Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1868)
- Date
- 1868-06-02
- Page
- Seite 470 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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470 versehene Privatzimmer im jüdischen Krankenhause, in welche auch oft nichtjüdische Kranke sich gern aufnehmen lassen, nicht benutzen wollen und ihre Geldmittel andern Heilanstalten zuwenden, denen gewiß in keiner Beziehung ein Vorzug vor jener eingeräumt werden kann. Was nun die dirigirenden Aerzte dieser Anstalt betrifft, so brauche ich nur ihre Namen zu nennen, die bei allen Schichten der hiesigen und auch auswärtigen Bewohner einen guten Klang haben, da ja die Träger derselben als Capacitäten auf dem Gebiete der Medizin von Sachverständigen und Laien genugsam gekannt sind, um auch von dieser Seite aus den Werth der Anstalt ins klare Licht zu stellen. Wer kennt nicht den Geheimen Sanitätsrath Dr. Berend? Wem ist sein unermüdlich thätiges Wirken, seine genialen chirurgischen Operationen unbekannt? Wer zollt nicht alle Achtung und Ehrfurcht dem berühmten Geheimen Sanitätsrath Dr-. Herzberg? Außer diesen beiden Aerzten wirkten noch die im Hause wohnenden Dr. Peltesohn, der jetzt durch Dr. Perl ersetzt ist, und der Jnspector der Anstalt, Dr. Frideberg, mit rastlosem Eifer. Wenn nun ein solches Institut, welches mit vielen Opfern seitens der Berliner Gemeinde erbaut wurde und unterhalten wird, mit manchen Vorurtheilen zu kämpfen hat, so ist es die heilige Aufgabe derjenigen, die dieses Institut durch eigene Erfahrung kennen, solchen, aller Wahrheit entbehrenden Vorurtheilen geg^n eine Ehrfurcht und Bewunderung gebietende, zum Nutzen und Heile der leidenden Menschheit bestehende Einrichtung mit aller Entschiedenheit und allem Nachdruck entgegenzutreten. Daß auch dieses wie jedes andere Institut Mängel haben wird, läßt sich mit Wahrscheinlichkeit annehmen; aber gerade deshalb müßte das Interesse für Hebung desselben mächtig und rege sein. Alle Parteien im Judenthume, mögen sie der orthodoxen Richtung angehören, oder dem fortschreitenden Geiste der Zeit huldigen, müssen auf dem Gebiete der Barmherzigkeit einig sein und einem Werke der Bruderliebe, der Milderung menschlichen Elends ihre Unterstützung und ihr Wohlwollen nach Kräften angedeihen lassen. Ja, auch auswärtigen Glaubensgenossen gilt dieser Zuruf. Denn daß die Berliner Gemeinde solch große Opfer auf dem Altäre der Nächsten- und Menschenliebe darbringt, muß rühmend anerkannt werden; aber bei dem Ungeheuern Zusammenfluß Kranker aus den verschiedensten Gegenden wird es ihr nicht möglich, solche schwere Lasten allein zu tragen. Ich richte daher meinen Ruf an alle auswärtigen Gemeinden des In- und Auslands, deren Kranke in der Stadt der Intelligenz im jüdischen Krankenhause eine gute und liebevolle Pflege suchen und finden, daß sie zur Hebung dieses Hauses ihr Scherflein beitragen. Ich bin zwar nicht befugt, solche Aufforderungen in die Welt hinauszuschicken; aber die Dankbarkeit, die ich der Anstalt für die Wohlthaten, welche ich als Ausländer. (Ungar) in derselben genossen, schulde, ermuthigt mich dazu, um mich ihr auf irgend eine Weise dankbar und nützlich beweisen zu können. Ich hoffe auch, daß meine Worte bei der allgemein anerkannten Opferfähigkeit des jüdischen Volkes nicht erfolglos sein werden, wie ja überhaupt auch dieses Krankenhaus nicht nur der Gemeinde Berlins sondern der gesammten Judenheit zur Zierde und Ehre gereicht, da es das herrlichste Zeugniß von der Opferfähigkeit des jüdischen Geistes liefert. H. M., stud. phil. Jüdische Auswanderungsgesellschaft in London. Das Jew. Cliron. schreibt hierüber in seiner jüngsten Nummer Folgendes: Eines der nothwendigsten und zu gleicher Zeit nützlichsten unserer Gemeindeinstitute ist die jüdische Auswanderungsgesellschaft. Sie wurde vor 14 Jahren gegründet und ihre Laufbahn war von großem Erfolge begleitet. Seit dem Bestehen der Gesellschaft sind an 1400 Personen bei der Auswanderung unterstützt und so vor den Gefahren der elendesten Armuth bewahrt und die Pfade einer arbeitsamen Laust bahn sind ihnen geöffnet worden. Es ist eines der Institute, welche mit verhältnißmäßig geringen Mitteln große Resultate erzielen, und die Gemeinde ist durch das Verfahren der Auswanderungsgesellschaft vor großen Lasten geschützt worden. Seit vielen Jahren erging keine besondere Bitte um Unterstützung an die Gemeinde seitens dieser Gesellschaft; aber zu unserem Bedauern erfahren wir, daß die Anforderung an ihre Fonds so zahlreich geworden, daß ihre Vorsteher sich genöthigt sehen, um pecuniäre Mithülfe die Gemeinde anzugehen. Schon sind 400 Bittschriften abgesandt worden. Wir hoffen ernstlich, daß diese segensreiche Institution, welche während 14 Jahren thatsächlich ihre Nützlichkeit erwiesen hat, die Sympathie der Gemeinde finden wird, und daß ihre Einnahmen freiwillig erhöht werden. Sie verdient es wohl, zu den besten unserer Vereine gezählt zu werden. Wir hätten gewünscht, das 4ew. Chron. hätte einen genaueren Bericht über Einnahmen, Ausgaben und Leistungen des Vereines gegeben, und bitten unseren geehrten Collegen jenseits des Canals, dies baldigst zu ergänzen. Wir schreiben nämlich diesem Vereine eine größere und allgemeinere Bedeutung zu, so daß der ihm zu Grunde liegende Gedanke erweitert und verallgemeinert werden müßte. Hierzu bedürfen wir aber des Materials, und darum ersuchen wir. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dir. H. Lotze.