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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-23 · Heft 26 (23.6.1868) · p. Seite 513

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 26 (23.6.1868)
Date
1868-06-23
Page
Seite 513 (sequence 3)
Language
German
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513 wohl nur theils Manöver, um die großen erforderlichen Opfer zu rechtfertigen, theils Folgerungen der jeden Schritt der Regierung beobachtenden Menge. Somit ist die gegenwärtige Lage der Dinge in Deutschland keine für immer haltbare, deren Lösung jedoch Jahrzehnte hinausgeschoben sein kann. Man weiß, wie lange eine selbst mißliche Position bestehen kann, wenn man sich erst daran gewöhnt hat, wenn man, wie man jetzt zu sagen pflegt, einen modus vivendi gefunden. Das Zollparlament und das Schutz- und Trutzbündniß mit ven Südstaaten, sowie der Prager Frieden, sind ein solcher Modus, und so kann die deutsche Frage augenblicklich als stillstehend betrachtet werden. Der letzte Versuch der italienischen Actiouspartei, die weltliche Herrschaft des Papstes zu stürzen, hat den Jtaliänern gelehrt, daß sie unter gewöhnlichen Umständen nicht zu diesem Ziele kommen werden. Dicßmal hat die italiänische Regierung dem Garibaldi nicht gewehrt, sondern ihn ruhig ausführen lassen. Sie wollte erproben, wie weit nach dem Abzüge der Franzosen die Entschließung Napoleons III. zu einem neuen Einzug der Franzosen in den Kirchenstaat gehen werde, und hielt sich gerade auf der Linie, auf welcher ein offner Zusammenstoß mit den französischen Waffen noch zu vermeiden war. Aber es steht zu erwarten, daß selbst, wenn Frankreich seine Hand vom Papste zurückzöge, im Nothfalle, andere Staaten, wie Spanien und selbst Oesterreich mit den Waffen in der Hand intervepiren würden; und da der erstere Fall nur unter den außerordentlichsten Umständen stattsinden wird, so würde Frankreich dann gegen einen solchen Act nichts einzuwendcn haben. Denn das hat sich unzweifelhaft erwiesen, daß die katholischen Völker doch noch zu viel Interesse für den Bestand des päpstlichen Thrones hegen, als daß sie dessen Umsturz ruhig zusehen würden. Italien hat bis jetzt seine Erfolge lediglich vermittelst der zwischen anderen Großmächten ausgebrochenen Kämpfe erlangt. Durch den Kampf zwischen den Westmächten und Rußland wurde Sardinien in den Kreis der europäischen Mächte eingeführt; durch die Abrechnung zwischen Frankreich und Oesterreich gewann es die Lombardei und freien Spielraum, den anderen italienischen Dynastien den Garaus zu machen; der siegreiche Feldzug Preußens gegen Oesterreich brachte ihm Venetien ein. Der Umsturz der päpstlichen Herrschaft könnte also nur unter außerordentlichen Vorgängen in Europa eintreten, und da gegenwärtig die Mächte sämmtlich einverstanden sind, den Jtaliänern die Wegnahme Roms zu verwehren, oder ihnen keinen Vorschub zu leisten, so kann man die päpstliche Frage gegenwärtig als vertagt ansehen. «Schluß folgt.) Rumänien X. Bonn, 12. Juni. Trotz der Genugthuung, welche Bratiano den diplomatischen Agenten geleistet hat, bleibt doch die Hauptsache, die Austreibung der Juden, die Vernichtung aller Contrakte, die sie geschlossen, der Ausschluß von allen Licitationen u. s. w. nach wie vor, und, indem man den berüchtigten Entwurf der 31 ruhen läßt, thut man, als ob er bereits längst Gesetz wäre. So wurden in jüngster Zeit wieder aus Galacz mehrere traurige Fälle gemeldet. Zu welchem Schaden sich das öffentliche Wesen durch den Ausschluß der Juden von den Licitationen selbst verurtheilt, davon giebt das „Echo Danubien“ mehrere Beispiele. Bei der jüngsten Illumination der Stadt erhielt ein Fremder die Beschaffung der Lampen, das Stück zu 30 Paras. Der Fremde übergab die Lieferung einem Juden, das Stück zu 18 Paras. Die Stadt bezahlte also das Vergnügen, die Juden nicht direkt mit der Lieferung zu betrauen, mit der Kleinigkeit von 40 Prozent. Und so geht es in kleinen und großen Dingen. Uebrigens hat der öfter. Generalkonsul die gemessensten Weisungen erhalten, auch die Angelegenheit der Entschädigung der ausgetriebenen Juden mit aller Energie zu betreiben, und die Repräsentanten der Westmächte sind auch die diesfälligen Schritte nachdrücklichst zu unterstützen instruirt. Am 25. Mai sind rem rumänischen Senate die auf die Judenverfolgungen bezüglichen Actenstücke vorgelegt worden. Herr Bratiano läßt durch seine Federn verkündigen, er werde den Senat auflösen, falls er auf Grund dieser Actenstücke ein Tadelsvotum gegen die Regierung beschließen sollte. Der Constitutionnel warnt die rumänische Regierung vor einer Maßregel von so entschieden revolutionärem Charakter und stellt für einen solchen Fall nicht undeutlich eine energischere Intervention der Mächte, als bisher, in Aussicht. — Unter dem 20. April d. I. reichte eine Anzahl Israeliten von Jassy eine Petition bei dem Senate ein, in welcher in objektivster Weise alle die Paragraphen der Constitution, so wie sämmtliche Gesetzesbestimmungen aufgeführt sind, welche den Israeliten die bürgerlichen 26*

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