Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1868)
- Date
- 1868-06-30
- Page
- Seite 547 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitung des Iudcnthums. FeuiUeton-Leilage;u Ar. 87. Leipzig, den 30. Juni 1868. Der Abend, v. Ha, welch ein Stern! noch einer! wieder einer! Der Knabe rief es voll Entzücken aus, Der aus der Kindheit sanften Nebelschleiern Voll lauter Licht ins Leben trat hinaus — Wie schön der Glanz, wie leuchtet dieser Strahl, Wie bebt das Herz, das zu ihm schaut empor, Dem will ich folgen, dem auch wandeln zu, Dort jener zieht mich durch sein Feuer an — Das ist der Ehre feurig Meteor, Dort funkeln scharf des Glückes reiche Gaben, Ein ganzes Sternenheer, und dort, so fern, In sanfter Majestät der Tugend Kranz Von bläulich Hellen Demantsteinen schimmernd . . . Der Knabe eilt, der Jüngling dringt voran, Sie glauben morgen schon im Licht der Sterne Die reine Seele zielbeglückt zu baden — Des Mannes Auge sieht sie klarer schon Vom schaurig mächt'gen Hintergrund sich heben, Sieht ihre Grenzen, ihres Feuers Stärke, Erkennt den Trug, die Aechtheit ihres Schimmers — Und schreitet fort und wagt die Kraft daran . . . Sieh, da erbleichen diese Sterne all', Die Einen löschen aus und sind verschwunden, Die Andern zeigen Flecken ihm bei Flecken, Der Letzten Strahl wird ach! so matt, so schwach . . . O Greis — der Abend kam — und deine Sterne Erlöschen jetzt, wie wenn der Morgen nahte? Was dir gestrahlt ans deinem ganzen Weg, Was Kraft dir goß in die erschlafften Sehnen, Was deiner Seel' ermüdete Gedanken Zu neuem Schaffen wieder wühlt' empor, Es hat sein Licht, hat seinen Pfad verloren? Auf Trümmern steht, auf Gräbern jetzt dein Fuß, Und deinem Auge sind die strahlenden, Die schimmernden Gestirne nun verblichen? Du siehst sie noch — doch zittert nur ihr Strahl Und droht zu schwinden in die Nacht des Nichts. Heine von Adolf Strodtvlann. (Fortsetzung.) Älmansor. Schon in Bonn und Göttingen verfaßte Heine eine Tragödie „Almansor." So wenig er auf den genannten Universitäten gerade mit Juden Umgang pflegte und seine Ansichten über religiöse Dinge zur Schau trug, vielmehr jedes Gespräch darüber vermied, so zeigt uns diese Tragödie doch deutlich, welche Empfindungen damals Heine in sich trug. Es war weniger eine religiöse Anschauung, die er nicht hatte und kaum haben konnte, als vielmehr ein bittrer llmnuth über die rechtlosen Bedrückungen, unter denen die Juden leiden mußten. In jener Tragödie machte er seinem Groll gegen die Unterdrücker mit der rücksichtslosesten Ehrlichkeit des Hastes Luft; die christenthumfeindliche Tendenz des Almansor war in dem schneidenden Hohn der Schlußworte zu grellstem Ausdruck gelangt, und es empörte ihn in tiefster Seele, als Michael Beer, weniger stolz gesinnt, in seinem „Paria," statt die Sprache des Anklägers zu führen, nur auf die Thränendrüsen des Publikums zu wirken und ein schwächliches Mitleid für seinen durch den Uebermuth einer bevorzugten Kaste mißhandelten Helden zu erregen suchte. „Die Zeiten sind so schlecht," heißt es in einem Briefe Heine's an Friederike Robert, „alle Menschen klagen, und es ist sehr politisch von unseren Regierungen, daß sie allenthalben die Ausführung des „Paria" begünstigen, damit wir sehen, es giebt Leute in Indien, die noch mehr leiden und ausstehen, als wir Deutschen." — „Fatal, höchst fatal," schreibt er über dasselbe Thema derber und deutlicher an Moser, „war mir die Hauptbedingung des Gedichts, nämlich daß der Paria ein verkappter Jude ist. Man muß Alles aufbieten, daß es Niemand einfalle, Letzterer habe Aehnlichkeit mit dem indischen Paria, und es ist dumm, wenn man diese Aehnlichkeit geflissentlich hervorhebt. Am allerdümmsten und schädlichsten und stockprügelwerthesten ist die saubere Idee, daß der Paria muthmaßt: seine Vorfahren haben durch eine blutige Mifsethat ihren traurigen Zustand selbst verschuldet. Die Anspielung auf Christus mag wohl manchen Leuten gefallen, besonders da ein Jude, ein Wasserdichter (will sagen: