Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1868)
- Date
- 1868-07-14
- Page
- Seite 588 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Mittheilung der Agade Dank schuldig, und Litte Dich, noch außerdem mir das Leho Lachma Anja und die kleine Legende Maasse b'Rabbi Elieser wörtlich übersetzt zukommen zu lassen, auch die Psalmstelle im Nachtgebete: „Zehntausend Gewaffnete stehn vor Salomon's Bette" mir wörtlich übersetzt zu schicken. Vielleicht gebe ich dem „Rabbi" einige Druckbogen Illusiraiions auf englische Weise als Zugabe, und zwar originalen Jdeenextract über Juden und ihre Geschichte. Benjamin von Tudela, der jetzt auf meinem Tische herumreist, läßt Dich herzlich grüßen. Er wünscht, daß ihn Zunz mal bearbeite und mit Uebersetzung herausgebe. Die Uebersetzung und Bearbeitung vom französischen Dr. Witte, die ich vor mir habe, ist unter aller Kritik schlecht, Nichts als Schulknabenwitz. Ueber die Frankfurter Juden war mir der Schudt sehr nützlich; ich habe beide Quartbände ganz durchgelesen und weiß nicht, ob ich mich mehr geärgert über das Rischeß, das über jedes Blatt ausgegossen, oder ob ich mich mehr amüsirt habe über die Rindviehhaftigkeit, womit das Rischeß vorgebracht wird. O wie haben wir Deutsche uns vervollkommnet! Es fehlen mir jetzt nur noch Notizen über die spanischen Juden im fünfzehnten Jahrhundert, und besonders über ihre Akademien zu jener Zeit; wo finde ich was? oder, besser gesagt, fünfzig Jahre vor ihrer Vertreibung. Interessant ist es, daß dasselbe Jahr, wo sie vertrieben worden, das neue Land der Glaubensfreiheit, nämlich Amerika, entdeckt worden." Während Moser sich der Hoffnung, hingab, daß der „Rabbi" inzwischen fast vollendet sei, belehrte ihn ein Brief Heine's vom 25. Oktober desselben Jahres, daß der Roman noch immer nicht über das erste Drittheil hinausgekommen: „Cr wird aber sehr groß, wohl ein dicker Band, und mit unsäglicher Liebe trage ich das ganze Werk in der Brust. Ist es ja doch ganz aus der Liebe hervorgehend, nicht aus eitel Ruhmgier. Im Gegentheil, wenn ich der Stimme der äußeren Klugheit Gehör geben wollte, so würde ich es garnicht schreiben. Ich sehe voraus, wie viel ich dadurch verschütte und Feindseliges herbeirufe. Aber eben auch weil es aus der Liebe hervorgeht, wird es ein unsterbliches Buch werden, eine ewige Lampe im Dome Gottes, kein verprasselndes Theaterlicht. Ich habe viel Geschriebenes in diesem Buche wieder ausgelöscht, jetzt erst ist es mir gelungen, das Ganze zu fassen, und ich bitte nur Gott, mir gesunde Stunden zu geben, es ruhig niederzuschreiben. Lächele nicht über dieses Gackern vor dem Eierlegen. Lächele auch nicht über mein langes Brüten; so ein gewöhnliches Gänseei (ich meine nicht Dr. Gans) ist schneller ausgebrütet, als das Taubenei des heiligen Geistes. Du hast vergessen mir ein paar Notizen mitzutheilen, die ich in meinem letzten Briefe zum Behufe des „Rabbi" verlangte. Dem Dr. Zunz lasse ich für seine Mittheilung über die spanischen Juden tausendmal danken. Obschon sie höchst dürftig ist, so hat Zunz mir doch mit einem einzigen scharfsinnigen Wink mehr genutzt, als einige vergeblich durchstöberte Quartbände, und er wird unbewußt auf den „Rabbi" inflüenzirt haben. Ich wünsche, er hätte die Güte, mir anzuweisen, wo ich gute Notizen finde über die Familie des Abarbanel. — Im Basnage habe ich wenig gefunden. Die schmerzliche Lectüre des Basnage ward Mitte des vorigen Monats endlich vollendet. Was ich speciell suchte, habe ich eigentlich nicht darin gefunden, aber viel Neues entdeckte ich, und viel' neue Ideen und Gefühle wurden dadurch in mir aufgeregt. Das Ganze des Buches ist großartig, und mein Theil des Eindrucks, den es auf mich gemacht, habe ich den 11. September in folgender Reflexion an gedeutet: An Edom! Ein Jahrtausend schon und länger Dulden wir uns brüderlich, Du, du duldest, daß ich athme, Daß du rasest, dulde ich. Manchmal nur, in dunkeln Zeiten, Ward dir wunderlich zu Muth, Und die liebefrommen Tätzchen Färbtest du mit meinem Blut. Jetzt wird unsre Freundschaft fester, Und noch täglich nimmt sie zu; Denn ich selbst begann zu rasen, Und ich werde fast wie du. Aber wie ein Wort das andere giebt, so giebt auch ein Vers den andern, und ich will Dir zwar unbedeutendere Verse mittheilen, die ich gestern Abend machte, als ich über die Weenderstraße trotz Regen und Wetter spazieren ging und an Dich dachte, und an die Freude, wenn ich Dir mal den „Rabbi" zuschicken kann, und ich dichtete schon die Verse, die ich auf den weißen Umschlag des Exemplars als Vorwort für Dich schreiben würde, — und da ich keine Geheimnisse für Dich habe, so will ich Dir schon hier jene Verse mittheilen: Brich aus in lauten Klagen, ' Du düstres Martyrerlied, Das ich so lang getragen Im flammenstillen Gemüth! Es dringt in alle Ohren, Und durch die Ohren ins Herz; Ich habe gewaltig beschworen Den tausendjährigen Schmerz. Es weinen die Großen und Kleinen, Sogar die kalten Herrn, Die Frauen und Blumen weinen, Es weinen am Himmel die Stern'! Und alle die Thränen fließen Nach Süden im stillen Verein, Sie fließen und ergießen Sich all' in den Jordan hinein." Wir sehen aus einem Briefe vom Januar 1825, daß Heine seine Studien für den Roman immer weiter ausdehnte. „Ich lese viel", schreibt er; „immer noch Chro- JY