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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-16 · Heft 25 (16.6.1868) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 25 (16.6.1868)
Date
1868-06-16
Page
Seite 509 (sequence 19)
Language
German
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bereits in Vergessenheit gerieth. Der Talmud führt darum gleichsam als geflügelte Worte eine Menge Sprüche aus Sirach an, ohne die Quelle zu erwähnen. Die Sprüche des Sirach, die im Talmud Vorkommen, wurden von Zunz und Dukes gesammelt, aber es finden sich noch viele anonyme angeführt, deren der Talmud ohne Quellenangabe sich bedient, z. B.: Er badet sich und hat das Gewürm, das unreine Thier, in der Hand! Thaanith 16 a. Bei Sirach eciil. Gutmann. 31, 25 lautet dies: Wenn Jemand sich badet wegen eines Todten und ihn dann wieder berührt, was nützt ihm das Reinigungsbad? — Müßiggang aller Laster Anfang! nbaa 'T'b Kethuboth 29. Bei Sirach 30, 36: Schicke deinen Knecht zur Arbeit, damit er nicht müßig gehe, denn Müßiggang lehrt viel Böses. — Das Loch ruft den Dieb herbei! Sucka 26. Bei Sirach 36, 30: Wo kein Zaun ist, da wird das Eigenthum geplündert. — Es sind dies Sprüche, deren man sich im Leben häufig bediente, ohne deren Ursprung, wie bei uns die „geflügelten Worte," gar zu kennen. Würden wir noch das Spruchbuch des Sirach im Hebräischen besitzen, so könnte man noch viele talmudische Sprüchwörter daraus Nachweisen. Correspoudenz. Odessa, 22. Mai 1868. Einweihung des israelitischen Waisenhauses. Die Zahl zehn scheint den hiesigen Gemeindeanstalten besonders günstig zu sein. Am lODctober 1865 wurde das prachtvolle, großartige israelitische Hospital, am 10. April d. I. der neue Cultustempel und heute, den 10. Mai, wurde das jüdische Waisenhaus eingeweiht. Diese in jeder Hinsicht wichtige wohlthätige Anstalt, die, Dank der Munificenz der hiesigen intelligenten Gemeinde, ins Leben gerufen wurde, und die mit der Zeit segensreich wirken wird, wurde heute um 12 Uhr Mittag im Beisein der Behörden und einer zahlreichen Versammlung, als eine Abtheilung bei der hier bestehenden und vorzüglich verwalteten Talmud-Thora, die, beiläufig bemerkt, als eine Musteranstalt den übrigen ähnlichen Lehranstalten dienen kann, eröffnet. Die einfache, zum Herzen sprechende Feier wurde mit Choralgesang eröffnet, worauf der Prediger unserer Gemeinde, Herr Dr. Schwabacher, die Festrede hielt. Der Redner leitete seine Ansprache damit ein, indem er die Aufmerksamkeit der zahlreich Versammelten auf die im Saale sich befindlichen zwanzig Waisenknaben lenkte, die in der begründeten Anstalt Aufnahme gefunden. Ein trauriges und erschütterndes Bild war es, das er vor den Anwesenden entrollte, indem er in beredten Worten die un- - d glückliche Lage der vom Schicksale schwer geprüften Waisen schilderte, die obvachlos und verhungernd durch das Leben wanken. Er berührte in seiner trefflichen Rede das Armenwesen der hiesigen wohlthätigen und mit vollen Händen spendenden Gemeinde, der es aber an einem systematischen Handeln fehlt, und erwähnte mit Lob, daß sie endlich den Entschluß gefaßt, zu retten und zu sühnen, was noch zu reiten und zu sühnen Sache der Reichen und Wohlhabenden gegen die Armen ist, indem sie ein Asyl für Waisen gestiftet hat, welches längst ein Bedürfniß der Zeit war. Hierauf hielt einer der Vorsteher der Talmud-Thora, Herr Dr. med. Soloweitschik, Ritter und gewesener Redacteur der jüdischen Zeitschrift „Zion," eine russische Rede. Zuvörderst erklärte er dem nichtjüdischen Publikum die Bedeutung des Wortes Talmud-Thora, den Zweck dieser Anstalten, ging hierauf speeiell auf die hiesige Freischule über, deren Geschichte seit den letzten zehn Jahren er in gedrängter Kürze wiedergab, hob namentlich hervor, wie der humane, in der gelehrten Welt bekannte Professor Geheimrath N. I. Pirogoff, zur Zeit, als wir das Glück hatten, ihn zum Curator des hiesigen Lehrbezirks zu besitzen, dieser Anstalt seine volle Aufmerksamkeit widmete und dieselbe reorganisirte. Der Redner sprach die Ueberzeugung aus, daß die mildthätige Gemeinde Odessa's auch diese neue Anstalt thatkrästig unterstützen wird, und wenn dieselbe auch klein begonnen, sie in der nicht allzu fernen Zukunft größere Dimensionen annehmen werde. Hierauf begab sich die zahlreiche Versammlung, die zum großen Theile das schöne Geschlecht bildete, in die neu erbauten Räume des Waisenhauses im Hofe, von der Lehranstalt getrennt, und nahm die Zimmer in Augenschein. In dem weiten luftigen Schlafraume, welcher zweckmäßig und einfach eingerichtet ist, nahm wieder Prediger Dr. Schwabacher das Wort, richtete eine kurze Ansprache an die Anwesenden, legte diese gottgefällige Anstalt der Gemeinde warm ans Herz und weihete dieselbe ein, worauf der Chor: „Gott erhalte den Kaiser!" anstimmte. Wir sind mit dem Berichte fertig, haben aber zur Vervollständigung desselben noch so manches über die Entstehung des Waisenhauses hinzuzufügen. In wenigen Worten werden wir die Geschichte der Gründung dieser Anstalt beschreiben. Der erbliche Ehrenbürger, Herr Abraham Brodsky, ein Mann mit Energie und der Gemeinsinn besitzt, schenkte sein in dem Alexandrowsky-Prospect gelegenes Haus im Werthe von zwanzig Tausend Rubel der hiesigen jüdischen Gemeinde zum Eigenthum, mit der Bestimmung, aus den Einkünften desselben das Waisenhaus zu unterhalten, und steuerte zur ersten Einrichtung tausend Rubel, außerdem einen jährlichen Beitrag. Diesem edlen Beispiele folgte der wohlthätige

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