Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1868)
- Date
- 1868-06-09
- Page
- Seite 487 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung -es Zu-enthums. Femlleton-Mlage )n Nr. 24. Leipzig, den 9. Juni 1868. Der Abend. ii. Komm, Knabe, her, so träumerisch und lieb, Mit dunklem Aug' und schwarkem Lockenhaar, Unbändig draußen, drinnen mild und treu, Im Spiel gewandt, im Sinnen ernst und klar — Weit schweift Dein Geist in vielgestalt'gen Bildern, Und zieht sich doch voll frommer Gluth zusammen — Um all Dein Seufzen legt sich Lächeln doch, Und Rosen blüh'n Dir selbst aus Gräbern auf — Vorüber schon — wo bist Du hingeschritten? Der Jüngling kommt, schlankaufgeschossen, bleich, Mit festem Schritt und hochgehobnem Haupt, Heiß glüht das Herz, von frischem Wind gekühlt, Der alle Segel schwellt zu Fahrt und Ziel, Zu tiefem Forschen und zu starkem Schaffen, Des Geistes Fluren alle zu durcheilen, So weit sie sich der jungen Seele breiten — Ha, wie er träumt: die neue Zeit bricht an, Ein neu Gebäu auf altem Grund zu bauen Und abermals ein Lösungswerk zu schaffen; Die Kraft ist da, die Frage ist gestellt — Vorüber schon — wo bist Du hingeschritten? Da steht der Mann — der weißep Stirn entträuft Der Arbeit Schweiß, der unermüdlichen; Sein Wort ertönt aus starker Mannesbrust Und wiederhallt bis über Land und Meer; Der Griffel fliegt in geistbeschwingter Hand, Er wird zum Schwert, wo einen Kampf es gilt, Und Kampf ist hier, und drüben heißer Streit, Und nah und fern wird Geistesschlacht geschlagen, Ob auch das Herz voll süßen Friedens ist, Nur für der Freiheit und des Rechtes Frieden Zum Kampfe zieht, und Leben nur und Liebe Auf seine Fahne mit dem Herzblut schreibt — Ermattest Du? — nicht bis der Abend kommt! — Blut'st Du aus Wunden? — schnell sind sie geheilt, Wenn wir der Palme nur ein Blatt erstritten — Und wirst Du siegen? — wer vollendet hüben? Was reif, geerntet; was im Blüh'n, gereist; Was fehlt, gesät — das ist des Mannes That, Und kann er nichts als brache Acker pflügen Für künft'ge Saat, die Andre streuen werden Und Andre pflegen, Andre ernten werden — Es wär' genug — Genug schon? kommt der Mend? Der Mend kam — der Knabe ging dahin. Der Jüngling folgt', und auch der Mann entwich — Es blieb der Greis — und tiefer sinkt der Abend ... Bist Du zum Knaben, sag' es, wieder worden? Ein stilles Ahnen geht Dir durch die Seele, Wie's laut einst pochte in des Knaben Brust; Des Jünglings Wille weiß jetzt, daß zum Ziel Er doch nicht dringt, des starken Mannes Kraft, Daß sie zuletzt im Siegen auch verliert — Statt Will' und Kraft kommt Dir das Ahnen wieder, Ein linder Strom, wie er im Knaben brauste, Ein Fluthen, leis dahin, zu dem, was kommt — Ihm war's zum vollen, strahlenhellen Tag, Dir ist's zur Nacht mit sterndurchzuckten Schatten ... Und das ist Alles? ... War ich nur ein Stift Im Mosaikbild der gesammten Menschheit, Ein winzig Stiftlein in bestimmter Farbe, An seiner Stelle einen Punkt zu zeichnen, Für sich ein Nichts, ein Splitter ohne Werth, Der nur im Ganzen Sinn hat und Bedeutung? O heil'ges Räthsel — daß der Abend kommt! Bernhard Frankfurter. Eine Lebensskizze entworfen von Alexander Elsässer. (Schluß.) Mit der neuen Organisation des jüdischen CultuS und mit Einführung der neuen Synagogenordnung durch die königliche württembergische Oberkirchenbehörde wurde auch Frankfurters Wirkungskreis erweitert. Er wurde zum Vorsänger d. h. zum Stellvertreter des Rabbinen,