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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-26 · Heft 22 (26.5.1868) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 22 (26.5.1868)
Date
1868-05-26
Page
Seite 434 (sequence 4)
Language
German
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leicht hatte dennoch dieser Vorgang zu einigen entschiedenen Resultaten geführt, wenn nicht die Bewegung von 1848 eingetreten, womit außer der Abschwächung des Interesses auch mit einem Male eine außerordentliche Friedensliebe über die Gemeinden kam, so daß man vor Allem den Streit aufgab, d. h. Alles beim Alten ließ. Innerhalb dieser Zustände kam gegen Ende der fünfziger Jahre eine Generation von Rabbinen auf, welche man gewöhnlich mit dem Namen „Neuorthodoxe" nenn und die, sich an jene Romantiker anlehnend — sie selbst sind durchaus nicht romantisch — trotzdem sie predigen und BLffchen tragen, noch die letzten Spuren von Reformen zu beseitigen suchen, die übrig geblieben. Es ist damit nicht gesagt, daß sie nicht, wenn die Gemeinden ernstlich wollen, sich auch schnell auf die andere Seite würfen Denn wir sahen Männer dieser Art sich auch bei Gemeinden von entschieden reformistischer Richtung zur Rabbinerstelle melden. Hieraus ersieht man, welchen großen Theil der Schuld die Rabbinen Deutschlands, Frankreichs u. s. w. in dieser Hinsicht auf sich geladen. Die einzelnen Männer, die ihrer Fahne treu geblieben, ahen sich von allen Seiten im Stiche gelaffen, und wohlwissend, welcher Schade durch diesen vollkommenen Stillstand und Rückschritt der Religion den aufwachsenden Geschlechtern zugefügt werde, setzten sie ihre persönliche Wirksamkeit fort, ohne den Streit sortzusetzen. Das zuletzt Angeführte bringt uns nun zu dem anderen Theile der Führer, d. i. zu den Vorständen der Gemeinden. Mit geringer Ausnahme haben diese eine Schwäche und Unthätigkeit bewiesen, welche jeden Erfolg unmöglich machten. In dem Gedanken, daß sie alle Parteien in der Gemeinde zu vertreten und ihre persönliche Meinung außer Acht zu lassen hätten, in der Voraussetzung, daß der Friede das höchste Gut in der Gemeinde sei, betrachteten sie sich vorzugsweise als Finanzministerien, schrieben die Steuern aus und verwendeten das Geld, organisirten die äußere Verwaltung der Gemeinde »und ihrer Institute, besonders die Wohlthätigkeitsanstalten, bauten viele stattliche Synagogen und weiheten sie glänzend ein, kümmerten sich aber um Synagoge und Schule gar wenig. Daß nicht der Bestand der Gemeinden, sondern der Bestand der Religion der eigentliche Zweck der Gemeinden sei, daß der Friede in allen persönlichen Angelegenheiten ein treffliches Ziel, für die Entwickelung und Kräftigung der Religion aber den Stillstand oder gar den Tod nicht bedeuten dürfe, daß wer alle Meinungen vertritt, keine vertritt, das wurde von Wenigen erwogen. Auf diese Weise konnte nichts geschaffen werden und wurde nichts geschaffen. Und so kam es, daß wir jetzt in überwiegender Anzahl sehr geordnete und sehr friedliche Gemeinden haben, in denen aber die Religion einem welken Baume gleicht, dessen Laub verkümmert, dessen Früchte verkommen. Doch wir wollen nach allen Seiten gerecht sein, und dürfen als ein letztes Moment nicht übergehen, daß in den fünfziger Jahren die Hand der reaktionären Regierungen schwer auf den jüdischen Gemeinden ruhete, und überall der kleinen Zahl der protestirendenden und dominirenden Orthodoxen ihre mächtige Hülfe lieh. Wir stellen dies zuletzt hin, weil es sich von selbst versteht, daß einer energisch strebenden Gemeinde es immer doch leicht geworden wäre, diese Schwierigkeit zu überwinden, wie dies einige Beispiele erwiesen. Kommen wir nun zu dem mehr inhaltlichen Theile unserer Frage. Rumänien VII. Wie stehen im Augenblicke die Dinge in Rumänien? Es scheint sich auch hier zu bewähren, daß die Behandlung der Juden nichts als ein Symptom, nicht die Krankheit selbst und nicht die ganze Krankheit sei. Nach den neuesten Correspondenzen derkVanee und des Journal des Ddbats steht der Bakeuer Distrikt in vollem Aufruhr. Die National-Garde wurde' aufgelöst, eine Abtheilung regulärer Truppen marschirte nach Baken; zwei Bataillone Infanterie und eine Schwadron Cavallerie sind wirklich vor den Thoren von Bakeu angekommen. Aber die Nationalgarde hat sich nicht aufgelöst und verwehrt den Truppen den Einzug in die Stadt. In Bukarest selbst droht der Aufruhr auszubrechen. Als der Minister Bratiano auf seiner Rückreise durch Bakeu kam, wurde er vom Volke so lange gefangen gehalten, bis er dessen Forderungen, worunter besonders die Einbringung des berüchtigten Gesetzentwurfes in die Kammer und seine Zustimmung zu ihm, zugesagt hatte. Nach dem neuesten Telegramm hat der Minister-Präsident Golesco, derselbe, welcher die famose Note an den österreichischen Generalkonsul abgefaßt, seine Entlassung genommen. Andererseits ist die Angelegenheit in die Hände der Diplomaten übergegangen, und das ist niemals ein Glück für eine Sache, namentlich für eine solche, wo Gefahr

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