Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1868)
- Date
- 1868-07-21
- Page
- Seite 600 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahrlich, es können unsere Zustände nicht besser charakterisirt werden, als wenn man ihnen ein Spiegelbild aus der Zbit Franz I. vorhält. Soll es aber mit der Freiheit in Oesterreich wirklich Ernst werden, so muß der Schlußsatz der angeführten Schrift in Erfüllung gehen. Der Verfasser schreibt: „Was wir aber aufs nachdrücklichste wünschen müssen, damit die neuen Gesetze ins Leben treten, ist, daß die Concordatsluft aus den verschiedenen Amts- und Regierungsbureaux weggeschafft werde und der belebende Hauch der Freiheit, der Gerechtigkeit gegen Alle in dieselbe einziehe. Alles andere überlassen wir getrost dem waltenden Geiste der Zeit, der da ist Liebe und Gerechtigkeit." Pest, im Juli. (Privatmitth.) Vorbemerkung der Redaktion.!Die wichtige Angelegenheit auf unserem Gebiete in diesem^WeMicke ist die Entwickelung der inneren Verhältnisse der, ungarischen Juden. Eine freisinnige und hochherzige Regierung will den Juden ihres Landes neben der freiesten Entfaltung auch eine Organisation des Gemeinde- und Schullebens geben, innerhalb deren jene ungestört und gefördert vor sich gehen könne. Dieser Intention gegenüber die maßloseste Zerfahrenheit, die schroffsten Parteispaltungen, fanatischer und fanatisirender Eifer! Und inmitten dieser beklagenswerthen Zustände kein Mann, der mit überlegener Kraft, mit energischem Willen und allgemeinem Ansehen in den Streit schlichtend einzutreten und einen festen Mittelpunkt für die Gutgesinnten abzugeben vermöchte!... Wir waren, wiederholt im Begriff, die Feder anzusetzen, um den streitenden Parteien zuzurufen, über Sonder- und Parteiinteressen das große Ganze nicht aus den Augen >zu lassen, und dem Judenthume nicht tiefe Wunden zu schlagen, während die einzelnen Parteien nach der Herrschaft ringen, — wir standen immer davon ab, weil dem Fernstehendey doch immer die genauere Kenntniß und Beurtheilung des Augenblicks fehlt und uns mehrfache Erfahrung gelehrt hat,- daß solche Rufe von Außen von den erhitzten Geistern l^ehr Mit SpM- und Gehässigkeit, als mit williger und Wohlgesinnter Aufnahme beantwortet werden. Wir können daher einstweilen nur Berichte aufnehmen, deren völlige Verantwortlichkeit wir den Verfassern selbst über- - lassen müssen.-So folgender Bericht: Die orthodoxe Partei in unserem Vaterlande entfaltet seit jüngster Zeit eine Thätigkeit, die von wahrhaft be« sorgnißerregender Natur ist. Weit entfernt, der orthodoxen Richtung im Judenthume alle und jede Berechtigung streitig machen zu wollen — beklagen wir blos den offenbar retrograden Gang, den unsere „Altgläubigen" der „neuen Aera" gleichsam in Sturmschritt und mit Siebenmeilenstiefeln machen, ohne daß der Punkt auch nur annähernd bestimmt werden könnte, bei dem sie endlich stehen bleiben werden. Wie die Dinge bei uns bis jetzt sich entwickelten, war man zu der Erwartung berechtigt, es werden in Folge der glücklich errungenen. Gleichstellung der Juden und der freiheitlichen Verfassung des Landes auch unsere Orthodoxen nunmehr ernstlich bestrebt sein, den berechtigten und unabweisbaren Anforderungen unseres Jahrhunderts volle Rechnung zu tragen. Schon der Umstand, daß der „Schomrö Hadath-Verein" die Verbreitung der ungarischen Sprache unter der vaterländischen Judenheit in sein Programm ausgenommen, mußte als ein untrügliches Zeichen fortschreitender Kultur unter unseren Glaubensgenossen begrüßt werden. Es freute uns herzlich, daß unsere „alten" Brüder für ähnliche jungmagyarische Bestrebungen so viel Sinn bekunden, und glaubten, alles Uebrige getrosten Muthes der lieben Zeit anheimstellen zu dürfen, die mit ihrem Flügelschlag die nicht mehr so tief Schlummernden zum weitern Fortschreiten auf der bereits betretenen Bahn erwecken werde. Es kam jedoch anders. Unsere Orthodoxen haben sich den Chassidä ern in die Arme geworfen! — Welch' ein unberechenbarer Nachtheil dem Fortschritte^ der Kultur, dem moralischen und geisügen Leben unserer hierländischen Glaubensbrüder aus dieser unglückseligen Verbindung nothwendig erwachsen müsse, bedarf hier um so weniger einer Erwähnung, als Sie, geehrter Herr Redacteur, seit Jahren wiederholentlich ihre warnende Stimme gegen eine etwaige Vereinigung mit dieser gefährlichen Clique erhoben haben. Mit fast .divinatorischem Blicke haben Sie aus weiter Ferne die Gefahr zu ermessen gewußt, mit der diese Sippschaft die ungarische Judenheit bedrohet. — Wer hiefür die Verantwortlichkeit trage?' Wer diese unheilbringende Reaktion im Lager der Orthodoxen heraufbeschworen? Wer sie dazu gedrängt, bei ihren entschiedensten Antagonisten Zuflucht, Schutz und Rettung zu suchen? — Die Unwissenheit, £ miääm