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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-30 · Heft 27 (30.6.1868) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 27 (30.6.1868)
Date
1868-06-30
Page
Seite 548 (sequence 18)
Language
German
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noch nicht Getaufter), sie auSsprrcht. Ich wollte, Michael Beer wäre getauft, und spräche sich derb, echt almansorisch, in Hinsicht des Christenthums aus, statt daß er dasselbe ängstlich schont und sogar, wie oben gezeigt, mit demselben liebäugelt." Der Inhalt des Dramas selbst ist folgender. Kurz vor der Eroberung Granadas durch Ferdinand den Katholischen und Jsabella lebten dort zwei edle Mauren, Abdullah und Aly, in inniger Freundschaft. Aly's heißgeliebte Gattin starb, nachdem sie ihm einen Sohn geboren, und Abdullah, dessen Frau um dieselbe Zeit eines Döchterleins genesen war, nahm das verwaiste Kind des Freundes einstweilen zu sich ins Haus. Aly vermochte jedoch auch später nicht den Anblick des Schmerzenssohnes zu ertragen, und ging mit Freuden auf den Vorschlag Abdullahs ein, die beiden Kinder schon jetzt mit einander zu verloben, und Zuleima, das künftige Weib seines Sohnes, unter Ammenleitung in seinem Schlosse zu erziehen, während sein eigener Sohn, Almansor, unter der Obhut des Freundes verbliebe. Die Kinder ahnten in so zartem Alter Nichts von diesem Tausche, sie sahen sich oft und liebten einander herzlich. Da brach jenes Ungewitter aus, welches mit dem Falle Granadas und der Vertreibung der Mauren aus Spanien endete. Als die rohen Verfolgungen Ferdinands und der Inquisition gegen die Muhammedaner begannen, und den Besiegten nur die Wahl blieb, sich entweder taufen zu lassen, oder nach Afrika zu fliehen, da wurde Aly Christ. Anders handelte Abdullah. Treu dem alten Glauben verläßt er mit Weib und Pflegekind und aller fahrenden Habe das Land seiner Väter, und setzt über nach Marokko. Die eigene Tochter, „die Gottesleugnerin," will er nicht Wiedersehen, und um sich an dem abtrünnigen Aly zu rächen, erzieht er dessen Sohn Almansor, den er erst hat tödten wollen, als sein eigenes Kind im Glauben Muhammed's und im Hasse gegen das Christenthum. Bei der Landung in Afrika stirbt Abdullah's Weib; er selbst folgt ihr auf der Wallfahrtsreise nach Mekka bald nachher üi’8 Grab, ohne Almansor das Geheimniß seiner wahren Abstammung enthüllt zu haben. Sehnsucht nach Zuleima und das Gebot der sterbenden Mutter, Jener ihren letzten Kuß zu bringen, treiben jedoch Almansor nach Spanien zurück, wo Aly sich an Abdullah, von dem er wähnt, er habe ihm aus Glaubensfanatismus seinen Sohn ermordert, christlich gerächt hat, indem er Zuleima als seine Tochter anerkannte und sie sorglich in der Meinung, daß sie sein Kind sei, erhielt. Als Spanier verkleidet, um sich vor der Wuth der christlichen Verfolger zu schützen, wird der heimgekehrte Almansor in den Trümmern seiner Vaterburg von einem alten Diener, Hassan, erkannt, der mit einigen Bekennern des Islam ins Gebirge geflüchtet ist, und von dort aus den Guerrillakrieg gegen die. siegreichen Kastilianer fortsetzt. Hassan beschwört den Sohn seines ehemaligen Herrn, sein Vorhaben aufzugeben und die abtrünnige Geliebte zu vergessen. Almansor aber will diese noch einmal Wiedersehen, und verfügt sich sofort nach Aly's Schlosse, wo eben die Verlobung Zuleima's mit einem würdigen Jndustrieritter gefeiert wird, der sich unter einem pompösen Ritternamen bei ihrem vermeintlichen Vater eingeführt hat. Schon an der Pforte des Hauses begrüßt den Fremdling in Gestalt des Dieners Pedrillo ein possenhaftes Beispiel des Renegatenthums. Almansor wird aus dem festlich erhellten Schlosse in das Wirthshaus gewiesen, denn — was die alte Gastlichkeit betrifft, So ist das eine jener Heidensitten, Wovon dies christlich fromme Haus gesäubert. Auch die alten Namen sind christlich umgetauft; der „gute Aly," wie er ehmals genannt wurde, heißt jetzt Don Gonzalvo,-Zuleima heißt Donna Clara, selbst der Dienerschaft sind die Namen biblischer Heiligen beigelegt; der alte Glaube ist ausgezogen, -die alte Liebe Hat man mit Hohn zur Thür hinausgestoßen Und laut verlacht ihr leises Todtenwimmern. Was ehmals Liebe hieß, heißt jetzo Haß. Almansor wartet, bis die Gäste sich entfernt haben, und singt dann vor Zuleima's Fenster ein altes, ihr wohlbekanntes Lied. Zuleima erscheint auf dem Balkon, und erkennt an der Stimme den todtgesagten Geliebten, welcher ihr die Scheidegrüße der in der Fremde gestorbenen Mutter bringt. Der plötzlich dazwischen tretende Hassan fordert sie auf, mit Almansor nach Afrika zu entfliehen. Am Morgen überrascht Letzterer Zuleima im Garten, und Beide führen ein mystisch tiefsinniges Zwiegespräch, in welchem das Christenthum den unheimlich grellsten Kontrast zu der bilderfarbenreichen Religion Muhammeds bildet. Almansor erinnert sich beim Anblick eines Christusbildes des Tages, wo er bei seiner Rückkehr nach Spanien zuerst eine christliche Kirche betrat, und Heine schildert hier sicherlich zu sehr seine eigene Stimmung bei einer solchen Gelegenheit, als daß wir diese Verse hier nicht Herstellen sollten. Schon an der Pforte goß sich mir entgegen Ein dunkler Strom gewalt'ger Orgeltöne, Die hoch aufrauschten und wie schwarzer Sud Im glühnden Zauberkessel qualmig quollen. Und wie mit langen Armen zogen mich Die Riesentöne in das Haus hinein, Und wandten sich um meine Brust wie Schlangen, Und zwängten ein die Brust, und stachen mich, Als läge auf mir das Gebirge Kaff, Und Simurgh's Schnabel pickte mir in's Herz. Und in dem Hause scholl, wie'n Todtenlied, Das heisre Singen wunderlicher Männer Mit strengen Mienen und mit kahlen Häuptern, Umwallt von blum'gen Kleidern, und der feine Gesang der weiß- und rothgeröckten Knaben, Die oft dazwischen klingelten mit Schellen Und blanke Weihrauchfässer dampfend schwangen. Und tausend Lichter gossen ihren Schimmer Auf all das Goldgefunkel und Geblitzer, Und überall, wohin mein Auge'sah,

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