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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-09 · Heft 24 (9.6.1868) · p. Seite 481

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 24 (9.6.1868)
Date
1868-06-09
Page
Seite 481 (sequence 11)
Language
German
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I Hellen nicht in öffentlichen Sitzungen behandelt Dswer- Änderri W den. Es war von einem Journale, welches in Prag k vor- M erscheint, wo es beiläufig ein halbes Dutzend wolbel Rab> W stallter Rabbinen gibt, nicht loyal, von einem nasal! ist. W garischen Rabbiner ein Votum in einer jüdisch-relicte de» > gtöfcn Frage zu provociren, und der ungarische Rabf, ein W bincr hat auf Kosten seiner Eitelkeit guten Anstand rsuchte I und traditionelle Sitte verletzt, beide» I Wir haben dieses Factum hervorgehoben, weil es mann, W am treffendsten ein Spiegelbild der jüdischen Zustände in Prag bietet, welches keineswegs als ein leichtes betrachtet werden kann. So groß auch die Prager Gemeinde ist orrby'-rpor, so herrscht daselbst eine Kleinigkeitskrämerei, wie sie in der kleinsten Gemeinde nicht größer vorhanden fein kann. Von den Nationalitäten- und Sprachenkämpfen, die auch in der israel. Gemeind Prags in der neuesten Zeit Platz gegriffen haben, wollen wir schweigen. Nun wissen wir wol, was man gegen "Wien als Standort des Seminars einwenden kann, daß es nämlich leichtlebig, leichtsinnig sei. Da wollen wir jedoch darauf Hinweisen, daß z. B. Paris, nicht tugendhafter als Wien ist und nichts desto weniger wurde die Rabbinerschule von Metz nach Paris verlegt, und wir haben nicht gehört, daß dies geschadet habe. Wir gehen sogar weiter. Wir behaupten, daß die RabbinatScandidaten bezüglich ihres moralischen und religiösen Lebens in Wien besser überwacht werden als in Prag. In Wien wohnen überall Juden und es wird daher jeder Rabbinatscandidat sich in Acht nehmen und eine etwaige unliebsame Ueberraschung fürchten. In Prag hingegen kann ein Rabbinatscandidat ganz ruhig auf den Hradschin gehen und dort nvrisi nuiiDi boiN, ohne zu fürchten von einem andern Juden überrascht zu werden. Offen gestanden halten wir das vorgebliche Motiv, die Furcht vor Prcßburg, als ein fingirtes und wäre es traurig, wenn es wahr sein würde. Vor dem Jahre 1848 ließ fich der Sohn eines reichen ungarischen Israeliten taufen, weil er in de» Landtag gewählt werden wollte. Bis dahin trug er den Vornamen Leser, nun nannte er fich Lajos. In den Landtag gewählt, setzte er fich auf Seite der Opposition, die unter der Führung Kossuths stand. Eines Tages hatte der Vater ein Anliegen, welches er dem damaligen Kanzler Fürsten Metternich vortrug. Dieser versprach chm seinen Wunsch zn erfüllen, machte ihn jedoch aufmerksam auf seinen Sohn Einfluß zu üben, damit dieser nicht mit der Opposition stimme. Nachdem der alt Mann nach dieser Audienz mit einem Freunde zusammentraf, erzählte er, was der Fürst ihm gesagt hatte, und rief aus in welchem 2L21 nvsn (furchtbaren Zustande) befindet sich Oesterreich, vor mei nem Leser fürchten sie sich! Wir möchten ebenfalls fragen, in welchem Zustande muß sich Wien befinden, wenn es sich vor Preßburg fürchtet. Ich habe heute blos Ein Moment berührt, behalte mir weiteres vor. Aus Galizien, im Mai. (Privatmitth.) Man hört oft das Befremden darüber aussprechen, daß aus und über Galizien in der A. Z. d. I. so selten und so wenig berichtet wird. So auffallend diese Thatsache dem Auswärtigen erscheinen mag, so gerechtfertigt wird wohl der Eingeweihte diese Erscheinung finden. „Durch Worte, ob gesprochen, geschrieben oder gedruckt, sie mögen noch so oft wiederholt werden, werden leider die Nebel, woran die galizisch-jüdischen Zustände kränkeln, nicht behoben; der Einsichtigere zieht es daher vor, lieber zu schweigen" (Prov. X, 19). Nun erfuhren wir aus einer der jüngsten Reichsrathsfitzungen, daß der Abgeordnete Kuranda Petitionen von 5 israelitischen Gemeinden Galiziens im Abgeordnetenhause eingereicht, in welchen um Intervention zu Gunsten der verfolgten Juden in den Donaufürstenthümern, Seitens der österreichischen Regierung, gebeten wird. Wie man hört, sind gleichzeitig von denselben Gemeinden Petitionen ähnlichen Inhaltes an den Reichskanzler v. Beust gerichtet worden, und sei der Impuls zu diesem Schritte von dem Vorstande der israelitischen Gemeinde zu Lemberg ausgegangen. Dieses Vorgehen, an und für fich löblich und anerkenncnswerth, weil aus innigstem Mitgefühl und wärmster Theilnahme für eine große Anzahl leidender Menschen und Glaubensgenossen in einem Nachbarlande, mit denen man obendrein in verwandtschaftlicher und geschäftlicher Verbindung steht, veranlaßt, ist wohl über jede Kritik erhaben. Wir unterdrücken daher gerne die subjektive Bemerkung: daß dieser Schritt, gelinde gesagt, überflüssig erscheine, nachdem alle Welt weiß, daß das österreichische Cabinet, unterstützt von den anderen europäffchen Großmächten, viel früher Schritte gethan und noch jetzt ihr Möglichstes thut, um die Gefahr, die Hunderte von Familien und tausende von Seelen bedrohet, von ihnen abzuwenden, mit einem Worte, sie zu schützen; denn, sollten, was Gott verhü» 84* --

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