Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1868)
- Date
- 1868-05-26
- Page
- Seite 450 (sequence 20)
- Language
- German
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war durchweg vom schönsten Gelingen begleitet und hat ■ selbst die hochgespanntesten Erwartungen befriedigt. Der schöne,säulengetragene,mit Rahl'schenFresken geschmückte Saal bildete den Zuschauerraum vor einer kleinen, erhöhten Bühne, auf welcher die Productionen mit wohlberechneter sich allmälig steigernder Wirkung vorgeführt wurden. Zuerst ein kleines dramatisches Vorspiel von Herrn E. Mautner, ein ziemlich harmloses Gelegenheitsstück, das von Frau Fanny Kaulla, den Herren Heinrich Brandeis und Behrend sehr gewandt gespielt wurde. Sodann ein Concert nach sehr gewähltem Inhalt und nicht zu langer Dauer. Frau Karoline Bettelheim-Gomperz eröffnete dasselbe mit dem schwungvollen Vortrag der Gluck'schen Arie „Che fnrö senza Euridice.“ Die herrliche Stimme dieser Künstlerin schien seit ihrem Abschied von der Bühne womöglich noch kräftiger und wohlklingender geworden, dabei sang Frau Gomperz mit sichtlicher Passion. Von der Versammlung enthusiastisch empfangen und wiederholt gerufen, sang Frau Gomperz noch Schumann's tiefpoetisches Lied „Dichters Genesung", zum Schluß endlich eine dankbare und für den speciellen Wohlthätigkeitszweck paffende Ballade von J.Blumenthal. Es glänzte ferner Herr v.Bignio mit dem Vortrage von zwei Schumann'schen Liedern, Herr Epstein mit zwei Klavierstücken und Herr Hellme Sb erg er mit der Gounod'schen „Cäcilienhymne", begleitet von den Herren Zamarra, Zellner und Wr an y. Mit Spannung sah man nun dem dritten Theil der Vorstellung entgegen, der Illustration des „Volksliedes" durch Deklamation, Musik und plastische Darstellungen. Das Gedicht von Mosenthal beweist nicht nur aufs neue sein großes Geschick für Gelegenheitspoesie, es hat wahrhaft zündende Stellen. Nach jedem Absatz des von Herrn Lewinsky schwungvoll declamirtenGedichts hob sich (bei gänzlich verfinstertem Zuschauerraume) der Vorhang der stark beleuchteten Bühne, und wir erblickten die Versinnlichung des Gesprochenen durch ein „lebendes Bild". Mit diesen acht Bildern feierte der Maler Franz Gaul, der die Costüme gezeichnet und die Gruppen angeordnet hatte, einen beneidenswerthen Triumph. Allerdings stand ihm auch ein beneidenswerthes Material an schönen Mädchen und Frauen, an kräftigen Jünglingsgestalten zur Verfügung. Das erste Bild, an die ältesten Zeiten religiösen Bolksgesanges anspielend, zeigte uns die „trauernden Juden" (nach Bendemann): die Gestalten der Frau Gomperz-Bettelheim und des Fräulein Sichrowsky ragten besonders malerisch hervor. Hinter der Scene ertönte eine Art jüdischen Klagegesanges, von einer Violine mit Harmonium-Begleitung ausgeführt. Ein farbenfrisches Gegenstück dazu war der „Provencalische Minnehof", musikalisch illustrirt durch ein von Herrn Prih oda gesungenes Troubadourlied mit Harfenbegleitung. Fräulein Paula Kl in losch, die als Königstochter neben Herrn Dumba dem an den Stufen des Thrones knieenden Trobadour (Herrn Br and eis) den Lorbeerkranz reicht, wird man nicht leicht vergessen. Ebensowenig das schöne „Aennchen von Tharau" des folgenden Bildes. Auf diese bloß von zwei Personen dargestellte Idylle (Fräulein Tauber, Herr Hermann Todesco) folgte wieder ein figurenreiches größeres Bild, das zu den schönsten des Abends gehörte; das Programm bezeichnet es als „volee far mente“, eine Gruppe von Fischern und Landleuten am Golf von Neapel. Frau Gomperz-Bettelheim ergötzte das Ohr durch ein lebensfrohes neapolitanisches Volkslied mit Tambourin-Begleitung, während das Auge sich an den schönen, charakteristischen Gestalten der Italienerinnen (Frls. Francisca Wertheimstein, Gabriele Todesco, die Frauen Schnapper, Auspitz rc.) weidete. Ein leidenschaftlich ernstes Bild folgte: eine französische Revolutions-Scene unter den Klängen der Marseillaise. Eine glücklichere Wahl für die, die Tricolore schwingende Freiheitsgöttin als Fräulein Oekonomo hätte man nicht treffen können. Ein heiteres Bild — deutsche Studenten das „6audeamu8 igitur“ singend — löste angemessen die tragische Spannung des Vorhergegangenen. Ueberaus anmuthig wirkte die Scene: „Auf dem Alpensee". Fraulein Lotti Schey als Jschler Bauernmädchen, aufrecht im Kahne mit vorschützender Hand nach dem Ufer ausblickend, dürfte sich dem Gedächtnisse der Zuschauer wohl eingeprägt haben. Hinter der Scene erklang ein oberösterreichisches Volkslied, sehr frisch gesungen von Fräulein Louise Todesco und Frau Bettelheim-Gomperz. Einen prachtvollen Abschluß bildete die Schluß- Allegorie: „Das Volkslied". In der Mftte, etwas erhöht, thront „die Poesie", in imposanter Personificirung durch Fräulein Aspasia Curti; um sie gruppiren sich Repräsentanten verschiedenrer Nationalitäten. Die edle Gesichtsbildung und prachtvolle Haltung der „Austria" <Fräulein Johanna K link o s ch) erregte Sensation. Fräulein Morpurgo als Italienerin, Fräulein Bertha Wittgenstein als Ungarin und viele andere Blumen und Blüthen ergänzten den malerischen Kranz. Jedes der Tableaux mußte drei Mal, manches sogar vier Mal gezeigt werden, so erfreut und überrascht war die Versammlung von dieser Production, die man als einzig in ihrer Art bezeichnen darf. — Herr und Frau v. Todesco machten auf die liebenswürdigste Weise die Honneurs des Hauses; von den Counts-Mitgliedern thaten sich durch rastlose Thätigkeit und anordnenden Geschmack die Herren Heinrich Brandeis, Herrmann Todesco und Eduard Mannheimer besonders hervor. Ed. H. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dm. H. Lvtze.