dies am schlagendsten erwiesen. Der beste Bundesgenosse für uns ist der Klerus selbst, wenn er mit so schweren Waffen kämpft, wie er es in der letzten Zeit chat, und wenn das beabsichtigte Concil im Geiste des Syllabus und der Allokution ausfällt, wird es von großer Wirksamkeit sein, aber zu Gunsten der Glaubensfreiheit. — Die „N. fr. Pr/' enthielt dieser Tage folgendes Inserat, das auf Vergangenes und Gegenwärtiges eine Streiflicht wirst. Es lautete: Herr Redacteur! Es hat sich irrlhümlich die Meinung verbreitet, daß den Israeliten gegenüber, welche gleich mir vor dem Jahre 1848 von der Polizei gezwungen wurden, zur katholischen Kirche überzutreten, besonders dadurch, daß sie im Weigerungsfälle binnen 24 Stunden Wien zu verlassen haben - Hinderniffe zum Rücktritte ins Judenthum von Seite der Pfarrer und der Rabbiner obwalten. Dieses ist nicht der Fall; von keiner Seite wurden meinem Rücktritte Hindernisse in den Weg gelegt. Wien, 11., Juli 1868. Achtungsvoll Joel Prager, ehemals Joh. Ev. Prager. Der Magistrat hat beschlossen, in vorkommendeu Fällen beabsichtigter Aenderung der Glaubensbekenntnisse je nach ihrer Verschiedenheit dieselben an das fürsterzbischöfliche Consistorium, an die Consistorieii Augsburger oder Helvetischer Confession, den israelitischen Cultusvorstand u. s. w. zu leiten. — Man hat sich übrigens über den Zudrang von Convertiten nach Erscheinen des interkonfessionellen Gesetzes doch getäuscht, und der Umstand, daß die bei Weitem größere Zahl derer, die sich gemeldet, solche sind, die zum Judenthum über- oder zurücktreten wollen, hat in eine große Verwunderung versetzt, so daß die heutigen Blätter hervorheben, daß unter 16 Convertiten nunmehr ein Jude sei, der katholisch werden wolle. Die längsten Gesichter machen die Protestanten hierzu, die, wie bekannt, am meisten von der Proselytensucht befangen sind und geglaubt hatten, daß Katholiken und Juden in hellen Hausen ihnen zufallen würden, und sich entsetzen, daß den bei Weitem größten Gewinn aus der nunmehrigen Freiheit das Judenthum gezogen. Im Allgemeinen sehen bekanntlich die Juden diesen „Gewinn" als einen sehr zweideutigen an. Aber sie haben Unrecht. Denn wenn es auch an einzelnen Individuen nicht gelegen sein kann, so ist doch der Beweis der Lebens¬ und Anziehungskraft, die im Judenthume liegt, von nicht geringer Bedeutung. Denn wenn auch von de» zum Judenthume übertretenden Christen die Mehrzahl das Motiv hat, sich verheirathen zu können, so erweist selbst dies, daß der jüdische Theil der hierbei berührten Heirathskandidaten in ihrem Judenthume verharren. — Wien, 15. Juli. Die „N. fr. Pr." enthält folgende zwei Telegramme: Prag, 15. Juli. Narodni Listy wurde heute confiscirt. Das Blatt brachte einen scharfen

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