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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-16 · Heft 25 (16.6.1868) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 25 (16.6.1868)
Date
1868-06-16
Page
Seite 494 (sequence 4)
Language
German
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geistreiche Wendungen wird dies an der französischen Revolution, Napoleon I, der Reaktion nach dessen Sturz mit vielem Freimuthe erörtert, und dann auf den Charakter und die wirklich großen Thaten des jetzigen Kaisers angewendet. Zuletzt zieht der Redner daraus die Vorschriften für die Einheit der religiösen und staatsbürgerlichen Pflichten. Wenn wir so in inhaltlicher und sprachlicher Beziehung diese Predigt nur beloben können, so möchten wir dem geehrten Redner nur rathen, in Zukunft keine Verse hinzuzufügen, da diese weder poetisch noch metrisch richtig sind. — Rede zur 12. Stiftungs- Feier des jüdischen Waisenhauses zu Paderborn am 29. Februar 1868, gehalten von B. Alsbach, Lehrer an der öffentlichen isr. Schule zu Kamen, und herausgegeben auf Kosten und zum Nutzen des Waisenhauses. Im Selbstverlag des Curatoriums. Preis 5 Sgr. Brilon 1868. In wärmster Weise, so recht aus dem Herzen quillend, wird der zwölfjährige Bestand dieser trefflichen Schöpfung, die mit Kühnheit und Ausdauer verhältnißmäßig große Erfolge errang (das Waisenhaus zählt bereits 34 Zöglinge), gefeiert. Freunde des guten Werkes mögen durch vielfachen Ankauf dieser Rede der Anstalt einen Nutzen zuwenden. — Zuerst unter den Kalendern für das Jahr 5629 ist auch dies Mal der „Jllustrirte israelitische Volkskalender" von Pascheles in Prag schon vor einigen Monaten erschienen. Recht ansprechende Aufsätze verschiedenen Inhalts und das Bildniß des sel. Dr. Meisel in Pest sind dem Kalender beigegeben. — Das 35. Heft der liocllbe Jizchak von M. E. Stern in Wien ist erschienen unv kommt in reichem und mannigfaltigem Inhalte, in prosaischer und metrischer Form seinen zahlreichen Vorgängern gleich, ein würdiges Zeugniß für das Streben des Herausgebers und feiner Mitarbeiter. — Die Geschichte der Juden in Erfurt nebst Noten, Urkunden und Inschriften aufgefundener Leichensteine. Größtentheils nach primären Quellen bearbeitet von Dr. Adolph Jaraczewsky. Erfurt, 1868. In Commission bei Carl Villaret. Diese Monographie schließt sich in vortheilhafter Weise den in neuerer Zeit mehrfach erschienenen Geschichten einzelner, durch ihre Schicksale oder Leistungen hervorragender jüdischer Gemeinden an, und besitzt durch ihren Inhalt wie durch die Bearbeitung genügendes Interesse. Umsichtig und gewissenhaft benutzte der Verf. Quellen, Urkunden und Monumente und stellt uns ein treues Bild der Vergangenheit dar. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 5. Juni. In dem Bericht der Petitions, kommission des Reichstages ist auch der Bericht des Abg. Dr. Hüffer über die Petition des Kaufmanns Sternberg in Berlin wegen Abschaffung des Eides more judaico enthalten. Es wird beantragt, die Petition dem Bundeskanzler zu übergeben, damit er sie der Commission zur Bearbeitung der Civilprozeßordnung zur Berücksichtigung überweise. Schnaittach (Bayern), 31. Mai. (Privatmitth.) Die hiesige Rabbinatsfrage hat einen Prozeß zwischen unserer und den Landgemeinden hervorgerufen, weil die erstere von letzteren einen Beitrag auch für die Rabbinatswohnung verlangt, welcher von diesen bis jetzt nicht gezahlt worden. Es ist überhaupt für die Landgemeinden und deren Bedienstete ein großer Nebel' stand, daß von Zeit zu Zeit eine Zahl gewöhnlich ihrer bemittelten Mitglieder fortziehen und nach den große» Städten übersiedeln. Die Hilfsmittel jener werde» dadurch sehr vermindert, während in den Städten sich große Gemeinden zusammenhäufen, die sich schwer und langsam zu einer besseren religiösen Organisirung herbeilassen. Auf diese Weise bildete sich seit etwa dem Jahre 1848 die israel. Gemeinde in Nürnberg, welche jetzt 350 Familien zählen soll. Daß dieselbe seit zwanzig Jahren nicht dazu gekommen ist, ein Rabbinat zu gründen, ist auffallend. Neuerdins höre ich, es geschehe aus Mangel an Capacitäten für eine solche Stelle. Haben denn die Herren gar so einen feinen Gout? oder fehlt es vielmehr an religiösem Bedürsniß? Am 26. Mai, als dem 50jährigen Jubiläum der bayerischen Verfassung, soll Herr Rabb. Dr. Löwi in Fürth eine sehr ergreifende Predigt gehalten haben. Ebenso am ersten Schabuothfesttagc über den Text aus Nehemia: „Mit der einen Hand bauten sie und in der andern hielten sie die Waffe," wohl mit Bezug auf die nun auch in Bayern eingeführte allgemeine Wehrpflicht mit Ausschluß der Stellvertretung. Man sieht, daß dieser bewährte Prediger sich immer auf der Höhe der Zeit hält.

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