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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-16 · Heft 25 (16.6.1868) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 25 (16.6.1868)
Date
1868-06-16
Page
Seite 497 (sequence 7)
Language
German
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497 len, hat die ältere,, ungarische Zeitung übernommen und gedenkt, sie unter dem neuen Namen herauszugeben. Die Circulare werden den Gesinnungsgenossen, Handelsfreunden rc. mit der Unterschrift des Absenders versendet und dieselben bestreben sich die Pränumerationsgelder zu sammeln. Die Fortschrittspartei klagt, daß die orthodoxe Partei über große Geldmittel gebietet., Daran wird's aber fetzt der Reformpartei auch nicht fehlen, da sie leicht 3—4000 (?) Abonnenten zusammenbringen wird, denn der Indifferenteste wird die paar Gulden hergeben und meint dann — seine Pflicht gethan zu haben. Leider fehlt es der Reformpartei vielfach an Bildung und achter Religiosität. Zur Reform gehört vor Allem eine religiöse innige Ueberzeugung! Mit einer Kritik der Bibel läßt sich nichts anfangen! Man kann manches veredeln, Mißbräuche abstellen; aber das heißt noch nicht Reform! Was wir nothwendig haben, ist eine Verstttlichung der Menschen. —. Aus der ersten Beilage zum oben erwähnten „Irraelits Közlöny“ erfahren wir, daß bei der Notablenversammlung die Fortschrittspartei von ihren Gegnern überlistet worden. Jene ließ sich nämlich zu Compromissen heran, um die sog. Orthodoxen zur Vereinigung mit ihnen über die vorliegenden Fragen zu bringen, besonders brachte sie ihnen das akttve und passive Wahlrecht der besoldeten Gemeindebeamten, also besonders der Rabbinen zum Opfer, um so jede Befürchtung abzuwenden, daß der zukünftige Congreß eine theologische Färbung und Richtung annehmen könne. Als sie sich aber schließlich bei dem Cultusminister einfanden, lag bereits ein Separatvotum der Orthodoxen vor, in welchem gerade das Wahlrecht für die besoldeten Gemeindebeamten beansprucht wurde. Man muß zugeben, daß es in solchen Dingen, wo es sich doch im Grunde um religiöse Angelegenheiten handelt, besser ist, die Ueberlisteten zu sein; aber es ist doch eine Schlappe, darum sich in seinen eigentlichen Grundsätzen als wankend gezeigt zu haben. — Nach einem Ausweise besteht jetzt der ungarisch-israelittsche Landesschulsonds in Kapitalien im Betrage von 1,967,648 fl., deren Zinsen in das Budget von 1868 mit 97,265 fl. ausgenommen sind, wovon jedoch für Coupon- und Einkommensteuer 6597 fl. abzuziehen sind. Kommt die neue vorgeschlagene Couponssteuer zur Ausführung, so wird das jährliche Einkommen des Schulfonds sich um 8—10,000 fl. vermindern. Donaufürstenthümer. Die „Correspondance du Nord-Est“ berichtet interessante Details. Obgleich dieselben russischer Seits im Petersburger Journal als unbegründet dementtrt worden, mögen wir sie hier dennoch aufführen, weil bekanntlich offiziöse Dementirungen sich nicht selten an kleine Unrichtigkeiten halten, während im Ganzen die Nachrichten richtig sein können. Rußland hat sich, erzählt diese Correspondenz, beim Beginne der Moldau« scheu Wirren und Judenverfolgungen auf die Seite der rumänischen Regierung gestellt und sich den Anschein gegeben, als halte es in der That die Nachrichten über die mittelalterlichen Verfolgungsscenen von Bakeu für die Erfindung österreichischer Agenten, ersonnen, um dem Wiener Cabinete einen Anhaltspunkt zu Recriminationen zu bieten und den längst ersehnten Anlaß zu geben, ans die Regierung des Prinzen Karl eine Pression auszuüben. Fürst Gortschakoff hat die ganze Angelegenheit lediglich von diesem Standpunkte aus betrachtet und dem russischen General-Consul in Bukarest, Baron Ossenberg, die Instruction ertheilt, den Schritten Oesterreichs entgegenzutreten und Stephan Golesco zu erklären, das rumänische Cabinet könne auf die Petersburger Regierung zählen; es möge daher den österreichischen Drohungen, die erfolglos sein werden, nicht nachgeben. Gleichzeitig erhielt Herr v. Oubril den Auftrag, die preußische Regierung zur diplomatischen Cooperation zu gewinnen. Dieser erhielt aber vom Grafen Bismarck einen ablehnenden Bescheid; der Bundeskanzler erklärte, daß die Vorgänge in der Moldau ganz Europa aufgeregt haben und eine Satisfaction dringend fordern. Die Minister, welche durch ihr plumpes und ungeschicktes Ableugnungssystem Rumänien in eine falsche Lage brachten und den Fürsten Karl eine eines Hohenzollern unwürdige Rolle spielen ließen, ja selbst seine hohe Stellung compromitttrten, müßten entfernt werden. Graf Bismark verhehlte nicht, daß er, wenn diese Genugthuung nicht werde, eine Intervention der Vertragsmächte zu Gunsten der Forderungen Oesterreichs für berechttgt und keineswegs für unmöglich halte, und daß König Wilhelm dem Prinzen Karl gerathen habe, durch rechtzeitige Aenderung des Ministeriums der Demüthigung, einem Collectivschritte der Mächte weichen zu müssen,

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