Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-16 · Heft 25 (16.6.1868) · p. Seite 496

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 25 (16.6.1868)
Date
1868-06-16
Page
Seite 496 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226661--26170-3261699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

496 Nach unser« Dafürhalten wäre es allerdings nöthig gewesen öffentlich die andere Partei unbehelligt zu lassen, die Orthodoxie hat sich ja selbst in ihr eignes Netz gefangen, indem sie mit ihren Schwestern, Chassidismus und Hyperorthodoxie, die Devise unterfertigten die ung. Sprache zu fördern. Der Verfasser vulgo Präsident des nagymihslyer Anathemas hat eigenhändig das Vernichtungsurtheil über seinen eigenen Pesak Geth-Din unterschrieben, d. i. der Rabbi zu UnghvLr. Nun, ist das halachisch richtig? oder gleicht ein Pesak einer Sch'bhua? Allerdings eine Jnconsequenz, die der erste Vorsteher des Vereines „Schomre Hadat" sich hat zu Schulden kommen lassen. Der zweite Vorsteher des Vereines, der preßburger Rabbiner, der den Jeschibha-Bachurim verbietet noch heute die Bibelübersetzung Mendelssohns benutzen zu dürfen, hebräische Grammatik als eine profane Wissenschaft betrachtet, der sich correkt in keiner Sprache auszudrücken versteht, hat auf einmal das Verdammungsurtheil über das Testament seines großen (?) Vaters unterschrieben, indem er jetzt anerkennt, die Juden in Ungarn müssen die ungarische Sprache als Unterrichtssprache gebrauchen. Der dritte Mitunterfertigte ist Rabbi Jeremias Löw, allerdings als Kaufmann konnte es dem Manne nicht gelingen Lorbeeren sich zu erwerben, aber als Rabbiner wußte er sich eine Rangstufe zu verschaffen, daß er heute der Führer der nordungarischen zelotischen Orthodoxen wurde. Diese drei Rabbiner sind die Repräsentanten der „8etwmre Hadath“, die zu ihrem Organe den „lliwr" sich wählten. Der üppige Boden Ungarns treibt jetzt so viel Unkraut hervor, daß man es von der wahren Pflanze „Religion" kaum unterscheiden kann. Ueberall nach allen Gegenden der Windrose werden Leute geschickt, um das Volk zu bethören, das Streben der Progressiven zu verdächtigen, als wenn die letztern die Religion verleugnen wollten, allerdings ein Benehmen, das den Anführern zwar eigen ist, das aber jeden Gebildeten vor Scham erröthen macht. Der unverzeihliche Fehler der Redactton des „Izraelita Közlöny“ ist daher, daß sie sich bestrebt das Gewühle der Fanatiker zu kritisiren, denn vor dem Forum der Oeffentlichkeit sind sie ev ipso verurtheilt und als Reacttonäre bekannt, denen keine Mittel heilig sind, um die „Schulchan Aruch“ Polizei, Cherem, Halseisen u. s. w. wieder neu einzuführcn. Dieses wird ihnen dennoch nicht gelingen, wenn sie auch den ersten Congreß Hintertreiben, oder ihn aus solchen Elementen werden zusammen treiben, daß er es zu keinen Beschlüssen bringen wird. Die ungarische Judenheit wünscht durchgehends Ordnung in der Schule und Gemeinde, und wenn es heute auch nicht geschieht, so wird es in drei Jahren geschehen. Die Leute, die heute am Gängelbande von ihnen geführt werden, indem die Fanatiker mir Lärm im Lande verbreiten, die Neologen wollen die Religion opfern, sie werden zur Einsicht gelangen und eingestehen, daß das Streben durchgehends ist, die Religion zu befestigen, wenn auch angestrebt wird den Anforderungen der Zeit Rechnung zu tragen. Diese Tage schickte uns ein Freund I. G. seine Brochüre zu: „die Rechte der Lehrer und die israel. Notablen-Versammlung in Pest," Wien 1868. 8. Druck von Leop. Sommer, Selbstverlag des Verfassers. Wir, die wir den Herrn I. G. persönlich kennen, und seine spitzige Feder oft fühlten, können ihm diesmal nicht genug Dank wissen, daß er so glimpflich den wichtigen Gegenstand behandelte. Herr I. G. hebt das ungerechte Vorgehen der Versammlung hervor, liefert eine Menge Citate von Gesetzen aus Deutschland, die auf die Rechte der Lehrer sich beziehen, und schließt wieder mit so würdevollem Anstand, daß seine Gegner zur Ueberzeugung gelangen, einen unverzeihlichen Fehler begangen zu haben. Wir sehen, Herr I. G. wollte nicht öffentlich auftreten ohne Visir, es ist daher unsere Pflicht diskret zu sein, aber der ungarische Lehrerstand ist ihm zu Dank verpflichtet, daß er allein für ihn öffentlich in die Schranken trat, denn die Presse in Ungarn war in dieser Beziehung den Lehrern^ nicht zugänglich. Schließlich habe ich noch zu registriren: daß der sehr verdienstvolle Heinrich Deutsch zum Dircctor der israel. ungarischen Präparandie ernannt wurde. ...... K. Aus Ungarn, 27. April. (Privatmitth.) Die sogenannte jüdische Fortschrittspartei in Ungarn hat sich endlich aufgerafft und will sich ebenfalls constttuiren. Sie sendete Circuläre herum, die eigentlich darauf hinausgingen, daß die beitretenden Mitglieder einen jährlichen Beitrag von 6 fl. einzahlen sollen, wofür dieselben den Jzr. Közlöny nebst halbmonatlicher deutscher Beilage erhalten werden. Der Verein, der seinen Sitz in Pest hat, die Unterschriften der Gründer feh-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.