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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-16 · Heft 25 (16.6.1868) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 25 (16.6.1868)
Date
1868-06-16
Page
Seite 508 (sequence 18)
Language
German
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Viele solche Sprüche sind oft dunkel und schwer verständlich und lasten sich nur durch Parallelen mit den Literaturen anderer Völker bisweilen enträthseln. ■— So z. B. citirt der Midrasch zum l.B. M. 27, 20: „Da sprach Isaak zu seinem Sohne: Wie hast Du dies so schnell gefunden, mein Sohn? Jener sprach: Weil der Ewige, dein Gott, es mir entgegenkommen ließ," das dunkle Sprüchwort: Gleich dem Raben, der allein das Feuer in sein Nest brachte! -rp'wn «a-n^b Jrrrpb Die Commentatoren mußten sich natürlich hier aufs Rathen verlegen, da ihnen die Quelle des Sprüchwortes nicht bekannt war. Allein bei Aesop und Phädrus I. 28 hat sich diese Fabel erhalten, auf welche der Midrasch hier anspielt. Ein Mer und eine Füchsin lebten in Freundschaft zusammen und schlugen ihre Wohnung neben einander auf. Jener nistete auf einem hohen Baume, die Füchsin aber wählte sich für ihre Jungen das nächste Gesträuch. Einst ging die Füchsin auf Beute aus und der Adler schoß unterdeß auf das Gesträuch herab und raubte die jungen Füchse. Als die Füchsin bei der Rückkehr den Vorfall bemerkte, betrübte sie sich und verfluchte den Verräther. Nicht lange darauf opferten einige Leute auf dem Felde eine Ziege. Der Adler stieß herunter, raubte einen Theil des Geopferten und brachte es mit einer glühenden Kohle in sein Nest. Als sich darauf ein gewaltiger Sturm erhob, und eine Flamme erregte, so fielen die jungen ungefiederten Adler gebraten auf die Erde, die die Füchsin nun vor den Augen des Adlers gierig und schadenfroh verschlang. Diese Fabel veranlaßt nun das erwähnte Sprüchwort. Jakob nämlich verrieth sich selbst dadurch, daß er eine fromme, dem Esau ganz unähnliche Redensart seinem Vater gegenüber im Munde führte: Weil der Ewige, dein Gott, es mir entgegenkommen ließ. Durch diese religiöse Sprache, die Isaak an die Worte Eliesers, wie der Midrasch früher bemerkt, nur zu sehr mahnte, (nämlich l.B. M. 24, 12: Ewiger,Gott meines Herrn Abraham, laß es mir heute doch entgegenkommen) aufmerksam gemacht, erregte Jakob natürlich den Argwohn seines Vaters. Denn Isaak sprach dann zu Jakob: Tritt doch näher, daß ich dich betaste, mein Sohn, ob du wirklich mein Sohn Esau bist oder nicht. Da trat Jakob zu seinem Vater heran und dieser sagte: Die Stimme ist Jakobs Stimme (d. h. die fromme Sprache), aber die Hände sind Esau's Hände. Sinnig fügt nun der Midrasch hinzu: Gleich dem Naben, der allein das Feuer in sein Nest brachte. So wie der Rabe oder der Adler sich selbst bestrafte für seine doppelte Ungerechtigkeit, daß er mit seinem am Heiligen geübten Raube sein Nest anzündete, so bestrafte sich auch Jakob dadurch, daß er den Namen Gottes bei seiner Verstellung gebrauchte und eben deshalb den Argwohn seines Vaters erregte. IX. Der Weise und der Prophet. Die Vorzüge der Weisen über die Propheten werden im Talmud öfter hervorgehoben. Baba Bathra 12a wird die Behauptung, welche ein allgemeines Sprüchwort gewesen zu sein scheint, aufgestellt: Der Weise hat den Vorrang über den Propheten r-r-arn oan Phädrus III. 3 giebt zur Erhärtung dieses Spruches eine obscöne Aesop'sche Fabel, deren Anfang wir hierher setzen wollen: IIsu peritus hnriolo velocior Vulgo esse fertur: causa non dicilur. Nolescel quae nunc primum fabella mea. Erfahrne treffen's schneller als Propheten, So sagt das Sprüchwort, doch den Grund verschweigt^: Aus meiner Fabel mögt ihr ihn erfahren u. s. w. Bei Dukes, Blumenlese, fehlt dieses Sprüchwort, wie überhaupt noch viele andere wichtige Sprüche.*) X. Der Ehrenplatz. Plutarch, Lakonische Maximen, erzählt von Agesilaus dem Großen: Als ihn einst in seiner Jugend an dem Feste Gymnopädia der Choranfübrer an einen verächtlichen Ort gestellt, ungeachtet er schon zum Könige ernannt worden war, so ließ er sich diese Schmach gefallen und sagte: Gut! ich will zeigen, daß nicht der Ort dem Manne, sondern der Mann dem Orte Ehre macht. Diese schöne Maxime lautet ebenso und zwar ganz buchstäblich im Talmud, Thaanith 22: Nicht der Ort den Mann, sondern der Mann ehrt den Ort. XI. Das Satz. Die Sprüche und Parabeln des N. T. finden 'sich bekanntlich fast alle durchgehends im Talmud und selbst Buxtorf in seinem Lexicon talmud. weist oft darauf hin. Allein auch hier giebt es noch Vieles nachzutragen. Eine gründliche Untersuchung fehlt überhaupt noch bei diesem wichtigen Gegenstände. Als kleiner Beitrag möge folgender Spruch dienen, der sich wörtlich im Talmud, Bechoreth 8. d und im Neuen Testamente, Matth. 5, 13, Marc. 9, 50 findet: N"nö «nb?: nb ^nb?3 ■’NEa Wenn das Salz dumpfig ist, womit soll man salzen? In der Bergpredigt heißt es ebenfalls: Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? XII. Geflügelte tvorte. Die Sprüche des Josua ben Sirach lebten im Munde des Volkes lange noch fort, als das eigentliche Buch *) So fehlt auch das, wie es scheint, ausländische Sprüchwort, das den heidnischen Königen in den Mund gelegt wird, »-psn nav fpa a^ ao-qn p b*oan Wer vom Eigenthume des Königs eine Nadel nimmt, muß dafür einen Jochnagel geben. Midrasch 4. B. M. Ab. 8. Es scheint dies ein lateinisches oder griechisches Sprüchwort gewesen zu sein.

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