Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1868)
- Date
- 1868-06-30
- Page
- Seite 538 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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staatsbürgerlichen Rechte aufhebt, insbesondere 1) für alle Eidesleistungen der Israeliten eine der Gleichberechtigung entsprechende Form einführt, 2) die volle Gleichberechtigung der Israeliten zur Theilnahme an der Gemeinde- und Landesvertretung, so wie zur Bekleidung öffentlicher, Gemeinde- und Staatsämter ausdrücklich anerkennt." Dafür stimmen außer sämmtlichen liberalen Parteien auch eine Anzahl der Frei-Conservativen, darunter die Abgg. Herzog v. Ujest, Fürst Lichnowsky, Fürst Solms-Hohensolms-Lich, Graf Bethusy-Huc, Frhr. v. Unruhe-Bomst. Abgelehnt wird dagegen der Passus, welcher die Verbote und Beschränkungen der Eheschließungen zwischen Christen und Israeliten, so wie die auf dem israelitischen Glaubensbekenntniß des einen Theils beruhenden Beschränkungen der ehelichen Rechte beseitigt wissen will. Gegen denselben stimmen auch die Frei-Conservativen, mit Ausnahme des Frhrn. v. Unruhe-Bomst. Auch Liberale stimmen dagegen, so Abg. Twesten. Die Rabbinerversammlung. Zu der projektirten Rabbinerversammlung für den Gottesdienst haben bis heute <22. Juni) ihre Theilnahme erklärt die Herren: Landrabb. Dr. Adler in Cassel, Rabbiner Di. Joel in Breslau, Dr. Formstecher in Offenbach, Dr. Allb in Berlin, Oberrabbiner I. Kahn in Trier, Rabb. Goldmann in Birkenfeld, Dr. Wiener in Oppeln, Dl'. Fürst in Bayreuth. Wir ersuchen um baldige weitere Zutrittserkärung, um mit der Ausführung vorangehen zu können, da an dem zu wählenden Orte für eine gastliche Ausnahme zu sorgen ist. Die Redaktion. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Auö Ostpreußen, im Juni. (Privatmitth.) Noch immer hat die Noch kein Ende gefunden, und kann dies auch nicht bei den Juden in den Grenzdistrikten Rußlands, da die Ursachen viel tiefer liegen. Wenn durch den fortwährenden Druck, durch die Unbekanntschaft mit der wirklichen Welt, bei der Apathie, die über die ganze Bevölkerung ausgebreitet ist, eine Hülfe nicht durch Almosen geschaffen werden kann, so fragen wir uns, wie ist den Leiden abzuhelfen? Redensarten machen es nicht, und selbst die Reisen unseres hochherzigen Moses Montefiore nach St. Petersburg, neuerdings nach Bukarest, früher nach Jerusalem haben klar dargelegt, daß überall da, wo die Juden im Druck und in Armuth leben, für sie ganz andere Verhältnisse angebahnt werden müssen, als augenblickliche Almosen ermöglichen, oder Hülfe bei den Regierungen erflehen. Jede Wunde muß sondirt werden, um sie zu heilen die Chloroformirung betäubt nur den Kranken. Auch ich schätze den Talmud und achte dessen Stlidium, in unserer Zeit aber mehr von Seiten der Gelehrten als der großen Masse. Sagt doch der talmudische Spruch selbst: „Schön ist das Studium der Lehre in Verbindung mit einem thätigen Lebenswandel, denn die Verbindung beider macht die Sünde vergessen, aber jede Lehre, mit der keine angestrengte Thätigkeit verbunden ist, ist schließlich nichtig und führt Sünde herbei." So sprach der große Gamliel, der Sohn Juda Naßi's, und ähnlich sprach Elieser, Sohn Asarjah's, der denjenigen, dessen Weisheit größer ist als seine Werke, dem dürren Baume vergleicht, welchen der erste Windstoß umwirft, den aber, dessen Werke größer sind als seine Weisheit, dem wassergctränkten, tieswurzelndcn Baume, welchen alle Winde der Welt von seinem Platze nicht entfernen. So hat denn auch das Studium des Talmud, die strenge Uebung der jüdischen Satzungen die Bevölkerung wohl vor Verdummung geschützt, aber nicht die Versumpfung ferngehälten, die ihren Blick in die Außenwelt verdüstert, jeden Schritt zur Befreiung behindert. Man studire die Geschichte des vorigen Jahrhunderts, und wir finden uns selbst in Deutschland annähernd in gleicher Lage, bis Mendelssohn uns die deutsche Sprache zuführte, das Leben mit der Umgebung und Wirklichkeit eröffnete. Aus seinem eignen Leben weiß ja ein jeder ältere Jude, wie es noch in seiner Jugend so schlecht bestellt war, wie tief gedrückt wir waren, wie wir nur als Schutzjuden noch geduldet, besonders in den Kleinstaaten, nur allmälig durch die freiere Uebung der Wissenschaft lins einen Wirkungskreis schufen. Und wie hat nicht die Idee, die Kenntniß vom Judenthum selbst gewonnen? Ihre Darlegung, Herr Redacteur, von der geschichtliche»