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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-09 · Heft 24 (9.6.1868) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 24 (9.6.1868)
Date
1868-06-09
Page
Seite 473 (sequence 3)
Language
German
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wertere Gang und Modus würde sich dann unschwer ergeben. Im vollen Bewußtsein der großen Wichtigkeit dieser Angelegenheit und mit der Mahnung, den gegenwärtigen Zeitpunkt gewiffenhaft zu benutzen, die heilige Sache nicht müßig absterben zu lassen, bis sie in einer folgenden Generation kaum mehr zu repariren wäre, legen wir diesen Vorschlag allen unseren Collegen ans Herz. Vor Allem den jüngeren. Nicht allein, daß von diesen eine größere Energie, eine entschiedenere Thatkraft gefordert werden könnte. Die bitteren Erfahrungen und Enttäuschungen, welche die älteren erfahren haben, dürfte diesen leicht zu einer Entschuldigung und Rechtfertigung dienen. Aber die jüngeren Rabbinen sind sogar persönlich daran interessirt. Die Zeit, welche die älteren noch für ihre Amtirung vor sich haben, ist eine nur noch kurz bemessene und die späteren Folgen der jetzigen Stagnation werden sie nicht mehr treffen. Mit Euch, jüngeren Rabbinen, liegt es aber anders. Sehet Euch genauer in Euren Kreisen um und Ihr müßt eingestehen, daß bei der Art, wie Ihr verfahret, Zhr Eure Stütze nur noch in einer kleinen Zahl Leuten aus dem älteren Geschlechts findet; sehet Euch um, wie Ihr zu der jüngeren Generation, ich meine nicht Eure Schulkinder — stehet; denket Euch Eure zukünftige Gemeinde, wie sie bereits im Anmarsch ist. Dies ist ein unverkennbarer Wink; möget Ihr ihn verstehen und benutzen. Man wird uns nun einwenden, warum wir nicht selbstständig zur Bewerkstelligung des gedachten Vorhabens vorschreiten und durch einen Aufruf eine Einladung ergehen laffen? Wir hegen diese Absicht nicht. Der Gründe sind mehrere, und brauchen hier füglich nicht auseinandergesetzt zu werden. Wir sehen vielmehr diesen Artikel als eine solche Aufforderung selbst an und erwarten von denjenigen unserer Herrn Collegen, welche, wie wir, die Dringlichkeit und Zweckmäßigkeit des Vorgeschlagenen anerkennen und seine Ausführung wünschen, sich auch zu ihrer Mitwirkung bereit erklären, desfallsige Zuschriften und würde erst eine wenn auch nicht große Zahl solcher Zuschriften bei uns eingetroffen sein, so würden wir sofort damit Vorgehen. Bleibt doch der Segen Gotttes bei jedem redlichen und aufrichtigen Vorhaben nicht aus! Rumänien IX. Bonn, 3 l. Mai. Das Strafgericht über die Bratianos hat mit der Sitzung des Senates vom 16. Mai begonnen. Sie war aufgeregt und stürmisch. Es stand der Antrag auf der Tagesordnung, von Herrn Jonesco gestellt: „daß das Ministerium aufzufordern sei, die mit dem Auslande bezüglich der inneren Verwaltung des Landes geführte diplomatische Correspondenz dem Senate vorzulegen". Der Minister sprach sich zuerst ziemlich umständlich aus über seine zahlreichen Verdienste um das Vaterland, für welches er als Veteran der Freiheit seit mehr als 26 Jahren gekämpft habe, und kam dann zu der Erklärung, daß er die betr. Correspondenz nicht vorlegen werde, weil es Aktenstücke seien, die nicht gut von der Rednerbühne aus discutirt werden können. Jonesco erhielt hierauf nochmals das Wort und griff zum dritten Male den Minister Bratiano auf das heftigste an: „Was," ruft der Redner, „Sie haben noch den Muth, von einer Vertreibung von Vagabunden zu sprechen, nachdem cvnstatirt ist, daß Sie 506 Juden und darunter 200 Rumänen vertrieben haben? O mein Herr Minister, wir sind der Wunden müde, die Sie uns schlagen! Wir haben geschwiegen und geduldet, aber diese Zeit ist jetzt um. Jetzt wollen wir reden und Rechenschaft von Ihnen verlangen. Sie wagten es, den Senat zu verhöhnen, indem Sie riefen: „Ihr redet viel, aber ihr thut nichts!" Gut denn, wenn Sie unserer Reden überdrüssig sind, so bringen Sie die diplomatischen 'Aktenstücke hierher, damit wir jene mysteriöse Politik kennen lernen, welche Sie vor der Nation verbergen möchten." Die Senatoren Sichlean und Scriban fordern nun den Schluß der Debatte. Allgemeine Aufregung, heftiges Lärmen, Ordnungsrufe vom Ministertische. Präsident Costa-Foru: „Sie rufe ich zur Ordnung, Herr Minister!" Minister Bratiano: „Sie haben Sich für den Scandal vorbereitet! Schön, gut, setzen Sie ihn fort . . . ." Präsident: „Herr Minister, im Namen des Amtes, welches ich einnehme, und kraft der Würde desselben, rufe ich Sie nochmals zur Ordnung!" Der Minister bemüht sich hierauf, den Beweis zu führen, daß er als Mitglied der exekutiven Gewalt nicht zur Ordnung gerufen werden dürfe. (Einem rumänischen Minister ist eine solche Prätension allenfalls nachzusehen.) Er protestire gegen den Scandal. Allgemeiner Ausstand, ungeheurer Lärm. Der Antrag

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