Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 26 (23.6.1868)
- Date
- 1868-06-23
- Page
- Seite 515 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226662--26190-3261720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
515 es allerdings wahr ist, daß nicht Wenige in ihrer finanziellen Stellung ein Reisehinderniß'finden, so hoffen wir, daß dafür einige Mittel sich ergeben werden. Also auf zum gemeinsamen Werke! Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. Juni. In diesen.Tagen wurden der dritte und vierte Band von Gabriel Rießer's gesammelten Schriften (Leipzig in Commission bei Friedr. Volckmar) ausgegeben, und damit die von der Rießer- Stiftung veranstaltete Ausgabe beendet. Der 3. Bd. enthält die, auf die Stellung der Juden in Preußen bezüglichen Schriften Rießer's von 1832—1861; der 4. Bd. „Schriften über Literatur und literarische Verhältnisse" und zwar über Lessing's Denkmal, jüdische Briefe, Börne und die Juden, und Festrede zum hundertjährigen Geburtstage Schiller's; ferner „Politische Schriften und Reden", worunter besonders die in der deutschen Nationalversammlung und im Erfurter Volkshause gehaltenen Reden; endlich „Schriften vermischten Inhalts", nämlich „ein Wort des Dankes an die israelitischen Bürger Badens", und „Amerikanische Anschauungen und Studien". Somit ist diesem Kämpfer für Recht und Freiheit das Denkmal vollendet, welches ihm zu setzen wir den ersten Anstoß und thatkräftige Unterstützung gegeben haben. — Von der bekannten Gedichtsammlung über Gegenstände aus dem Gebiete des Judenthums „Libanon" von L. A. Frankl (Wien, Pichler 1868) ist die 4. Aufl. erschienen. Wie dies ein schönes Zeugniß für die Trefflichkeit der Sammlung ist, so auch für den Anklang, den gute Schriften noch immer bei dem jüdischen Publikum finden. — Die ungarische Uebersetzung, welche der ve. j»>'. Geza Franz Schulhof von der Broschüre „Haben die Juden wirklich Jesum gekreuzigt?" angefertigt, ist in Pest bei Posener und Heller erschienen. Der Uebersetzer hat eine in schwungvoller Rede verfaßte Vorrede vorangestellt, in welcher der junge Verfasser die gesetzliche Anerkennung der Juden als Söhne Ungarns feiert und seine Glaubensgenossen zur Eintracht und zum Fortschritt mit den wärmsten Worten auffordert. — Dr. Ludwig Philippson hat vor einigen Monaten ein Trauerspiel unter dem Titel „Die Entthronten" erscheinen lasten, jedoch zunächst „als Manuskript gedruckt", sodaß es nur an wenige Freunde vertheilt worden. Den Gegenstand bildet die Geschichte Gedakjas, eines der großherzigsten Märtyrer des jüdischen Volkes, undlehnt sich so an die frühere Tragödie deffelben Verfassers, „Jojachin". Doch hat derselbe auf diesem althistorischen Grunde ein Bild entworfen, dessen Züge auch in der jüngsten Gegenwart unserer Zeit sich wiederspiegeln, wie auch der Titel andeutet. Neben dem nationalen Interesse tritt daher das politische in den Vordergrund: es wird der Kampf eines abgestorbenen Königthums mit dem nach politischer Verjüngung ringenden Volke gezeichnet. Später gedenkt der Verf. sein Werk dem allgemeinen Publikum zu übergeben. — *) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 10. Juni. In der heutigen Sitzung des Reichstages kam die bereits mehrfach erwähnte Petition des Kaufmanns Sternberg wegen Abschaffung des Judeneides zur Verhandlung. Berichterstatter Abg. Dr. Hüffer beantragt, diese Petition dem Bundeskanzler mit dem Ersuchen zu überweisen, dieselbe der zur Berathung der Civilprozeßordnung tagenden Commission znr Berücksichtigung bei Ausarbeitung der neuen Civilprozeßordnung zuzustellen. Hierzu bemerkt Abg. v. Bernuth: Meine Herren! Sie werden aus dem Berichte der Petitions-Commission ersehen haben, wie groß die Zahl der dem Norddeutschen Bunde angehörigen Staaten ist, in denen die besonderen, veralteten Formen des Judeneides längst abgeschafft worden sind; selbst Mecklenburg befindet sich darunter! Nicht ohne ein gewisses Gefühl der Beschämung habe ich zu constatiren, daß namentlich Preußen sich unter den Staaten befindet, jwo jene seltsamen Formen noch heute in vollem Umfange gelten. Dies hier auszusprechen, habe ich mich um so mehr berechtigt gehalten, als ich in einer früheren Periode, *) Wir gestatten uns hier folgende Bemerkung: wir erhielten jüngst aus Oberitalien einen Nachweis, daß das Wort a:> von actum herkomme (wie ö’aaip von accubita). Da aber diese Ableitung schon von Sachs Beiträge II S. 183. gegeben worden, so können wir die ged. Mittheilung als neu hier nicht aufnehmen. Redaktion.