Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1868)
- Date
- 1868-06-02
- Page
- Seite 463 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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m intb BerarMen, von der Rechenschaft, diedaSbeleöngte Europa für sich beansprucht, Bratiano weiß mir zw gut, daß blind abgefeuerte Warmschüsse nicht vermögen, fein Staatsfchiff in eine andere Richtung zu lenken. Wie wir in früheren Mittheilungen voraussagten, hat die Reise des Fürsten Karl den verfolgten Israeliten der Moldau nicht die geringste Abhilfe gebracht. In Städten und Dörfern sind sie der unbeschränkten Willkür der Behörden preisgegeben. In unserem benachbarten Distrikte Vaslui amtivt jetzt Präfect Boutschin, ein würdiger Amtscollege Lecca's. Beiliegend folgt eine Liste von 358 Seelen, die aus dem besagten Distrikte verjagt, vertrieben wurden. Auch im hiesigen und Tutover (Verlad) Kreise sind die Verfolgungen an der Tagesordnung. Es liegen uns heute folgende zwei Erlässe der Prtt marien von Hodura (Distrikt Jassy) u. Bauca (Distrikt Tutova) im Original vor: ' 1868, 12. April (alten Styls). Rumänien, Bürgermeister-Amt der Gemeinde Hodura Nr. 123. Mein Herr! In Folge Auftrages des Herrn Unter -Präfekten, Nr. 1141, und in Anbetracht, daß sämmtliche Schankhäuser dieser Gemeinde Ihnen verpachtet sind, in Anbetracht, daß Sie alle diese Wirthshäuser jüdischen Schankwirthen übergeben haben, macht Ihnen hiemit Unterzeichneter betreffs des letzteren Punktes bekannt, daß, da kein Einziger von denselben einen Contract in Händen hat, selbe längstens bis 23. April (alten Sthlesj die Gemeinde zu verlassen haben; was dagegen den zuerst erwähnten Punkt betrifft, so wird Ihnen hiemit aufgetragen, binnen längstens vier Tagen eine Bürgschaft der Dorsseinwohner Hieramts um so sicherer zu erlegen, als widrigenfalls dem Herrn Unter-Präfecten darüber referirt und derselbe um Verhaltungsmaßregeln angegangen werden wird. (L. S.) (gez.) Bürgermeister Anton Bote. Herrn Leib shn. Zeilig. 1868, 19. April (alten Styls) Nr. 193. Rumänien, Distrikt Tutova, Bürgermeister-Amt Bauca. Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß in Folge Auftrages des Herrn Unter-Präfecten, Nr. 322, basirt auf den des Herrn Ministers, Nr. 1982, vom 23. d. ab den Juden verboten wird, ferner in den Ruralgemeinden ihren Aufenthalt zu nehmen. (gez.) Primär: N. Popovicz, Actuar: A. Bortu. Letzterer Primarie-Erlaß ist also drei Tage später datirt, als das bekannte Ministerial-Schreiben, in dem nicht allein jede Judenverfolgung entschieden geleugnet, sondern Europa geradezu jedes Recht der Einmischung kategorisch abgesprochen wird. Es bedarf nun keines weiteren Commentars, wie elend Md hilflos die Lage der hiesigen Juden ist. Rußland. Odessa, 22. April. (Privatmitth.) Die EntwickelMg in der hies. Gemeinde geht in gesunder Weife besonders durch viele und segensreiche Vereine, vor sich. So wirkt der Handwerkerverein Trud, der israel. Commis-Verein, der jüdische Lehrerverein und das vor Kurzem ins Dasein gerufene jüdische Waisenhaus, und behalte ich mir vor, hierüber ein anderes Mal zu berichten. Mit diesem will ich nur bemerken, daß heute um 1 Uhr Mittags die feierliche Einweihung des neuen israelitischen Tempels stattfand, dessen Grundsteinlegung am 18. August 1863 begangen geworden. Das Gebäude ist eines der schönsten der Stadt im gothischen Style ausgeführt und mit Kuppeln verziert, an der italienischen Straße gelegen, und kostet ungefähr 70,000 Rubel. Der Tempel ist nicht groß, enthält mehrere Hunderte Männer- und Frauenfitze, macht aber, besonders bei der Gasbeleuchtung des Abends, einen imponirenden Eindruck und ist sehr akustisch. Die Civil- und Militair-Behörden, an ihrer Spitze der thätige und allgemein beliebte General von Kotzebue, der Curator des Odessaer Lehrbezirks, Professoren der kaiserlichen neurussischen Universität und hervorragende Bürger bekundeten die Theilnahme durch ihr zahlreiches Erscheinen. Der Herr Dr. Schwabacher hielt eine begeisternde Predigt, anknüpfend an das Gebet Salomos bei der Tempelweihe, besonders über den Gedanken, daß die Religion Israels niemals eine exklusive gewesen und die Bekenner anderer Religionen von wahrer Gottesfurcht, Tugend und der zukünftigen Seligkett niemals ausschloß. Sie wird im Druck erscheinen. Die Befriedigung war eine aüseittge. *) I.. T. *) Der Herr Berichterstatter gab uns eine detaMrte Schilderung der Feier. Der Mangel an Raum gebot uns, die Hauptmvmente herauszuheben. Redaction.