Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1868)
- Date
- 1868-06-09
- Page
- Seite 488 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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48$ zum Vorsitzenden des Kirchenvorsteheramtes ernannt, hatte allsabbathlich religiöse Vorträge und Katechesen zu halten. Diese Verrichtungen waren ihm keine Last. Als Vorsitzender des Vorsteheramtes war er zu bescheiden, um irgendjemanden dadurch zu kränken; er trug den Verhältnissen Rechnung und wenn gerade diese Würde manchem seiner Amtsgenossen zur Bürde wurve, ihm war sie ein Mittel in Demuth seiner Gemeinde zu dienen und nützlich zu werden. Seine religiösen Vorträge waren die Ergüsse einer frommen Seele, eines erleuchteten Geistes und die Reproduktion der Goldlörner, gegraben aus den Schachten und Stollen der reichen Erzgänge des edlen, gediegenen Metalles der heiligen Thora und der contemplativen Schriften der nachbiblischen Literatur. Die Gebrüder Frankfurter: Urias-Maifon in Oberdof, Bernhard in Nordstetten, Naftali, Tempelprediger in Hamburg, waren geborene Redner. Beim ersten trat der Scharfsinn ausgeprägt hervor, bei Bernhard das Gemüth, in Naftali war durch klassische Bildung das Talent noch weiter entwickelt und durch treffliche Muster zur schönsten Eloquenz vervollkommnet. Bei Bernhard waren die Predigten nicht aus einem Guß, es war die homiletische Renaissance, Altes und Neues vermischt, die Architektur groß angelegt mit Rococo verziert. Eine sinnreiche Talmud- oder Midraschstelle war als Schluß in den biblischen Zettel verwebt; Legende und Parabel wurden zur Ausschmückung benutzt. Besonders bei den Vorträgen in den frommen Brüderschaften, die in hebräischer Sprache vorgetragen und vom Redner in Weise eines Dragomans verdeutscht und paraphrasirt wurden, ließ er das Licht seines Geistes leuchten und den Schatz seiner reichen Belesenheit glänzen. Da war er gauz Rabbi, so ein Stück Gamliel im IS. Jahrhundert. Die Katechisationen waren socratisch, der Stoff biblischmendelssohnisch. In der Pädagogik und Methodik war damals die Dintersche Richtung herrschend und diese sagte gerade seiner Eigenart am besten zu. Aus dem Philanthropinismus hatte er seine Erziehungs- und Unterrichtsweisheit geschöpft; er schwur auf Basedow und Salzmann; denn seine Bildungszeit fiel gerade in jene Periode, und den Autodidakten überhaupt hat jene Richtung besonders zugesagt. In jene Zeit fiel auch die Gründung des israelitischen Waisenvereins, hervorgerufen durch das edle für die rettende Menschenliebe begeisterte Triumvirat: Buchhändler Heß aus Ellwangen, Di. Dreifuß und Dr. Herrmann Kaulla aus Stuttgart. Der Verein hatte noch keine Mittel um für seine Zwecke eine eigne Stätte zu gründen und brachte die Waisen bei israelitischen Lehrerfamilien unter. Frankfurter nahm gegen geringe Vergütung einige dieser Waisen auf, die in ihm und seiner Gattin edle Adoptiveltern fanden. Bis zur Gründung des Waisenhauses „Wilhelmspflege" in Eßlingen behielt die gutherzige Schulmeisterfamilie solche Pfleglinge zur Warte und Erziehung in ihrem Hause; obwohl der eigne Hausstaud die größte Sparsamkeit erheischte, mangelte den Eleven kein Bedürfniß und sie wurde» wie die eigenen Kinder gehalten. Die wissenschaftliche Fortbildung vernachlässigte der vielbeschäftigte Mann nicht. Die Korrespondenzen mit den Brüdern, mit den wiffenschaftlich herangcreiften Schülern, der Umgang mit den Vorgesetzten und College« und besonders die Literatur gaben und brachten ihm immer neuen Anstoß zur Fortbildung, zur Erweiterung seines Wissens und zur Reproduktion des Aufgenommenen. — Im Januar 1836 wurde dem Sohne seines früheren Lehrers, dem Dr. M. Wassermann, das Rabbinat Möhringen verliehen, und in diesem hochbegabten und gelehrten Manne fand der berufstreue Lehrer einen leutseligen Vorgesetzten und würdigen Freund. BertholdAuerbach, in die burschenschaftlichen Untersuchungen jener Tage verwickelt, Gefangener auf Hohenasperg, hatte der Theologie Valet gesagt, was seinem Lehrer und Freunde nicht behagen wollte; er wurde aber für dessen literarische Thätigkeit interesstrt und der künftige Biograph Auerbachs wird in Frankfurters Papieren manches über die Genesis der Schriften des berühmten Volksschriftstellers finden. — Mit dem Bruder Dr. Naftali Frankfurter, Rabbiner in Braunsbach, war der Ideenaustausch ein lebendiger, und bei diesem, als dessen Zögling, hat auch Schreiber dieses den Mann kennen gelernt, dem er jetzt diese Worte der Erinnerung widmet. Dem jungen Gymnasiasten wurde er ein lieber Freund, hat ihn auf der Hochschule in Tübingen aufgesucht und blieb bis zu seinem Tode mit ihm im brieflichen Verkehr. Noch kurz vor seinem Hinscheiden schrieb ers: „Für den meinem Bruder Naftali im Schwäbischen Merkur gewidmeten Nekrolog danke ich Dir gerührt; Du hast auch meinem seligen Bruder Maison ein schönes Denkmal durch die Biographie aus Deiner gewandten Feder gefetzt. Du wirst auch gewiß einmal an mir Liebe und Treue üben und meinem Andenken eine Stätte gründen." Mit den Jahren nahm die Milde des Charakters bei dem gemüthreichen Manne immer zu. Sein Familienleben war ein glückliches, im Kreise der Seinigen fand er die schönste Erholung für des Tages Mühen und Bürden. Dem einzigen Sohne „Albert" wandte er in Mußestunden seine Unterrichtsthätigkeit eifrig zu, um ihn für den Kaufmannsstand heranzubilden. „Drei" geliebte Töchter verehlichte er an brave Gatten, und so floß das Leben des bescheidenen Mannes froh und friedlich hin. — Alljährlich machte er eine kleine Erholungsreise, einigemal gebrauchte er zur Stärkung seiner angegriffenen Gesundheit Bade- und Brunnenkuren und gewann an den Badeorten unter den verschiedenen Badegästen Freunde und Verehrer. Eine Geschwulst am Arme ließ ihn im Sommer 1856 in Wildbad Heilung suchen, die er in der dortigen Therme auch fand. Im August 1865 reiste er mit seiner Frau nach Fürth, wo eine geliebte Tochter glücklich verheirathet