Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1868)
- Date
- 1868-06-30
- Page
- Seite 539 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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hie, die le Hülfe > fragen nsarten hochherneuerben klar x Druck Serhältiche I rrungmj u heilen x. Auch turn, iit :ten als Spruch Verbinde Verier jede cbundcn ei." So Naßi's. >er den- : Werke, e Windfind als rzelndcn N Platze ium des rtzungcn geschützt, te ihren ritt zm ichte des is Me»-/ iß Leben! e. Aus! rde, ivicl >ar, wie! ttitv all-/ ist uns! licht die» lvuiienl'» SIS Notwendigkeit unseres Glaubens, ist doch wahrlich ein reineres, festeres und edleres Brod, als die blinde Orthodoxie, die sich jetzt breit zu machen sucht. Herr Professor Lazarus hat es zwar versucht die Neu-Orthodoxie in seiner Vorrede zu dem trefflichen Werken von Michael Sachs „Stimmen" als eine Art poetische Ueberkommenheit darzustellen, die durch ihren geschichtlich literarischen Werth eine religiöse Unterlage habe, allein bei allem Respect vor dem Herrn, möchten wir ihm doch nicht beipflichten. Geschichtlich wahr ist nur die Entwicklung, nicht aber das Erachten des Alten als einzige Wahrheit und Nothwendigkeit. Wenn wir uns aber durch Kenntniß des gesammten modernen Lebens aufgeholfen haben, wenn wir dabei eine erstaunenswerthe Kulturfähigkeit bewiesen, die uns der Versumpfung entriß, so ist es unsere Pflicht unfern entfernten Glaubensgenossen Beistand zu leisten. Darin müssen sich alle Männer des Judenthums vereinen, nicht durch Anfeindungen der Neuzeit oder durch schmeichelnde Belobung des Alten, die Anwendung der Gesammtkraft behindern. Ueberall, wohin wir sehen, sehen wir das Alte schwinden, und in geschichtlicher Erkenntniß um so fester das Neue begründen; wir wissen, daß diejenigen untergehen, denen sich die Kultur nähert und die dennoch diese nicht anerkennen, daß sie also nur eine Zukunft haben, wenn sie den Gang der fortschreitenden Entwicklung theilen, und wir müssen also darauf Bedacht nehmen, wie man die jüdische Bevölkerung der russischen Grenze dafür gewinnt. Kommt man nach einem solchen Städtchen, so findet man Tausende dichtgedrängt bei einander wohnen; der Boden und die Verhältnisse sind nicht im Stande sie zu ernähren, und wenn sie auch noch so fleißig sind. Außerdem weiß ja ein Jeder, wie leicht die Armuth und die Noth demoralisiren! Die Heirathen geschehen früh, die Bevölkerung nimmt zu, der Wohlstand ist eine Seltenheit, wo die ganze Umgebung arm ist, es ist also natürlich, daß ein Hungerjahr wie 1868 das Uebel in seiner ganzen Größe darlegt. Soll dieses freiwillige Ghetto schwinden, dann muß den Leuten der Muth beigebracht werden, sich diesen Verhältnissen zu entwinden und— auszuwandern. Dazu müssen die Mittel in Europa und Amerika aufgebracht werden, damit sie durch Handel und Ackerbau jenseits des Weltmeeres dort eine Heimath begründen, wohin man jetzt wöchentlich Tausende von Christen ziehen sieht, denen das Vaterland nicht mehr eine Stätte deS" fröhlichen Daseins ist, die dem Militairzwang und den riesigen Budgets aus dem Wege gehen wollen. Es würde die Grenze meiner Correspondenz überschreiten, wollte ich heute mich darüber auslassen, wie wohl diese Auswanderung zu ermöglichen wäre*) — allein es ist das einzige Mittel. So lange die Regierung selbst nichts thut um die Gemeinden anzuregen und zu unterstützen, sich der deutschen Kultur zu nähern, ist es bei der Armuth der Leute nicht möglich, sich aufzuhelfen. Es ist dies Sache der europäischen Judenheit! Die Almosen allein helfen nichts; wir sehen ja aus den Berichten der Unrerstützungs-Comitös (deren wahrhaft menschliche und edle Motive wir gewiß anerkennen), wie wenig auf den Einzelnen kommen kann, und es ist daher der größte Fehler, eine Versündigung an der Sache selbst, wenn man die Grundursache des Elends nicht aufdeckcn will. Das Studium des Talmuds bringt den Leuten kein Brod, Kenntniß des Deutschen und Hebung der Gemüther wäre besser, um etwa nicht still resignirend unterzugehen, sondern wie unsere Väter auszuwandern, wenn ihnen die alte Heimath keine Mittel darbietet. Das ist männlich und nothwendigl Oesterreichischer Kaiferftaat. Wien, 12. Juni. Ueber die Petition der Repräsmtanz der Israeliten des Königreiches Böhmen wegen Aufhebung der bisher gesetzlich vorgeschriebenen Bidirung der von Israeliten geführten Geburts- *) Auch wir sind der Ansicht, daß Au sWanderung gegenwärtig das einzige Mittel der Hülfe ist, Auswanderung, die ebensowohl in die inneren Provinzen des russischen Reiches, als nach anderen Welttheilen geleitet werden könnte. Dazu würden sich auch, wie wir persönlich schon vor zwanzig Jahren die Beweise erhielten, die Leute sehr gern verstehen. Aber die eigentliche Schwierigkeit liegt in der Frage: wie diese Auswanderung zu ermöglichen wäre? Wer diese Frage wirklich zu lösen vermöchte, der hätte ein wahres und hohes Verdienst sich erworben. Ein Beispiel hierfür haben wir in Irland, das sich aus dem tiefsten Elend und vor immer wiederkehrenden Hungersnöthen nur durch eine lang fortgesetzte und ausgedehnte Auswanderung retten und allmälig heben konnte. Die Redaktion. 27