Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-26 · Heft 22 (26.5.1868) · p. Seite 435

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 22 (26.5.1868)
Date
1868-05-26
Page
Seite 435 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226658--26106-3261632
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

in Verzug. Auch ist Alles, was man darüber weiß, bloße Muthmaßung. Wir kennen die Note des rumänischen Ministers an den österreichischen Generalkonsul und die sehr zahme Antwort des Letzteren an den Ersteren. Weiter wissen wir nichts, und alle die Gerüchte von den Bemühungen des Freiherrn v. Beust, eine gemeinsame Action der Schutzmächte herbeizuführen, oder daß von Paris aus bereits gemeinsame Schritte geschehen, oder daß Rußland vermöge seiner eigenthümlichen Stellung in der orientalischen Frage auf Seiten der rumänischen Demagogen stehe — müssen sich erst weiter hin als auf etwaigen Thatsachen beruhend erweisen. Unter dem 13. Mai wird gemeldet, daß ein neues Ministerium gebildet worden. Indessen ist auch dies nur ein Scheinmanoeuvre, denn an die Stelle Golesco's tritt der General Golesco, und Johann Bratiano vertauscht nur sein bisheriges Ministerium mit dem der Finanzen. Unter dem 5. Mai hat die Alliance isradlile universelle an die Monarchen von Oesterreich, Frankreich, Großbritanien, Italien, der Türkei, Preußen und Rußland eine Bittschrift gerichtet, welche nach einer klaren und bündigen Auseinandersetzung, die mit dem Vertrage des 29. Mai 1856 und der Convention vom 19. August 1858 beginnt, in einfachen, der Wahrheit streng getreuen Zügen das ganze Bild der in Rumänien gegen die Juden gesponnenen Jntriguen und verübten Mißhandlungen Entrollt und im Namen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit seitens der Schutzmächte um Abhilfe bittet. Möge dieselbe mit dem besten Erfolge gekrönt sein! Literarischer Wochenbericht. Bonn, 17. Mai. Quelques observations sur fantiquili de la döclinaison dans les langues sdrailiques par M. Hartwig Derenbourg. Paris, imprimerie imperiale 1868. Die in den letzten Jahrzehenden mit so außerordentlichen Erfolgen betriebene vergleichende Sprachwissenschaft hat selbstverständlich die beiden Strebungen mit einander zu verbinden: die. Ähnlichkeiten unv die Verschiedenheiten der Sprachen aufs Gründlichste zu erforschen. Vor uns liegt ein weiter Entwickelungsgang, weit über das Alter geschichtlicher Notizen, weit über das Alter von Monumenten und Bauresten hinausreichend, auf welchem bald diese, bald jene Sprache.'sich von ihrem ursprünglichen Stamme abwendet und ihre eigene Bahn fortläuft, bald dieser gemeinsame Sprachstamm sich wieder nur als ein Zweig eines allgemeineren Stammes erweist, zuletzt aber als höchstes Problem die Frage sich aufstellt: stammen sie allesammt aus einer oder aus mehreren Wurzeln? Die unparteiischen Linguistiker gestehen zu, daß diese Frage noch lange nicht schlußreif ist, wenn sie überhaupt jemals schlußreif werden kann. Es hängt dies natürlich mit der Frage über den einheitlichen Ursprung des Menschengeschlechtes zusammen, und die Beantwortung dieser Frage hat nicht blos theoretisch wissenschaftliches Interesse, sondern auch praktisch sociales, moralisches und religiöses. Eine sehr wichtige Stelle nimmt daher gegenwärtig die Geschichte jeder Sprache, dann der Sprachenstämme ein, und jede mit unzweifelhaften Resultaten gekrönte Arbeit, mag sie sich auf großem oder kleinem Gebiete bewegen, ist von hoher Wichtigkeit. Wir rechnen die vorliegende Abhandlung eines jungen, auch in Deutschland gebildeten pariser Gelehrten hierher. Sie beschäftigt sich mit der Deklination in den semitischen Sprachen, um deren größere oder geringere Spuren nachzuweisen und daraus auf das Alter oder vielmehr die Entwickelungsstufe, auf welche die uns überlieferten Literaturen der bezüglichen Sprachen zeigen, zu schließen. Der Kenner solcher Untersuchungen weiß, daß es hierbei nicht auf das chronologische Alter der Literaturen ankommt, sondern darauf, wie weit die Sprache bereits sich fortentwickelt hatte, als sie in der Literatur auftrat und sich so für uns fixirte. Es kann daher eine viel ältere Literatur der bereits viel weiteren Sprachstufe angehören, während eine viel jüngere Literatur einer anderen Sprache einer noch viel ursprünglicheren Sprachstufe angehört. Auch ist an den Satz der neuesten Sprachforscher nicht zu vergessen, daß eine spätere Sprachstufe, wenn sie auch, literarisch genommen, viel entwickelter ist, als die früheren, im eigentlichen Sprachstoff ärmer und verkümmerter ist, als in ihrer früheren Ursprünglichkeit. Der Verf. der vorliegenden Abhandlung kommt nun zu einem entgegengesetzten Resultate wie Renan. Der Letztere benennt das Hebräische „das Sanskrit der semitischen Sprachen", so daß wir in ihm die älteste Stufe der semitischen Sprachfamilie besäßen, so weit sie uns überkommen ist. Unser Verf. beweist vielmehr an den weit mehr verwischten Spuren der Declination, daß dieser Platz dem Altarabischen angehört, und daß das Hebräische der heil. Schrift, abge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.