Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1868)
- Date
- 1868-05-26
- Page
- Seite 449 (sequence 19)
- Language
- German
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m zu setzen. Er ging nun zum Berg und erhielt zur Antwort: Ich kann Dir Jemand weisen, der stärker ist als ich, nämlich die Maus, denn ich kann nichts dagegen thun, wenn sie mich aushöhlt und mich zu ihrer Wohnstätte macht. Darauf wandte sich der Mönch an die Maus und sagte: Willst Du Dich mit diesem Mädchen verbinden? Die Maus erwiderte: Und wie könnte ich das, da mein Loch enge ist und die Maus sich nur mit [ einer Maus verbindet. Da that der Mönch die Bitte an seinen Herrn, daß er das Mädchen wieder zu einer > Maus machen möchte — und als Gott ihr die ursprüngliche Gestalt gab, ging sie dahin mit der Maus. In der Hitopadesa, übersetzt von Max Müller, IV. 6, S. 157 findet sich eine andere Relation dieser Fabel; aber das Pantschatantra III. 12 stimmt mit der Erzählung des Bidpai überein. Auch bei Babrius wird eine solche Handlung von der Venus erzählt, die ein Mädchen in eine Katze verwandelte. Solche Verwandlungen kennt die griechische Mythe, wie die Steine des Deukalion, die Bildsäule des Pygmalion, sehr viele. Allein die jüdische Auffassung ist eine ethische und spekulative, die weder mit der indischen noch griechischen Mythe etwas gemein hat. In dem apokryphischen Esra ist es die Wahrheit und im Talmud die Wohlthätigkeit, welche als das Mächtigste gepriesen wird. Ehre der Humanität und ihren Trägern! Landammann Samuel Schwarz ans dem Äargau. Das Gefühl der Dankbarkeit gebietet mir von einem biedern Eidgenossen zu sprechen, dessen Name wohl würdig ist den Lesern der Zeitung des Judenthums als der eines Mannes von humaner und toleranter Gesinnung aus der Höhe der Zeit im Gedächtnisse zu bleiben. Es ist dies der vor kurzer Zeit verstorbene Landammann des Kantons Aargau, Samuel Schwarz von Mülligen, der in der Fülle seiner Kraft im 55. Lebensjahre vom unerbittlichen Tode aus seinem Wirkungskreise herausgerissen wurde. Er war 23 Jahre Mitglied des aargauischen Regierungsrathes rc., so oft es die republikanische aargauische Verfassung erlaubt, als Landamrnann an deren Spitze berufen; wegen seiner Arbeitstüchtigkeit, seiner Bekanntschaft mit allen Zweigen der Regierungsgeschäfte galt er als eins der hervorragendsten, wegen seines leutseligen, populären, offenen und geraden Wesens als eins der beliebtesten Mitglieder des aargauischen Regierungsrathes. Sein braver Charakter zeigte sich auch da, wo es sich um die Juden im Allgemeinen oder um einen Einzelnen handelte. Er hatte ein zu liebevolles Herz, um je eine lieblose Aeußerung oder irgend welches Zeichen des Judenhasses in der Behörde oder seiner Umgebung aufkommen zu lassen. Die Angriffe, denen auch er, wie der gesammte aargauische Regierungsrath während der Agitation gegen die Emancipation der Juden in den Jahren 1861—62, besonders von der ultramontanen „Botschaft"*) ausgesetzt war, hinderten ihn nicht, unentwegt zur Sache des Fortschrittes zu stehen und auf Gefahr seiner amtlichen Stellung mit aller Energie eines weisen Staatsmannes im Vereine mit den Freunden des Rechio und der Gleichheit eine Schutzwehr zu bilden gegen den fanatischen Uebermuth einer Pöbelherrschaft, die sich damals, durch den Ultramontanismus auf die Oberfläche des öffentlichen Lebens ün Aargau heraufgeschwemmt, auf kurze Zeit breit machte. Schwarz war bis vor einigen Jahren, da es nöthig war, daß er das Baudepartement übernahm, aargauischer Milüärdirector, in welcher Stelle er seine Pflichttreue mit seiner Herzensgute so schön zu verbinden wußte, daß er von den Soldaten nicht nur als ihr Vorgesetzter geachtet, sondern als Lehrer, Freund und Rathgeber geliebt war. Als eidgenössischer Oberst nahm er eine hohe militärischer Stellung ein, und es war davon die Rede, ihn an die Spitze des schweizerischen Wehrwesens zn stellen. Ihm haben es die aargauischen Israeliten zu verdanken, daß ihre junge Wehnuannschaft zum Militärdienste herbeigezogen wurde, indem er 1852 das Militärgesetz reorganisirte und jedes Ausnahmsgesetz, das die Juden nicht wie Bürger angesehen wissen wollte, herausmusterte. War ihm dieser Schritt schon an und für sich wichtig in Bezug aus die politische Stellung der Israeliten, so betrachtete er ihn im Weitern als die Brücke zur völligen Gleichstellung, die dann wirklich 1862 den Vorkämpfern der Emancipation gute Dienste leistete. Unter der Leitung eines Schwarz war es unmöglich, daß ün Militärdienste die Juden als solche sich über Unbilden oder Zurücksetzung zu beklagen hatten. Vielmehr werden die israelitischen Soldaten wegen ihrer Intelligenz und Schulbildung von den Obern gerne gesehen und verhältuißmäßig stark befördert. Es ist auf diesem Gebiete dem Judenhasse fast unmöglich geworden zu erscheinen und werden auch die religiösen Formen der Israeliten, soweit es mit der militärischen Disciplin sich verträgt, mit möglichster Schonung behandelt. Einsender dieses mit Herrn Schwarz seit 1832 bekannt, da er ihn ün Gymnasium zu Aarau kennen gelernt, kam in amtlicher Stellung, besonders aber in Bezug auf politische Angelegenheiten der Israeliten in früherer Zeit oft mit ihm in Berührung und fand bei ihm ein stets sich gleichbleibendes Wohlwollen, das namentlich dem Fortschritte in den israelitischen Gemeinden sein geneigtes Ohr lieh und den Bestrebungen der Rückschrittstnänner mit Entschiedenheit eutgegentrat. Das Andenken des Gerechten dient zum Segen! M.G.Dr. Korrespondenz. Eine WohlthätigkcitsvorjUNung. **> Wien, 2. April. Die gestern im Todesco'schen Palais zum Vortheile des israelitischen Waisenhauses gegebene Privatvorstellung *1 Einem in Klingnau an der Aare von dem Jesuiten Schleuniger redigirten Blatte. **) Stach der „N. Fr. Pr."