Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1868)
- Date
- 1868-06-02
- Page
- Seite 469 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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m weniger hauswirthschaftlich gesinnt war, wußte die Schulfrau jeden Heller zu Rath zu halten und so wurde es ihr möglich, bei dem großen Hausstande von ei£f Kindern , von denen fünf noch am Leben sind, stetH einen Sparpfennig zurückzulegen. Freilich mußte da oft die Lust Frankfurters zum Ankäufe von Büchern u. dergl. nieder gehalten werden; aber immerhin fand er doch die Mittel, eine schöne Büchersammlung sich anzulegen. Sein immer jugendfrisches Gemüth wußte die Schüler so zu fesseln, daß sie mit den innersten Fasern des Gemüthes an ihrem Lehrer hingen. So hat ihm Berthold Auerbach bis in seinen Tod die treuste Freundschaft bewahrt. Auerbach war dem Studium der mosaischen Theologie bestimmt, Frankfurter ertheilte ihm auch Unterricht im Hebräischen und Rabbinischen. Noch jetzt sind hebräische Aufsätze vorhanden, die Auerbach gefertigt hat. Damals gab es noch keine Confirmation, mit dem 14. Geburtstage, nach zurückgelegtem 13. Jahre wurde man ein Bar Mizwa, ein Sohn des Gesetzes, und wurde der Schule entlassen. Da hielt Auerbach am Sabbath eine üerascha, hebräische Rede, die er selbst gefertigt und seinem Lehrer zur Beurtheilung unterbreitet hatte; aber der Lehrer wußte wenig daran zu ändern. Frankfurter führte seinen Schüler in die Talmud-Schule nach Hechingen; dieser unterhielt mit seinem Lehrer eine Correspondenz in classischem Hebräisch und einige dieser Briefe sind noch erhalten. Wir führen bei dieser Gelegenheit gleich an, daß Frankfurter später seinem Schüler manche Bausteine zu seinen Schwarzwälder Dorfgeschichten geliefert. Er kannte die Eigenart der Schwarzwälder, sammelte Volkslieder und schrieb die örtlichen Neuigkeiten und Vorkommnisse treu und redselig in weitschichtigen Briefen seinem ehemaligen. Schüler, an dessen wachsendem Ruhme er sich erfreute. — Dr. Emil Auerbach, ein gefeierter Arzt in Stuttgart, der seinem Lehrer und Freunde im Tode voranging, bewahrte ihm stets auch Dankbarkeit und freundschaftliche Achtung. Oft besuchten die Schüler von der Hochschule Tübingen aus ihren Lehrer, den gemütlichen „alten Knaben" in Nordstetten. Mit den christlichen Amtsgenossen lebte Frankfurter stets in brüderlich collegialischem Verkehre und bei den Schullehrerconferenzen war er stets durch seine fleißigen und geistvollen Arbeiten ein Förderer der geistigen Fortbildung seiner Standesgenossen. — (Schluß folgt.) Correspondenz. Berlin im Mai. Das jüdische Krankenhaus. Wer sich für das Judenthum und seine Einrichtungen interessirt, den berührt die Erfahrung, die man an den jüdischen Bewohnern Berlins täglich macht, sehr schmerzlich, da nicht Wenige derselben ihren Stolz darin suchen, ehre Glaubensgenossen (darunter natürlich auch sich selbst) zu verachten und sich von ihnen fern zu halten. Noch betrübender wirkt diese Erfahrung auf einen aufrichtigen Israeliten, wenn er sieht, daß diese Berachtung gegen alles Jüdische auch aus die segensreichsten und herrlichsten Anstalten ausgedehnt wird. Unter Letzter» hebe ich besonders das hiesige jüdische Krankenhaus hervor. Seit einer Reihe von Jahren litt ich, Schreiber dieser Zeilen, an einem Uebel, gegen das alle angewandten ärztlichen Mittel erfolglos blieben. Schließlich nahm ich zu dem erwähnten Krankenhause meine Zuflucht, und — wurde durch die umsichtige Behandlung und geniale Operation des Geheimen Sanitätsraths Dr. Berend zu meiner unaussprechlichen Freude von meinem Uebel gänzlich befreit. Bei meinem vierwöchentlichen Aufenthalte in diesem Krankenhanse hatte ich Gelegenheit, die trefflichen Einrichtungen desselben genau kennen zu lernen, so daß ich es als meine der Anstalt schuldige Pflicht erachte, den Segen und das Heil, welche sie verbreitet, öffentlich darzulegen und die Borurtheile gegen ein „jüdisches Krankenhaus" als grund- und bodenlos zu bezeichnen. Das Krankenhaus, inmitten von Gartenanlagen zwei Treppen hoch aufgeführt, umfaßt sechzehn große Säle, zwölf kleinere Zimmer, sechs Badestuben und eine schön eingerichtete Synagoge, damit die Kranken nicht nur eine körperliche Pflege, sondern auch eine geistige und religiöse Erbauung genießen können. Zur Erquickung und Stärkung der Glieder können die Kranken im Sommer in den Gartenanlagen und im Winter in den zu diesem Zwecke abgeschlossenen, geheizten Corridoren sich ergehen. Und nicht nur die Reinlichkeit, gute und liebevolle Pflege, Pünktlichkeit und Ordnung der Anstalt müssen rühmend hervorgehoben werden, sondern auch das herzliche, theilnehmende Entgegenkommen seitens der Aerzte, des Jnspectors, des Borstandes u. s. w. geben dieser Anstalt einen Borzug vor vielen ähnlichen, denn die warme Theilnahme und das sichtbare Wohlwollen der ihn umgebenden Personeu flößt dem Leidenden eine gewisse, nicht zu unterschätzende Beruhigung und Linderung seiner Schmerzen ein. Was diesen Borzug aber noch mehr begründet, ist, daß bei der verhältnißmäßig geringen Anzahl von Kranken den Aerzten viel Zeit und Sprelraum gegeben ist, jedem Einzelnen eine genaue Aufmerksamkeit und weitgehende Berücksichtigung zu widmen. Außerdem ist dieses Krankenhaus mit allen Hülfsmitteln versehen, die an Bequemlichkeit, Wohlbehaglichkeit nicht nur eines armen, stets mit Entbehrung kämpfenden, sondern auch eines an allen Comfort gewöhnten Menschen Nichts zu wünschen übrig lassen, wie überhaupt den Bemittelten zwölf besondere Zimmer mit besonderen Wärtern zu Gebote stehen, deren Betrag den ärmer» Leidensgenossen zu Gute kommt. Es ist daher den wohlhabenden Israeliten nicht zu verzeihen, wenn sie bei einem Krankheitsfälle solche mit allem Comfort