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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-09 · Heft 24 (9.6.1868) · p. Seite 482

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 24 (9.6.1868)
Date
1868-06-09
Page
Seite 482 (sequence 12)
Language
German
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tcit möge! die Bemühungen der 5 Großmächte erfolglos bleiben, würden wahrlich die Petitionen der 5 galizischen Judengemeinden blutwenig zur Veränderung der Sachlage beitragen. Wir unterdrücken, wie gesagt, diese subjektive Bemerkung. Die Eine Frage jedoch, die sich uns von selbst aufdrängt, läßt sich nicht unterdrücken, sie bildet daher die Hauptveranlassung zu gegenwärtigem Schreiben: Warum wenden die Vorstände dieser großen Gemeinden, die so viel inniges Mitgefühl und warme Theilnahme an dem Lose ihrer Glaubensgenossen an der türkischen Grenze an den Tag legen, ihre Aufmerksamkeit nicht — mindestens zum Theil — auch den vernachlässigten Zuständen der Juden ihres eigenen Landes und in ihrer nächsten Nähe zu? Sind denn nicht gerade die verwahrlosten moralischen und intellektuellen Zustände der größeren Mehrzahl jener Mißhandelten und Verfolgten in Rumänien, die doch gewiß dem in jenen uncivilisirten Ländern herrschenden Judenhasse, wenn auch nicht'Entstehen, doch mindestens reichliche Nahrung geben, sehr geeignet, in den eigenen Busen zu greifen, und neben dem Balken im Auge des Nachbars auch die vielen Splitter im eigenen Auge zu bemerken? Seit dem Jahre 1848 herrscht unter den bis dahin zurückgeblieben Juden Ungarns — wo es doch gewiß an hyperorthodoxen Elementen nicht fehlt — eine anerkennenswerthe Rührigkeit in fortschrittlicher Richtung; und diesem Umstande haben es die ungarischen Juden zu verdanken, daß in ihrer Mitte das Volksschulwesen im Laufe dieser zwanzig Jahre recht erfreulichen Aufschwung genommen. Die Zahl der israelitischen Gemeindeschulen nimmt von Jahr zu Jahr zu, so daß bereits, nach dem Muster anderer Länder, ein israelitischer Lehrerverein zu Stande kommen konnte und ein Volksschulblatt unter dem Titel „jüdischer Schulbote" im 4. Jahrgange unter anerkannt schulmännischer Leitung erscheint, was wieder jüngere Kräfte zu gemeinsamer Thätigkeit heranzieht und ermuntert. DiesemUmstande haben es auch die Juden Ungarns zumeist zu verdanken, daß die ganze Nation sie in jüngster Zeit durch ihre Vertreter im Landtage als vollkommen Gleichberechtigte freiwillig und mit Einstimmigkeit erklärte. Den Anstoß zu alldem gab die Hauptgemeinde zu Pest. Was ist nun geschehen und was geschieht auf diesem Felde in Galizien? Was hat die Lemberger israelitische Cultusgemeinde — die größte, intelligenteste und einflußreichste Galiziens — für die Hebung und Verallgemeinerung des Schulwesens unter ihren verwahrlosten Glaubensgenossen in den anderen kleineren und größeren Gemeinden dieses Landes gethan? Wohl hat Lemberg seit etliche und zwanzig Jahren einen Tempel mit geregeltem Gottesdienste, es besitzt auch einen Prediger, dessen persönlichen Verdiensten nur Gutes nachgerühmt wird; auch die dortige Hauptschule soll den Erwartungen einigermaßen entsprechen; das Alles findet man aber anderswo, z. B. in Böhmen und Mähren seit lange in jeder Dorfgemeinde, und auch in Ungarn nunmehr in vielen Duodezgemeinden. Es war auch oft von einem sogenannten „Geselligkeitsverein" die Rede, wo von Zeit zu Zeit schöne Reden gehalten und geistreich getoastet worden sein mag oder noch wird; vermochten und vermögen aber all' diese schönen Sächelchen es zu bewirken oder auch nur dazu beizutragen, daß außerhalb — ja, vielleicht auch innerhalb — des Weichbildes dieser Metropole der finstere Geist des Chassidismus, der krassesten Unbildung und Ungezogenheit, mit den sittenschädigenden An- und Auswüchsen, zu spuken aufhöre und einem reinen, helleren, zeitgemäßen den Platz räume? Wir bitten dringend und wiederholentlich, uns nicht zu mißverstehen. Wir ehren und schätzen gewiß sehr hoch all' die hochachtenswerthen Männer die an der Spitze der Lemberger israelitischen Cultus-Gemeinde stehen, und sind weit entfernt, von dem Vorstande dieser löblichen Hauptgemeinde der .galizischen Judenschast despektirlich zu denken; allein, angesichts der in Rede stehenden beklagenswerthen Vorgänge in den Ländern der untern Donau wäre es eine Sünde, sich die Augen zu verschließen. Wenn das Haus des Nachbars durch Feuer Schaden gelitten, wird gewiß jeder gute Hauswirth daraus den Vortheil ziehen, sein Haus gegen ähnliche Beschädigung sicher zu stellen. Darauf glaubten wir in diesem Organe für jüdisches Interesse aufmerksam machen zu sollen. Vielleicht kommen wir nächstens auf diesen Gegenstand zurück.- Anschließlich gestatten sie mir, hochgehrtester Herr vr.! noch die Notiz anzufügen, daß Ihre epochemachende Brochüre „Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt?" welche in fast alle lebende Sprachen Europas, letzlich sogar in's Rumänische — wo die Juden von den Christen moralisch gekreuzigt werden — übersetzt erschienen, im Jahre 1867 auch ins Hebräische übertragen wurde. Der Uebersetzer ist ein junger Mann in Tarnow,

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