Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1868)
- Date
- 1868-07-28
- Page
- Seite 614 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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bildete. Denn, wenn die Ursache schwindet, so fällt auch die Wirkung weg. Dieser Gedanke schwebte mir zumeist vor Augen, als ich mich entschloß, gegenwärtiges Werkchen meinen Compatrioten ungarischer Zunge vorzulegen; — und eben diesen Augenblick, wo wir uns liebend einander nähern, halte ich für geeignet zur Veröffentlichung meiner Arbeit, welche seit zwei Jahren des Augenblickes wartet, wo sie. ans Tageslicht gelangen sollte. Die Fluth der Antipathie ist im Fallen, sei du, mein bescheidenes Werkchen, die Taube und bringe recht bald in die Arche des Judenthums den Oelzweig des Friedens. Nicht als captatio benevoleniiae dem verdienstvollen Herrn Verf. gegenüber, sondern als Reflex der günstigen Beurtheilung, die das Werk hierzulande findet, geben wir noch folgende Worte des Uebersetzers hier wieder: „Was den innern Werth dieses Merkchens betrifft, so springt derselbe dem aufmerksamen Leser in die Augen. Die tiefe historische Gelehrsamkeit, der scharfe Geist und die unparteiische Logik des Herrn Dr. Philippson werfen auf das, als schon längst abgeschlossene Thatsache gehaltene Ereigniß ein neues und untrügliches Licht. Diese Lectüre wird demnach nichtblosdem Juden, sondern wohl noch weit eher dem klar sehen wollenden Christen einen wahrhaften Genuß bereiten. —" Realprofessor Jeiteles in Arad versandte vor einiger Zeit an die israelit. Gemeinden Ungarns eine von ihm unter dem Titel: „Die Emancipation des jüdischen Cultus" verfaßte Brochüre, welche einen dringenden Mahnruf zur Vornahme liturgischer Reformen enthält. Gegen diese Brochüre schrieb Dr. Hildesheimer, Rabbiner in Eisenstadt, eine Flugschrift in streng klerikalem Geiste. Er erklärte sich nämlich in derselben „mit aller Entschiedenheit gegen die Aufhebung auch nur des geringfügigsten Gebrauches" (erkennt also mindestens die Geringfügigkeit so manchen Gebrauches an), wirft aber dabei zugleich mit derben haltlosen Worten um sich, wie z. B. „Die reformistische Presse kann nur in der Atmosphäre des Unverstandes (sic!) und der irregeleiteten Oeffentlichkeit sich bewegen." «Welche stichhaltigen Motive der Herr Doctor für diese seine Behauptung wohlanzugeben vermöchte? Paßt dieser Ausspruch nicht vielmehr ganz auf die Ultramontanen, also auch auf diejüdischen und ihre publicistischen Organe?) Der anonyme Recensent im „Magyar Zsidö“, diesem jüdisch-klericalen, seichten und faden Blatte, schreibt der Flugschrift des Dr. Hildesheimer, resp. dem Verfasser» selbst, eine besondere Macht zu, indem er die folgende,» wahrhaft lächerliche Behauptung macht: „Ergreift er» (der Herr Doctor nämlich) seine wichtige Waffe, so fällt» diese'weniger auf das winzige Gehirn Jeiteles —» dies wäre für ihn zu viel Ehre — als auf das eines» Philippson, Geiger, Fasse! und Consorten, die» f er mit seinen Geistesblitzen sammt und sonders vernichtet."» ' Die vom Herrn Anonymus wohl sehnlich gewünschte ver-» nichtende (!!) Wirkung dieser vermeintlichen Geistesblitze I existirt natürlich nur in seinem eigenen winzigen Ge-» Hirn, und schleudern diese angeblich durch Herrn Hlds.» vernichteten (!!) Geisteshelden Philippson, Geiger,» Fassel gottlob noch immer echte Geistesblitze gegen» alle „Pietisten und Gebräuchevergötterer, gegen^ieSchein-» orthodoxen, die Mucker und Augenverdreher, gegen alleR Scheinheiligen und Gefärbten." » > Mit lebhaftem Interesse sehen Ärigens alle Freunde ■ religiösen Fortschrittes im Judenthume dem praktischen» Resultate entgegen, welches der gediegene Artikelcyclus» des Herrn Redacteurs dieser Blätter über den öffent-» lichen Gottesdienst — respective der zu Ende des IV. » Artikels enthaltene Aufruf — haben werde. — » Der Cultus- und Unterrichtsminister Baron Eö t- » vös giebt seit Februar d. I. auf Landeskosten eine päda- » gogische Wochenschrift unter dem Titel: „Volksschulleh- » rerblatt" heraus, welche jeder Volksschullehrer Ungarns » in der ihm beliebigen Landessprache unentgeltlich zuge- » schickt erhält. Das Blatt erscheint in 7 Sprachen und » ist bereits in 14000 Exemplaren verbreitet. Für Nicht- » lehrer kostet es 3 fl. jährlich. Dasselbe hat keine con- » fessionelle Tendenz und bespricht den Stand der Schulen, » der Lehrerkonferenzen und Lehrer-Vereine sämmtlicher Con- » fessionen. — » Herr Paul Tenzer, gewesener Redakteur des „iMa- ■ gyar Jzraeliia“, läßt Anfang August ein „Album der » ungarischen Israeliten" in ungarischer Sprache erschei- » nin, worin die Namen derer, welche im Interesse der » Gleichberechtigung der ungarischen Israeliten gewirkt ha- » ben, verewigt werden sollen. Pränumerationspreis 1 fl. » Ladenpreis 1 fl. 50 kr. Dieses Album des Herrn Ten- » zer wird aller Voraussicht nach starke Verbreitung fin- » den und wohl auch in deutscher Uebersetzung erscheinen.— » Der bekannte Hebraist, Herr Simon Bacher in » Pest, giebt einen Band Uebersetzungen aus den Werken » berühmter ungarischer Dichter in hebräischer Sprache » heraus. Sal. Blum. »