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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-06-02 · Heft 23 (2.6.1868) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 23 (2.6.1868)
Date
1868-06-02
Page
Seite 453 (sequence 3)
Language
German
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' 6. Hierzu ist die Instrumentatbegleitung und ein wenigstens einstimmiger Chor um die Gemeinde zu leiten, unumgänglich nothwendig. Als Instrumentalbegleitung empfiehlt sich vorzugsweise die Orgel. 7. Die Vorlesung aus der Thorah, die sogenannten Schemone Esre's, das Kriath Schema, das Borchu und die Keduscha, der Priestersegen, auch das Kaddisch der Waisen müssen in der Ursprache behalten werden, alles Uebrige in der Landessprache, theils wörtlich übertragen, theils überarbeitet. II. Dauer und Inhalt: 1. Der Gottesdienst darf nur eine angemessene Dauer haben. 2. Die neue Vortragsweise, die Einschaltung der Predigt, der Lieder und etwaiger neuer Gebetstücke in der Landessprache und andererseits biej bis jetzt übliche oftmalige Wiederholung derselben Gebete, derselben Gebetstücke und desselben Gedankenstoffes machen eine Verkürzung in dem bisherige» Umfang der Gebete nothwendig. 3. Die Thorah wird im dreijährigen Cyklus in der Ursprache vorgelesen. 4. Die Haphtorah wird in der Landessprache verlesen und, um dem dreijährigen Cyklus zu genügen, neben dem bisherigen Prophetenstücken andere aus den Propheten, oder aus den Chethubim ausgewählt.*) *) Für die Beseitigung der Haphtoroth können wir durchaus nicht stimmen. Wie die Vorlesung ans der Thorah diese im Bewußtsein und in der Kenntniß der Gemeinde erhalten soll, so muß dies auch durch die Haphtorah in Bezug auf die Propheten und nach unserer Meinung auch auf die Chethubim geschehen. Es würde nach unserer Ansicht ein großer Mangel sein und die beiden Theile der heil. Schrift der Maffe noch mehr entrücken, als es bis jetzt der Fall war, wenn man die Haphtoroth wegließe. Bei der Auswahl braucht ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem verlesenen Thorahstücke nicht ängstlich beachtet zu werden, da dies bei den bisherigen auch durchaus nicht der Fall war. In einem früheren Jahrgange dieser Zeitung haben wir einmal eine solche Auswahl von Haphtoroth für den dreijährigen Cyklus mitgetheilt, doch könnte hierin gerade eine freie Bewegung stattfinden. Die Thorah lesen wir vollständig und Wort für Wort hinter einander und in der Ursprache; die Haphtoroth sind immer nur ausgewählte Stücke und können daher füglich in der Wahl frei bleiben. So haben wir dann die Gelegenheit, der Gemeinde eine umfafiendere Kenntniß unserer heiligen Schrift zu bieten und den Gottesdienst dadurch zu beleben, daß nicht immer dieselben Stücke wiederholt werden. 5. Die Thephillah d. i. die sogenannte Schemone Esre wird nur einmal vorgetragen. v. Der öffentliche Gottesdienst braucht erst mit Borchu anzufangen.*) 7. Vor Borchu können die üblichen Stücke in wechselnder Auswahl, in der Landessprache, übersetzt oder überarbeitet, vorgetragen, oder ihm ein Lied vorangestellt werden. 8. Die Zwischenstücke von Borchu bis Kriath Schema und von diesem zur Schemone Esre werden verkürzt und überarbeitet in der Landessprache vorgetragen. 9. Nach der Schemone Esre folgt vor der Vorlesung aus der Thorah an den dazu bestimmten Festtagen das Hallel oder ein auf den Tag bezügliches neues Gebetstück oder ein Lied, nach der Haphtorah die Predigt oder eine Homilie. 10. Die spezialisirte Engellehre, die Bitte um Wiederherstellung der blutigen Thieropfer und um die persönliche Rückkehr nach Palästina werden aus den Gebeten beseitigt, hingegen die Bestiinmung Israels zur Empfangnahme, zur treuen Aufrechthaltung, zur Trägerschaft und Bezeugung der Gotteslehre zum angemeffenen und würdigen Ausdruck gebracht. l l. Die Muffaph-Schemone Esre fällt aus diesem Grunde und um die Wiederholung derselben Gebetstücke zu vermeiden, hinweg, so daß das Mussaph durch die Predigt, das Lied und das Schlußgebet (Olenu in angemessener Ueberarbeitung) ersetzt wird. 12. An den Festen und an allen durch die Synagoge ausgezeichneten Tagen wird dies an der Hand der bisherigen Gottesdienstordnung zu angemessener Erweiterung gebracht. In diese Sätze haben wir, wie schon bemerkt, die Ergebnisse der bisherigen Arbeiten über die Umgestaltung unseres öffentlichen Gottesdienstes zusammengedrängt. Wir geben sie nicht als Beschlüsse irgend einer autorisirten Instanz, als feststehende und unumgängliche Normen, wohl aber 'als die Ausflüsse der Zeit, des Nachdenkens und Forschens derer, welche sich ernstlich mit diesem Gegenstände beschäftigt haben. Was hierzu materiell nothwendig ist: musikalische Arbeiten, Uebertragung und Ueberarbeitung der bisherigen Gebete, neue Gebetstücke und Lieder sind bereits in Menge vorhanden und werden sicherlich auch fernerhin geschaffen werden, sobald und wohin sich das Bedürfniß ausspricht. Nach den *) Dies wurde bis jetzt auch so gehalten, da das Minjan erst zu Borchu nothwendig.

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