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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-07 · Heft 28 (7.7.1868) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 28 (7.7.1868)
Date
1868-07-07
Page
Seite 567 (sequence 17)
Language
German
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A l l g e m t i » e Zeitung des Zudeuthums. FeniUeton-Leilage zu tlr. 88. Leipzig, den 7. Juli 1868. Heine von Adolf Strodtmann. (Fortsetzung.) Der herein für Kultur und Wissenschaft der Inden. Mit solchen Gesinnungen kam Heine im Anfang des Jahres 1821 nach Berlin und mußte den dortigen Vorkämpfern des Judenthums ein willkommener Waffenbruder sein. Der Verfasser geht hier in ausführlicher Weise auf den Entwickelungsgang der Juden in der neueren Zeit ein, wie er durch Mendelssohn eröffnet, durch die französische Revolution und die Freiheitskriege befördert worden. Er sagt: „Das Judenthum war aus seiner früheren stagnirenden Absonderung in den lebendigen Strom der Zeitgeschichte hineingerissen worden, es kämpfte fortan für sein Recht und für seine Weilerentwickelung mit und neben andern nichtjüdischen Vaterlandsgenossen, die von ähnlichen Fesseln bedrückt wurden, und mit denen es jetzt gemeinsame Sache wieder den gemeinsamen Feind zu machen galt. Dieselben deutschthümelnden Fanatiker und legitimistischen Aristokraten, welche sich weigerten, die Juden als Deutsche und als freie Bürger anzuerkennen, waren ja die brutalen Restauratoren mittelalterlicher Staatskunst, die unerbittlichen Gegner jedes freiheitlichen Fortschritts auf religiösem, socialem und politischem Felde. Die Geschichte der Judenemancipation von 1815 bis auf den heutigen Tag ist daher untrennbar mit der Entwicklungsgeschichte des geistigen und staatlichen Lebens der Neuzeit verknüpft, und wie letzteres trotz aller Schwankungen und Rückschläge sich unaufhaltsam zu einer höheren Stufe entfaltet hat, so weist auch das Judenthum während dieses Zeitraums den Proceß eines gewaltigen, durch eigene Kraft vollzogenen Fortschrittes auf." Schon war durch verschiedene Versuche die Reform des Judenthums auf dem Gebiete der Schule und des Kultus angebahnt worden, da entstand in den Köpfen einiger jungen und begeisterten Israeliten, welche sich die Früchte deutscher Bildung zu eigen gemacht, der kühne Gedanke, für eine Entwickelung, die bisher ohne planmäßigen Zusammenhang auf vereinzelte Versuche beschränkt geblieben war, einen gemeinsamen Mittelpunkt zu schaffen, und durch Fortführung der begonnenen Bewegung auf geschichtlich haltbarer, wissenschaftlich gerechtfertigter Grundlage dem unsicher experimentirenden Umhertasten ein Ziel zu setzen. Die rohen Angriffe, die im Jahre 1819 von dem Straßenpöbel mancher deutschen Städte gegen die Juden gerichtet wurden, gaben den äußeren Anstoß zur Verwirklichung dieses Gedankens. Die Beratschlagung über die Mittel, wie der Rückkehr solcher Scenen vorzubeugen und die Quelle des Hasses und Vorurtheils gegen die Bekenner des Judenthums dauernd zu verstopfen sei, führte zu der immer klareren Erkenntniß, daß das jüdische Leben selbst einer gründlichen Läuterung bedürfe, um sich mit den Erfordernissen des modernen Staates und mit den ideellen Ansprüchen des Jahrhunderts in Einklang zu setzen. Zur Leitung und Förderung dieses Processes constituirte sich am 7. November 1819 der „Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden", welcher seinen Centralsitz in Berlin hatte. Der Verfasser rügt mit Recht, daß dieser Verein bis jetzt auch von Seiten jüdischer Schriftsteller keine eingehende Darstellung und Würdigung gefunden, und giebt daher eine solche aus den besten und unmittelbarsten Quellen. Wir wollen ihm hierin folgen, so weit es der Raum dieser Blätter gestattet. Als die Stifter und tonangebenden Lenker des Vereins sind Eduard Gans, Leopold Zunz undMoses Moser zu nennen. Der Zweck, welchen der Verein sich vorgesetzt, war aus dem Widerspruch heraus, in welchen die Juden durch die überkommenen inneren Zustände mit dem gewaltigen Jdeenumschwung und die hierdurch überall veränderten Bestrebungen gerathen seien, „eine gänzliche Umarbeitung der bis jetzt unter den Juden bestandenen eigenthümlichen Bildung und Lebensbestimmung und ein Hinführen derselben auf denjenigen Standpunkt, zu welchem die übrige europäische Welt gelangt ist," zu bewerkstelligen. Hierzu wollte man möglichst große und gediegene wissenschaftliche Bestrebungen befördern, Schulen, Seminarien, Akademien errichten, schriftstellerische Arbeiten an's Licht rufen; auf der anderen Seite sollte aber auch „durch Hinleitung der aufblühenden Generationen zu Gewerben, Künsten, Ackerbau und wissenschaftlichen Ausübungen, und durch Unterdrückung der einseitigen Neigung zum Handel, sowie durch Umarbeitung des Tons und der

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