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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-21 · Heft 30 (21.7.1868) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 30 (21.7.1868)
Date
1868-07-21
Page
Seite 595 (sequence 5)
Language
German
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595 lichen Strafen. Noch stand die erstaunte Welt vor dieser Thatsache, als die Bulle ^Storni patris erschien, um ein ökumenisches Concil auf den 8. Decemb. 1869 nach Rom zu berufen, und diese Bulle spricht es klar aus, daß nicht innere Kirchenfragen, sondern die Verdammung aller der, die civilisirte Welt leitenden politisch-socialen Grundsätze und die Erwägung der Kampfmittel gegen dieselben den Gegenstand dieses Concils bilden sollen. Dieses Concil wird für sich kein Schlachttag; die Prinzipienfrage existirt für dasselbe nicht; was vielleicht Bedenken und Verhandlungen Hervorrufen wird, das ist die Erwägung der Mittel, die in diesem Kampfe zu verwenden seien. Das Concil wird der allgemeine Kriegsrath sein, der das Manifest zu formuliren und den Feldzugsplan festzustellen haben wird. Doch dies nur materiell; die Hauptbedeutung wird darin liegen, daß nunmehr die gesammte katholische Kirche in die vorderste Schlachtreihe tritt, und als solche das Recht der Staaten, sich selbständig Gesetze zu geben, und die Gesetze der gegenwärtigen Staaten bekämpft. Vor allem muß man sich klar machen, welche Gebiete eigentlich für diesen Kampf der kirchlichen Gewalt offen stehen, damit man ihre Kräfte weder übernoch unterschätze. Es versteht sich, daß weder die Juden, noch die Mohammedaner, noch irgend ckußerchristliche Religionsparteien überhaupt, noch die Protestanten in allen ihren Confessionen und Secten von der Autorität des Papstes und des Concils berührt werden. Es handelt sich also nur um diejenigen Staaten, in welchen die Katholiken die überwiegende Mehrheit bilden. Asien, Afrika und Australien bleiben ganz aus dem Spiele. Nordamerika und Rußland, Großbritanien und Preußen, die drei skandinavischen Reiche, Holland uud die Schweiz, Rumänien, Griechenland und die Türkei haben keinen Theil daran. Auch Spanien können wir ausnehmen, weil die Streitfrage dieses Land noch nicht befaßt. Wir haben also nur Frankreich, Belgien, Italien, Oesterreich und Bayern, und höchstens noch Portugal, Mexiko und einige südamerikanische Staaten. Wir sehen, daß, wenn auch katholische Geistliche aus allen Theilen der Welt nach Rom kommen werden, der eigentliche Kreis sehr umschrieben ist, auf den das Concil zu wirken beanspruchen kann. Von den genannten Ländern sind es aber Belgien, Frankreich und Italien, welche für den Umsturz der Gleichberechtigung und die Gleichstellung der Culte dem Concil keine Chance bieten, mögen sie in Bezug auf die anderen Freiheiten weitere oder engere Grenzen angenommen haben. Somit bleibt wesentlich Oesterreich über, in welchem darum eine größere Erschütterung möglich ist, weil die Zeit noch zu kurz ist, in welcher dieser Staat aus dem Concordat herausgeschritten ist. Insofern hat also das Concil auf wenig Wirksamkeit zu hoffen. Allein Eines darf doch nicht übersehen werden. Wenn auch speziell das Concil als solches in seiner Autorität geographisch sehr beschränkt ist, sobald es aus das staatliche Gebiet sich begiebt, so läßt sich doch nicht verkennen, daß die Richtung, die es dabei einschlägt, nämlich die Bekämpfung der Gewiffensfreiheit, der Gleichberechtigung und aller liberalen Grundsätze, auch in den nichtkatholischen Staaten und unter den Nichtkatholiken viele Anhänger zählt, deren direkte oder indirekte Unterstützung das Concil finden könnte. Es ist selbst möglich, daß eine Zahl dieser Anhänger sich unter die Flügel der katholischen Führerschaft flüchtet, und daß die entwickelte Energie der Kirche die Energie aller retrograden Elemente von Neuem weckt und ihnen Mittelpunkt und Leitung gewährt. Dieser Umstand allein ist es, welcher uns Besorgnisse einflößt. Würde das Concil es verstehen, die kirchlichen Waffen nicht allzu sehr zu schärfen und als Kampfmittel hinanszustrecken, sondern sich nur als politische Partei, welche an die Kirche sich anlehnt, zu geriren, so könnte dadurch eine Macht entwickelt, eine über alle Länder sich erstreckende Verbindung hergeftellt werden, welche der liberalen Entwickelung der Gesellschaft furchtbar zu werden vermöchte. Hoffen wir, daß das Concil dies nicht verstehen, daß es vielmehr die päpstliche und kirchliche Macht so schroff, so drohend, so alles Andere beherrschend darstellen werde, daß es in der protestantischen Welt keine, in der katholischen Laienwelt nur halbe Bundesgenossen finden kann. Dies ist daher auch der eigentliche Punkt, auf welchen hingewirkt werden muß. Nicht die Diskussion der freiheitlichen Grundsätze ist die Hauptsache, sondern die der kirchlichen Macht über den Staat. Ne Rabbinerversammlung. Neuerdings haben wieder ihre Theilnahme an der Rabbinerversammlung eingesandt die Herren: Rabbiner Dr. Wolfs in Gothenbnrg (Schweden), Rabbiner vr. Geiger in Frankfurt a/M., Rabb. Dr. G Gottheil in Manch ester, Rabb. Ben-Israel in Coblenz. . Wir erhalten folgenden Artikel zur Veröffentlichung:

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