Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1868)
- Date
- 1868-05-26
- Page
- Seite 436 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen von deren chronologischem Mer, auf der Sprachstufe sich befinde, welche gegenwärtig das vulgäre Arabische durchmache. Ueber die Details der mit Scharfsinn geführten Combinationen müssen wir auf die Abhandlung selbst verweisen. Es versteht sich, daß noch viele Zweifel zu überwinden und gleiche Resultate zuvor noch auf anderen grammatikalischen Gebieten zu erringen sind. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, den 12. Mai. »Privatmitth.) Daß der politischen und socialen Gleichstellung der Juden in gewissen Gesellschaftskreisen noch immer hartnäckige Vorurtheile entgegenstehcn, ist ja leider eine nur zu bekannte Thatsache und Vorkommnisse dieser Art öffentlich zn registtiren, würde sich kaum der Mühe lohnen. Doppelt betrübend aber ist es und öffentlich besprochen zu werden verdient es, wenn solche Vorurtheile, die man zu den überwundenen zählen zu können zur Ehre unseres vielgepriesenen Zeitalters wünschen sollte, eine Stütze, in einem Manne zu finden, den man sonst auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens als den Vorkämpfer freisinniger Ideen zu betrachten gewohnt ist. Meine Mittheilung bezieht sich nämlich auf keinen Geringeren als Herrn Professor Di-. Virchow. Die Thatsache, die ich im Auge habe und die unter den hiesigen Aerzten sehr lebhaft besprochen wird, ist die, daß derselbe kürzlich einen jüdischen Bewerber um eine vacante Assistentenstelle im pathologischen Institute Hierselbst, einen sehr tüchtigen jungen Arzt, Herrn I)r. Aufrecht, ausdrücklich wegen seines Glaubens abgewiesen hat, angeblich weil er es als Jude doch zu keiner staatlichen Anstellung bringen könne. Aus dem Munde etwa des Cultusministers — wen würde eine solche Aeußerung befremden? Aber aus dem Munde eines Mannes wie Virchow muß sie mit Recht Verwunderung erregen. Einmal steht es mit den Thatsachen in Widerspruch, daß die Juden als Lehrer der medicinischen Wissenschaft es zu Nichts bringen könnten. Sind doch Traube, Joseph Meyer,*) der für die Wissenschaft leider zu früh ver¬ *) Professor l)r. Joseph Meyer ist jetzt definitiv zum Director der schon unter seiner Leitung stehenden Universitäts-Poliklinik für innere Kranke ernannt worden. storbene Remak, und andere unserer Glaubensgenossen in Preußen hervorragende Universitätslehrer und Zierden der Wissenschaft geworden, und sodann, haben doch die schweizer, holländischen und mehrere kleindcutsche Universitäten bereitwillig bewährte jüdische Docenten der Medicin von hier als Professoren zu sich berufen. Sodann aber, jenen Vorwand selbst einmal als begründet angenommen/ faßt denn Herr Virchow die Wissenschaft lediglich als milchende Kuh auf, oder sollte ihm nicht der höhere Gesichtspunkt nahe liegen, daß die Wissenschaft ihr eigenes von jeder Nebenrücksicht unabhängiges Recht der Existenz hat und daß es ein Unrecht, mehr noch als gegen den Juden, gegen die Wissenschaft ist/ einem Manne, der sich durch die großen ihm als Juden entgegenstehenden materiellen Schwierigkeiten vom Betreten einer wissenschaftlichen Laufbahn nicht zurückschrecken läßt, den Weg dazu zu versperren? Mit welcher logischen Consequenz will denn der Abgeordnete Virchow die Beschwerde eines jüdischen Schulamrscandidaten wegen Nichtzulassung zum Probejahr der Regierung zur Berücksichtigung überweisen, wenn der Professor Virchow auf einem seinem unmittelbaren und maßgebenden Einflüsse unterstellten Gebiete nicht das Beispiel giebt, mit veralteten Vorurtheilen aufzuräumen! Daß es sich hier übrigens nicht um einen einzelnen vielleicht einer anderen Deutung fähigen Fall, sondern um ein consequent durchgeführtes Princip handelt, scheint u. A. auch daraus hervorzugehen, daß auch vor 3—4 Jahren ein junger jüdischer Arzt, der noch heute in dieser Stellung sich befindet und sich inzwischen einen Namen in der Wissenschaft erworben, erst nachdem das Taufwasser seine Wirkung geübt, eine Assistentenstelle in dem von Virchow dirigirten pathologischen Institut erhielt. Außer der Eingangs erwähnten Stelle war bei Herrn Virchow zu Ostern noch eine andere Assistentenstelle durch die Berufung des Di-. Kühn als Professor nach Amsterdam vacant, unter den Bewerbern befand sich auch der Dr. Hermann — Jude —, anerkannt einer der tüchtigsten unter den jüngeren Physiologen. Derselbe ist indeß einem anderen — christlichen — Bewerber unterlegen. Ob und inwieweit auch hier confessionelle Rücksichten mitgewirkt haben, vermag Schreiber dieser Zeilen nicht anzugeben. Dr. Meilitz, pract. Arzt.