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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-16 · Heft 25 (16.6.1868) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 25 (16.6.1868)
Date
1868-06-16
Page
Seite 495 (sequence 5)
Language
German
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Bezüglich Ihres neueste» Leitartikels in Betreff cultueller Reformen ist gewiß in Bayern m a. auch die Verordnung, welche vor mehreren Jahren erschien und schon damals Ihre Kritik hervorrief, sehr hinderlich und dürste eine Limitirung derselben in fortbildlicher Weise sehr wünschenswerth sein.*) Oesterreichischer Kaiserstaat. Pest, 27. Mai. Man schreibt von hier der „N. fr. Pr.": Wie schwer man sich bei uns an Reformen überhaupt gewöhnen kann oder will, beweist ein soeben erflossener Bescheid der königlichen Septemviral-Tafel, der den Eid more judaico mit allen seinen dem Fortschritt hohnsprechenden und für die Betreffenden so beschämenden Formalitäten aufrecht hält. Wir hatten seinerzeit mitgetheilt, daß die Pester Judengemeinde sich an den Justizminister wendete, um die Beseitigung des Eides mono judaico zu erwirken. Der Justizminister beantwortete dieses Ansuchen dahin, daß er der Judengemeinde anzeigte, die dem Landtage von ihm schon zur Berachung übergebene Civilprozeß-Ordnung werde ihrem Wunsche gerecht. Gleichzeitig richtete der Justizminister an die Jurisdictionen des Landes einen Erlaß des Inhalts, daß sie bei Beeidigungen der Juden im Sinne der Humanität und des Fortschrittes Vorgehen sollen, umsomehr als die demnächst ins Leben tretende neue gesetzliche Verfügung auch nach diesem Sinne ausfällt. Die Septemviral-Tafel hat aber die Anforderungen der Humanität und des Fortschrittes nicht anerkannt; ob sie hierdurch dem guten Rufe des ohnehin gut beleumundeten ungarischen Richterftandes einen Dienst geleistet, möge sich die Septemviral-Tafel s elbst beantworten. Von der Theiß, 22. Mai. (Privatmitth.) Das Ringen und Kämpfen beider Parteien hat zwar den Kulminationspunkt bei uns noch nicht erreicht, und doch *) Und liegt es nicht in den Händen der jüdischen Gemeinden Bayerns, gegen dieses Ministerialreskript zu Protestiren? Es kann nicht bezweifelt werden, daß, wenn dies in rechter Weise und mit Ausdauer geschieht, eine Remedur eintreten würde. Wenn unser geschätzter Corresp. uns auf gewiffe Artikel des „Nürnberger Correspondenteu" aufmerksam macht, so würden wir ihm für Zusendung der Nr. dieses Blattes, das wir nicht halten, vorkommenden Falles sehr verpflichtet sein. Redakt. vk«ß «a« es, vom objektiven Standpunkte aus betrachte, Mit Widerwillen gestehen, daß, so ehrlich auch die anzustrebenden Zwecke beider Parteien sein mögen, dem Vorgehen aber, sowohl der Progressiven als auch der Orthodoxen ein reifes, wohl erwogenes, mäßiges und taktvolles Benehmen gänzlich mangelt. Das Gezänke dieser Art entwürdigt die Religion, indem es die Gefühle der Menschen mehr verletzt, als dir gewonnenen Anschauungen und Ideen zu verfechten dient. Die Führer der Parteien besitzen nicht jene der Wichtigkeit des Gegenstandes würdige Mäßigung, jede sucht wie bei der Feilbietung der Landesprodukte die Menge für sich zu gewinnen, jede sucht der andern Concurrenz zu bieten. Und wenn nur der Anstand dabei nicht verletzt und die Religion nicht verunglimpft würde, da die gegenseitigen Anfeindungen üble Folgen nach sich ziehen können, deren Tragweite unberechenbar ist. Das Recognoscirungsterrain der Progressiven ist festgestellt und die Ideen des neunzehnten Jahrhunderts werden anerkannt, wenn auch nicht befolgt. Die Fortschrittspartei scheint keinen Führer oder Anwalt zu haben, obzwar Dr. Jg. Hirschler seine Gesinnungsgenossen in der Provinz aus das Treiben der Gegner, die jede Ordnung untergraben, brieflich aufmerksam machte, jedoch einen Leiter hat direkt die Partei nicht; blos als Organ tritt „Izraelita Közlöny“ auf. Zu bedauern ist, daß der Redacteur dieses Blattes das Judenthum nicht kennt; obzwar Jude, mangelt ihm leider jüdisches Wissen. — Der Herr ist ein vorzüglicher Stenograph, beim ungar. Reichstage angestellt, aber um ein jüdisches Blatt in einer so wichtigen Epoche redigiren zu können, ist vor allem nöthig jüdische Geschichte zu kennen und hebräisches Wissen zu haben. Dieser „Közlöny“ schickt oft Artikel in die Welt mit Behauptungen, die er den Orthodoxen in die Schuhe schiebt, die ungerecht, ungeziemend und sogar gefährlich sind. Wer die Orthodoxie kennt, weiß, daß sie die Apostasie nie verursachen wird, und wir bezweifeln sehr, ob die Majorität der Vertrauungskommission, die der Unterrichtsminister einberief, welche ihr Organ subventioniren, Kenntniß von dieser Skribentenwirthschaft haben, da Männer, die von intelligenter Bildung durchdrungen, die Elite der ungar. Juden, keine Veranlassung bieten werden, Schlüsse aufzustellen, die einem Brunner und Consorten eigen sind.

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