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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-21 · Heft 30 (21.7.1868) · p. Seite 596

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 30 (21.7.1868)
Date
1868-07-21
Page
Seite 596 (sequence 6)
Language
German
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trpnrsb s-idiö. d*»«) nöb N*»n« s-pwd bs Aufmunterung zur Theilnahme an der projectirten Rabbinerversammlung. Ein und zwanzig Jahre sind bereits verflossen, seitdem die 3. Rabbinerversammlung in Breslau getagt, es war die letzte. Nicht als ob sie überflüssig oder ihr Inhalt gegenstandlos geworden wäre,; sondern das Jahr 1848 mit seinen politischen Umwälzungen hat fast alles andere geistige Interesse, besonders aber das auf religiösem Gebiete absorbirt. Auch jetzt noch vibriren diese politischen Schwingungen überall nach, darum ist auch auf dem ohne allen Vergleich größeren Felde kirchlicher Bestrebungen eine Zeit lang ein Stillstand eingetreten. Nur daß dort reaktionäre Bestrebungen sich geltend machen, die einen Gegendruck Hervorrufen. Für uns Israeliten, die wir keine Consistorien und Oberkirchenräthe haben, ist es gewiß jetzt höchst angezeigt, die religiöse Frage wieder in's Auge zu fassen. Haben wir nicht Alle in diesen 21 Jahren unsere Erfahrungen gemacht? Diejenigen, welche damals zu weit links gingen, mochten sich vielleicht überzeugt haben, daß ihre Bestrebungen für eine Verjüngung und Erkräftigung der religiösen Uebungen und synagogalen Gebräuche die von ihnen beabsichtigte Wirkung nicht gehabt haben; die Stabilen werden in ihren eigenen Häusern an ihren Kindern Erfahrungen gemacht und Veränderungen wahrgenommen haben, die ihnen selber wohl manche Reform für unabweisbar werden erscheinen lassen. Es ist während dieser Pause fast eine neue Generation herangewachsen, die sich in unserer Synagoge schon ziemlich fremd fühlt, sie wendet sich mit Recht an ihre geistlichen Vorsteher und fordert unter neuen Anschauungen. Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse im Gotteshause. Sie haben, hochgeehrter Herr Redakteur, den Impuls zu einer Rabbinerversammlung gegeben, deren Berathnngen, wie Sie bereits hervorgehoben, sich diesmal ausschließlich den Cultusfragen zuwenden sollen, weil hier um so eher und viel leichter eine Uebereinstimmung zu erzielen wäre. Möge doch eine recht zahlreiche Betheiligung von Amtsgenossen stattsinden, möge doch Keiner, der nicht absolut verhindert ist, aus dieser Versammlung zurückbleiben; möge doch Niemand Anstrengung, oder welches Opfer auch immer scheuen, er bringt es einer großen heiligen Sache der Judenheit. Möge am wenigsten Jemand aus klügelnder Berechnung, um es mit keiner Partei zu verderben, sich zurückhalten. Wir klagen oft über den Jndifferentismus der Gemeindemitglieder; mögen nicht auch wir derselben Gleichgültigkeit gegen das Wohl der Gesammtheit geziehen werden! Oppeln, Juli 1868. Dr. A. Wiener, Rabbiner. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Vom Main, im Juli. (Privatmitth.l In der jüngsten Zeit donnern die Neu- und Hyperorthodoxen diesseits und jenseits der Leitha in Blättern und Flugschriften wieder gewaltig für Trennung, Spaltung, also ein Schisma. Sie wollen, daß die fromme Heerde nicht auf das jüngste Gericht warte, daß Schaafe und Böcke von einander gesondert würden, sondern es soll diese Sonderung schon jetzt geschehen, die Gläubigen sollen sich von den Ungläubigen trennen, besondere Synagogen, Schulen und Friedhöfe anlegen, und so die „Sünder in Israel" verlassen! Man wird sich fragen, warum diese Leute ein solches Feldgeschrei erheben? Die Borgänge in Deutschland müssen sie überzeugt haben, daß wir Juden diese Sektirerei nicht wollen, daß wir in der Gesammtheit dem Beispiele unserer Ahnen folgen, welche die Verschiedenheit der Ansichten nicht als Motiv eines Bruches ansahen, und wohl wußten, daß eine solche Sonderung den ganzen Bestand aller jüdischen Institute in Frage stellen würde. Sie wissen auch, daß nur ein kleiner Theil, und zwar mit geringer Ausnahme die weniger Bemittelten ihnen zufallen würden. Was bewegt sie daher, ihre kreischende Stimme immer in derselben Tonart hören zu lassen? Gerade daß dies gegenwärtig besonders in Ungarn geschieht, deckt das Spiel dieser zwar frommen, aber höchst irreligiösen Leute auf. Sie wollen garkeine Trennung, sic wollen, kein Schisma, sic wollen nichts weiter, als dem großen Haufen der Schwachen und Indifferenten Furcht einflößen, und sie dadurch bewegen, die Waffen zu strecken und ihnen nachzugeben. Sie glauben, den großen Haufen überlisten zu können; vor der Drohung einer solchen Spaltung weichen alle die Friedfertigen, und deren ist die Mehrzahl, erschrocken zurück, und

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