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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-07 · Heft 28 (7.7.1868) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 28 (7.7.1868)
Date
1868-07-07
Page
Seite 553 (sequence 3)
Language
German
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553 Jndeß wir wollen uns hiermit nicht begnügen, sondern noch unsere eigene Ansicht über die betreffende Stelle hinzusetzen. Wenn wir die Stelle im Zusammmenhange betrachten, so fällt uns Dreifaches auf. Zuerst die feierliche Einleitung der folgenden Verse mitten in der Geschichtserklärung durch die Worte '°ni ’nb -Din' "öt tk „damals redete Josua zum Ewigen, am Tage, da der Ewige hingegeben den Emori vor den Söhnen Israels, und er sprach vor den Augen Israels u. s. w." Ganz in gleicher Weise wird 2. Mos. 15, 1. und 4. Mos. 21, I7r ein Lied eingeleitet. Dasielbe thut das 'in nn ova, ganz wie z. B. ovo 2. Sam. 22,-1. Ps. 18, 1. oder Kinn vna z. B. Nicht. 5, 1. Jes. 12, 1. 4. Es werden also offenbar in die Geschichtserzählung Verse oder doch poetische Redeweise eingeführt. Alsdann ist allen Exegeten V.; 15 auffällig gewesen, der aussagt: „Josua kehrte zurück und ganz Israel mit ihm ins Lager nach Gilgal." Dieser selbige Vers kehrt auch V. 43. wieder, und hier ist er vollständig an seiner Stelle, der Heereszug ist zu Ende, und man kehrt in das Lager zurück. Anders verhält es sich mit V. 15. Die Feinde flohen V. 10. 11. Josua verfolgt sie, die fünf Könige (V. 16.) verbergen sich in der Höhle zu Makkeda, Jo sua läßt Steine vor diese wälzen und befiehlt in der Verfolgung ununterbrochen fortzufahren, bis die Niederlage vollständig sei. Dann kehrt man zur Höhle zurück, richtet die Könige hin, nimmt Makkeda ein, und von da aus (V. 29) zieht man über die anderen Städte und unterwirft sie; dann erst (V. 43) kehrt man nach Gilgal zurück. V. 15 bringt also eine Rückkehr nach Gilgal mitten in die Verfolgung der Feinde, die doch ununterbrochen stattfindeu soll, und ist daher durchaus nicht an seinem Platze. Das dritte Moment besteht nun in dem wirklichjpoetischen Charakter der V. 12—14. Die Einleitung, der Parallelismus in den Worten Iosua's, die Ausdrücke dti und van« ->-u npi in, die Frage 'isi ton »bn, die angeführten V. 13 u. 14 zeigen dies zur Genüge. Jener Parallelismus in V. 14 brachte zuwege, daß nicht blos die Sonne, sondern auch der Mond zum Stillstehen aufgerufen wird, während zum Zwecke selbst der Mond ganz gleichgültig gewesen wäre. Hierzu kommt nun das Citat aus dem iimn idd „dem Buche der Redlichen", ebenfalls in poetischer Weise eingeführt, wie wir 2. Sam. 1, 18 das Klagelied auf den Tod Sauls und Jonathans aus demselben Buche citirt und entlehnt finden. Es ergiebt sich hieraus, daß diese ganze Stelle V. 12—15 ein poetisches Einschiebsel ist, das in die Geschichtserzählung an dieser Stelle eingeschoben worden. Der Verfasser desselben fand nämlich ein auf die Schlacht bei Gibeon bezügliches Lied im „Buche der Redlichen", umkleidete dieses selbst poetisch und fügte ihm V. 15 hinzu, um es geeignet abzuschließen. Denn wenn wir V. 12—15 herausnehmen, so geht die Geschichtserzählung in V. 11 und 16 ununterbrochen und im engsten und folgerichtigsten Zusammenhänge vor sich, den V. 15 unangemessen unterbricht. Dieser Vers ist aber um so sicherer Entlehnung aus V. 43, als auch die letzten Worte von V. 14 aus B. 42. entnommen sind (bsocb ortb *o), aber V. 42 viel angemessener stehen und viel natürlicher zum vorhergehenden passen als V. 14. Hiermit geht aber die ganze Stelle V. 12—15 aus der Geschichtserzählung in die Lieder und Poesien über, welche in der althebräischen Zeit sich immer an die merkwürdigen Ereignisse anschloffen und so gern der Geschichtserzählung einverleibt wurden. — Wir fügen nur noch die Bemerkung hinzu, daß das Citat aus dem „Buche der Redlichen" Veranlassung gegeben, den Verfasser des Buches Josua in eine viel spätere Zeit zu versetzen, weil eben aus demselben Buche ein Citat in dem zweiten Buche Samuelis gegeben, wird. Dies scheint uns nun hierdurch noch nicht gerechtfertigt zu sein, weil einerseits die Verse 12 und 15 ein Einschiebsel sind, das der Verfasser der Geschichtserzählung selbst nicht so eingeschoben hätte, und dann weil wir uns denken können, daß das „Buch der Redlichen" so beschaffen sein konnte, daß den früher gesammelten Liedern später noch spätere Lieder hinzugefügt werden konnten, als einer immer weiter anwachsenden Sammlung von Nationalliedern.*) *) Wir hatten dies niedergeschrieben, als wir von Herrn L. Weyl in Frankfurt a/Oder ein.Referat über das die Josuastelle betreffende Schriftchen des Hr. vr. G. Barzilai in Triest tln errore di trenta se coli l„ein Jrrthum von dreißig Jahrhunderten") erhielten. Wir heben aus diesem Referate Folgendes hervor. Herr B. will dii nicht „still stehen" sondern „schweigen, verstummen, geräusch- resp. lichtloses Verfließen" und dgl. erklären, und zwar weil von derselben Wurzel „Blut" herkomme. Josua habe daher der Sonne nicht geboten, still zu stehen, sondern ihr nur zugerufen, daß sie schweige, verstumme, lichtlos verfließe, aufhöre zu scheinen. Er behauptet, daß das fernere Scheinen der Sonne ja garnicht nöthig gewesen, da die Schlacht schon entschieden war. Man braucht nur einen Blick auf den weiteren Verlauf der Geschichtserzählung zu werfen, um diese Argumentation des Herrn B. zurückweisen zu müssen, da 28*

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