Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1868)
- Date
- 1868-07-21
- Page
- Seite 607 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitung des Zu-enthnms. FeEeton-Mlage M Nr. 30. Leipzig, den 21. Juli 1868. Der Abend. VII. Was für ein Abend, sag', steht Dir am Himmel? Zst's Frühlingsabend, wo nach frohem Tage Mit frohem Lied die Sonne steiget nieder, Bon Blüthenduft und Purpurgluth umwogt? — Zst's Sommerabend, da nach heißem Tage Voll reichen Schaffens, von dem wolkenlosen, Dem azurblauen Himmel sinkt herab Des Sonnenballes goldne Feuerkugel? — Zst's Herbstesabend, der die weißen Nebel Um seiner Sonne Niedergang gehüllt, Daß sie in fernem Blutmeer untertaucht? — Zst's Winterabend — hinter bleichen Wolken^ Bleigrauen, schwindet unvermerkt die Sonne, Vom rauhen Nord verfolgt mit Eisesschwingen, Ihr Kommen sah, ihr Gehen stehet Keiner? . . . Sag' welcher Abend steht an Deinem Himmel? Heine von Adolf Strodtmann. lSchluß.) Hören wir schließlich Herrn Strodtmann über den Uebertritt Heine's. „Zwischen die Zeit des Examens und den Dag seiner Doktor-Promotion fiel ein anderer, ungleich wichtigerer Akt in Heine's Leben: — der Akt eines nominellen Uebertritts zur evangelischen Religion. Daß ihn kein starkes religiöses Band an das Judentum fesselte, haben wir zur Genüge erfahren. Auch mit dem Kulturleben seiner Stammesgenoffen fühlte sich Heine nur lose verknüpft; schon im Februar 1822 hatte er an Wohlwill geschrieben: „Auch ich habe nicht die Kraft, einen Part zu tragen und mir „Judenmauschel" Nachrufen zu lassen und zu fasten rc." Dennoch sträubte sich in ihm ein edles Gefühl gegen das Unwürdige eines Religionswechsels aus rein äußerlichen Gründen. Er berührte dies Thema zuerst in einem Briefe an Moser nach der Rückkehr von dem Besuche in Hamburg im Sommer 1823. „Wie Du denken kannst," schrieb er mit Rücksicht aus seine juristischen Pläne, „kommt hier die Taufe zur Sprache. Aus meiner Denkungsart kannst Du es Dir wohl abstrahiren, daß mir die Taufe ein gleichgültiger Akt ist, daß ich ihn auch symbolisch nicht wichtig achte, und daß ich mich der Verfechtung der Rechte meiner unglücklichen Stammesgenoffen mehr weihen würde. Aber dennoch halte ich es unter meiner Würde und meine Ehre befleckend, wenn ich um ein Amt in Preußen anzunehmen, mich taufen ließe. Im lieben Preußen!!! Ich weiß wirklich nicht, wie ich mir in meiner schlechten Lage helfen soll. Ich werde noch aus Aerger katholisch und hänge mich auf. Wir leben in einer traurigen Zeit, Schurken werden zu den Besten, und die Besten müssen zu Schurken werden. Ich verstehe sehr wohl die Worte des Psalmisten: „Herr Gott, gieb mir mein täglich Brod, damit ich deinen Namen nicht lästere!" ... Es ist fatal, daß bei mir der ganze Mensch durch das Budget regiert wird. Auf meine Grundsätze hat Geldmangel oder Ueberfluß nicht den mindesten Einfluß, aber desto mehr auf meine Handlungen. Ja, großer Moser, der H. Heine ist sehr klein. Wahrlich, der kleine Markus ist größer, als ich! Es ist dies kein Scherz, sondern mein ernsthaftester, ingrimmigster Ernst. Ich kann Dir das nicht oft genug wiederholen, damit Du mich nicht. mißt nach dem Maßstabe Deiner eigenen großen Seele." — Es scheint, daß Heine sich, wie Gans, eine Zeitlang mit der Illusion trug, als werde ihm die preußische Regierung den Eintritt in den Staatsdienst ohne vorherigen Uebertritt zum Christenthume gestatten, und daß er eine solche Vergünstigung durch eine Eingabe an das Kultusministerium zu erlangen hoffte. Hierauf bezieht sich nachfolgende Stelle eines Briefes an Moser vom Sommer 1824: „Deine Mittheilungen über die Veränderungen im Ministerium des Kultus haben mich sehr interessirt; Du kannst wohl denken, in welcher Hinsicht. Es ist Alles jetzt so verwirrt im preußischen Staat, daß man nicht weiß, wer Koch oder Kellner ist. Ich möchte wohl wissen, an Wen ich mich mit Erfolg