Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1868)
- Date
- 1868-06-23
- Page
- Seite 520 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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und endlich an die wiederum glücklichen Ausgänge erinnert, die uns die traditionellen Sagen vorzüglich von Prag vorführen. Ein in Lehrdiensten bei einem dortigen Professionisten, beide jüdischer Confession, stehender junger Mann, der wohl mit dem vielsagenden Prädicate „Kamin" bezeichnet zu werden verdiente, hätte er nicht noch eine seltene Großmuth an den Tag gelegt, wollte jüngst, vom Proselhtismus oder dem Phantastikon resp. von beiden zugleich dazu verleitet, seinen Glauben vertauschen, und in dortige Militairdienste eintreten. Die unsägliche Gnade Sr. Majestät des Kaisers von Rußland, welche nicht nur in den untern Rangstufen des Militairwesens keinerlei Confessionsunterschied duldet, sondern durch weise Anordnungen namentlich den mosaischen Glauben, selbst in seinen temporären Ansprüchen und Hindernissen, auch da aufrecht zu halten veranlaßt, wo er bereits die allgemeine Militairinstruction verletzt, bringt uns sofort von der kaum gefaßten Idee ab, als liege dem Umkippen des jungen Mannes der Militairdienst zu Grunde. Dem sei wie chm wolle, der junge „Acher“ begann seine Studien bei einem dortigen Geistlichen, gegen die er jedoch schon nach den ersten Tagen eine solche Antipathie empfunden, daß er sie sofort aufgab, und dem Grimme der Geistlichkeit vorläufig zu entgehen, nahm er in einem öden und menschenleeren Garten sein zeitweises Domicil. Jndeß cursirte das von den Proselhten wahrscheinlich ausgegangene Gerücht von einem stattgehäbten, durch das Rabbinatsassessorat ausgesprochenen Todesurtheil über den Contravcnienten, und einige wollten sogar schon von einer Vollstreckung wissen. Es ist selbstverständlich, daß diesem Gerüchte vorzüglich die schon wüthende Geistlichkeit gern ihr Ohr geliehen, und sie verlangte nun von der polizeilichen Macht, das grausame Verbrechen strengstens zu rügen. Jetzt bemächtigte man sich nicht nur des ganzen Assessorats, sondern auch vieler andern, als Verschworene betrachteten Gelehrten. Die Jnhaftirten schmachteten in Fesseln und sahen wohl die ihnen drohende Gefahr. Jndeß auf Betrieb der andern jüdischen Bürger der Stadt, denen seit letzter Zeit beim geringsten Formfehler und wiederum entsetzlichsten Verbrechen schwere Contribution (diesmal 16 Rubel pro Mann) auferlegt worden, bildete sich eine Commission, auch die Gräber des jüdischen Kirchhofes einer strengen Untersuchung zu unterwerfen, ob ein neuer Leichnam hinzugekommen. Nach schonungslosem und entehrendem Durchwühlen einiger der stillen Gräber fand die Commission nur eine an demselben Tage neu hinzugekommene Leiche, glücklicherweise jedoch nur die eines kleinen Kindes. Doch nicht vergessen hatte Gott an die unschuldigen Gelehrten, denn ihre mit stiller Ergebenheit erduldeten Qualen drangen zu dem jungen wieder erwachten Contravenienten, und mit kühner Entschlossenheit lieferte er sich selbst dem Oberpolizeimeister aus. Die Bürger wurden sofort der Contribution enthoben, und die unschuldigen Gelehrten freigegeben. Der junge Mann jedoch hat noch sein Schicksal zu erwarten. Jecheskiel H.Ostrowo. Corre spvndenz. Bielefeld, im Mai. Gericht über -ie Conferenz des Vereines ift- Clementarlehrer für Weltphalen und Vheinprovinz, zu Dortmund am 20. und 21. April. Es waren 38 Lehrer erschienen, und als Gast: Dr. Kronenberg in Leichlingen. Nachdem der Vorsitzende, Blumen au, die Conferenz durch ein kurzes Gebet eröffnet und die Versammlung freudig begrüßt hatte, wurde zunächst die von den Collegen Kronenberg «Geselle), Wolfsdorf «Erwitte» und Mandel (Lippstadt) entworfene Geschäftsordnung vorgelesen und beschlossen, dieselbe, um ihre Brauchbarkeit zu erproben, bei der diesmaligen Conferenz versuchsweise anzuwenden. — Der Vorsitzende gab hierauf eine Uebersicht über die Thätigkeit des Vorstandes seit der vorjährigen Conferenz, namentlich über dm Stand der Unterstützungscasse des Vereins, der als ein recht befriedigender anerkannt wurde, wodurch die Anwesenden um so mehr sich ermuntert fühlten, für die innere Kräftigung des Instituts mit erneutem Eifer thätig zu sein. Es waren seit dem 14. Juni 1867 bis 20. April 1868, also in ca. 10 Monaten der Caffe zugeflossen: An ordentlichen Beiträgen der Mitglieder . ..154 Thlr. — Sgr. — Pf. an außerordentlichen Beiträgen von Gemeinden und Privaten . 424 Thlr. 14 Sgr. 2 Pf. an Zinsen.82 Thlr. — Sgr. — Pf. Summa: 660 Thlr. 14 Sgr. 2 Pf.