Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1868)
- Date
- 1868-07-21
- Page
- Seite 608 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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wenden könnte bei meinem Gesuch an das MinisteriW. Ich habe schon in Berlin mit Dir darüber gesprochen, die Zeit rückt heran, wo ich solche Vorsätze zur Ausführung bringen sollte, und ich kann's Dir nicht genug empfehlen, diese Sache im Augenmerk zu behalten. Du weißt ja, ich selbst bin nicht im Stande dergleichen Demarchen selbst zu machen uyd zu überdenken; meine Freunde sind immer meine natürlichen Vormünder. Ja, säßen Weiber am Staatsruder, so wäre ich Mann genug, bald ein gemachter Mann zu sein." — Bei der ersten Nachricht, daß die Bemühungen seines Freundes Gans, eine Professur ohne vorgängigen Religionswechsel zu erhalten, vergeblich gewesen, und er sich nun den Umständen fügen wolle, spricht sich Heine ziemlich milde über dessen beabsichtigte Taufhandlung aus. Er bittet sogar Moser, Gaus die Versicherung zu erlheilen, daß er ihn jetzt nicht weniger als vormals liebe. „Ungern," fügt er hinzu, „vermisse ich in Deinem Briefe Nachricht über den Verein. Hat derselbe schon Karten herumgeschickt pour pmidre congc? oder wird er sich halten? wird Gott stark sein in den Schwachen, in Auerbach und Konsorten? wird ein Messias gewählt werden? Da Gans sich taufen lassen will, so wird er es wohl nicht werden können, und die Wahl eines Messias hält schwer. Die Wahl des Esels wäre schon weit leichter." Und als Ganz im folgenden Jahre Die Reise nach Frankreich und England angetreten hatte, spöttelte Heine: „Ich sehe mit Spannung seiner Rückkunft entgegen. Ich glaube wirklich nicht, daß Gans als Eli-Ganz zurückkehrt. Auch glaube ich, daß, obgleich der erste Theil des „Erbrechtes" mit vollem Recht, nach Zunzischer Bibliothekseintheilung, als Quelle zur jüdischen Geschichte betrachtet werden kann, dennoch der Theil des Erbrechts, der nach Gans' Zurückkunft Kon Paris erscheint, keine Quelle zur jüdischen Geschichte sein wird, ebenso wenig wie die Werke Savigny's und anderer Gojim und Reschoim. Kurz, Gans wird als Christ, im wässerigsten Sinne des Worts, von Paris zurückkehren." Als Heine diese ironischen Auslassungen schrieb, war an ihm selber der Taufakt bereits vollzogen. Es versieht sich, daß Solches in aller Stille und mit sorglicher Vermeidung jedes öffentlichen Aufsehens geschehen war. In dem kleinen preußischen Ort Heiligenstadt, einige Meilen von Göttingen entfernt, hatte sich Harry Heine am 28. Juni 1825 in der Dienstwohnung des Pfarres zu St. Martini, des Superintendenten Magister Gottlob Christian Grimm, durch diesen in die Gemeinschaft der evangelischen Kirche aufnehmen lassen, und, mit Beibehaltung des Familiennamens, bei der Taufe die Vornamen Christian Johann Heinrich empfangen. Als einziger Taufpathe fungirte der Superintendent in Langensalza, Dr. ilieol. Karl Friedrich Bonitz, welcher am folgenden Tage auch bei der Taufe von Zwillingskindern des Magisters Grimm Gevatter stand, und vermuthlich zu diesem Zwecke nach Heiligenstadt gekommen war. Wegen seiner zufälligen Anwesenheit mag er von Heine, dem es sicher erwünscht war, die Kirche selbst püt dem ganzen Odiurn der vorschriftsmäßig^ Formalitäten zu belasten, ersucht worden sein, ebenfall? an ihm Pqthenstelle zu vertreten. Mit welchen Gefühlen der Proselyt die ihm durch Familien- und Erwerbsrücksichten aufgenöthigte Taufhandlung hatte über sich ergehen lassen, sagen uns die ergrimmten Worte, in denen er seinem Freunde Moser die erste verschämte Andeutung von dem geschehenen Schritte giebt: „Ich empfehle Dir Golowin's Reise nach Japan. Du ersiehst daraus, daß die Japaner das civilisirteste, urbanste Volk auf der Erde sind. Ja, ich möchte sagen: das christlichste Volk, wenn ich nicht zu nieinem Erstaunen gelesen, wie eben diesem Volke Nichts so sehr verhaßt und zum Gräuel ist, als eben das Christenthum. Ich will ein Japaner werden. — Es ist ihnen Nichts so verhaßt wie das Kreuz. Ich will ein Japaner werden. — Vielleicht schicke ich Dir heute noch ein Gedicht aus dem „Rabbi", worin ich leider wieder unterbrochen worden. Ich bitte Dich sehr, das Gedicht, sowie auch was ich Dir von meinen Privatverhältnissen sage, Niemandem mitzutheilen. Ein junger spanischer Jude, von Herzen ein Jude, der sich aber aus Luxusübermuth taufen laßt, korrespondirt mit dem jungen Jehuda Abarbanel und schickt ihm jenes Gedicht, aus dem Maurischen übersetzt. Vielleicht scheut er es doch, eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unumwunden zu schreiben, aber er schickt ihm jenes Gedicht. — Denk nicht darüber nach."-Bitterer noch klingen die selbstanklagenden Aeußerungen eines fünf Wochen später geschriebenen Briefes: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Cohen versichert mich, Gans predige das Christenthum und suche die Kinder Israel zu bekehren. Thut er dies aus Ueberzeugung, so ist er ein Narr; thut er es aus Gleißnerei, so ist er ein Lump. Ich werde zwar nicht aufhören, ihn zu lieben; dennoch gestehe ich, weit lieber wär's mir gewesen, wenn ich statt obiger Nachricht erfahren hätte, Ganz habe silberne Löffel gestohlen. Daß Du, lieber Moser, wie Gans denken sollst, kann ich nicht glauben, obschon es Cohen versichert und es sogar von Dir selber haben will. Es wäre mir sehr leid, wenn mein eigenes Getauftsein Dir in einem günstigen Lichte erscheinen könnte. Ich versichere Dich: wenn die Gesetze das Stehlen silberner Löffel erlaubt hätten, so würde ich mich nicht getauft haben. — Vorigen Sonnabend war ich im Tempel, und habe die Freude gehabt, eigenohrig anzuhören, wie Dr. Salomon gegen die getauften Juden loszog, und besonders stichelte: wie sie von der bloßen Hoffnung, eine Stelle (ipsisrzim» verbn) zu bekommen, sich verlocken lassen, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden. Ich versichere Dir, die Predigt war gut, und ich beabsichtige, den Mann diese Tage zu besuchen. — Wenn ich Zeit hätte, würde ich der Doktorin Zun; einen hübschen jüdischen Brief schreiben. Ich werde jetzt ein rechter Christ; ich schmarotze nämlich bei den reichen Juden." Aufs schmerzlichste variiren die Klagen vom Frühjahr 1826 dasselbe Thema. „Das