Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1868)
- Date
- 1868-05-19
- Page
- Seite 420 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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420 verbreiten, wo auf die Massen gewirkt werden muß, thut doppelte Vorsicht noch. Auch finden >vir ein Compromiß der Fortschrittsmänner mit den Chassidäern für die Länge der Zeit nicht haltbar, wie. wir andererseits das Auftreten der Orthodoxen gegen die Adresse, welche von einer Partei ausging, auch nicht billigen, wir wollen in einem freien Staate freien Meinungsaustausch, und da beide Adressen an Se. Excellenz gerichtet sind, so sollte man ruhig, ohne Leidenschaft, hie und dort, den Ausgang abwarten. —. Bei den verschiedenen Parteigruppirungen des Landes fällt es angenehm auf, daß alle Parteien, orthodox und nicht orthodox, die Verbreitung der magyarischen Sprache auf ihr Programm geschrieben und dieserhalb können wir auch mit dem harten Urtheil der Journale gegen den „Glaubenshüter" nicht übereinstimmen. Wer mit uns den Zweck der Versammlung der nagymihalyer Rabbinenversammlung kennt, wer da weiß, wie verpönt in jener Zeit der Drang nach Wissen war, muß es als freudiges Ereigniß in Oberungarn begrüßen, daß sich der Unghvarer Oberrabbi an die Spitze jener Bewegung gestellt hat, die dem Fortschritt huldigt, oder sollen wir warten, bis die Stimme aus Szanc oder Liszka erschallt und sich die Chassidäer an die Spitze stellen? Sowohl die eine, als die andere Partei will Schulen, nur ob ein Rabbiuerseminar aus Staatsmitteln errichtet werde, darin sind die Parteien uneins. Daß dort wo einmal Schulen bestehen, die Bevölkerung sich für den Fortbestand interessirt, beweist das Araber Comitat, jedoch müssen für die Folge die Localverhältnisse der orthodoxen Gemeinden mehr Berücksichtigung finden, wenn man nicht mit leeren Worten um sich werfen will. Laut einem uns vorliegenden statistischen Ausweis leben im Araber Comitat 2437 Israeliten, hiervon können lesen und schreiben 63 V2 °/o, und besuchen die Schule 72 °/o; daß sich bei der christlichen Bevölkerung ein ungünstigeres Verhältnis zeigt, hat darin seinen Grund, daß man in frühern Jahren nur ungern den Schulverordnungen von Wien Folge leistete und die Geistlichkeit als Jnspectoren nur gezwungen fungirten. In S. a. Ujhely hat sich der „Jzraelita egylet" zur Aufgabe gestellt, Lehrburschen und Gesellen gratis Unterricht im Hebräischen und dem Magyarischen ertheilen zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß dieses Streben in sämmtlichen Vereinen des Landes Nachahmung fände. Musterlehrer I. I. Rosenmeyer. Frankreich. Paris, 1. Mai. Wir entnehmen den Aich. isr. folgende Notizen: Neue Meuchelmorde wurden in Marokko gegen die Juden begangen. Eine telegraphische Depesche aus Tetuan meldet, daß ganz nahe bei dieser Stadt zwei Unglückliche den Streichen des verbrecherischen Aissa erlegen sind: der französische Minister hat dem Consul den Befehl zugesandt sich nach Rabat zu dem Kaiser von Marokko zu begeben, um die Bestrafung der Mörder und Schutz für die Zukunft zu fordern.— In Jerusalem sind zwei neue Schulen gegründet worden, welche von der Alliance patronisirt werden. Leider fehlt es für die orientalischen Schulen der Alliance noch sehr an Direetoren und Lehrern; so fehlen diese gegenwärtig in Bagdad und Jaffa. In Adrianopel ist das neue Schulhaus nach viermonatlichem Gebrauche vollständig abgebrannt.— Bei dem Besuche des Großfürsten Thronfolgers in Nizza zur Einweihung der Todtenkapelle für seinen dort verstorbenen Bruder erhielt der Sekretair der jüdischen Gemeinde, Herr David Lattes, Lieutenant der Feuerwehr, den Stanislausorden als Anerkennung der Verdienste, die er sich erworben. Rußland. Wilna, im April. Der bisherige Generalgouverneur der nordwestlichen Provinzen General Baranow ist auf seine Bitte seines Amtes enthoben und an seine Stelle der General-Adjutant Potapow ernannt worden. — Die unter dem nunmehr verabschiedeten, früheren Generalgouverneur niedergesetzte Commission zur Organisation der Jndenangelegenheiten beschäftigt sich unterdessen nach wie vor unter dem Vorsitze des Herrn Tarassow, deren Resultate jedoch noch nicht veröffentlicht sind. — Ein neues Gesetz ergänzt für die westlichen Provinzen die Bestimmung, daß Juden polnischer Herkunft das Pachten von Gütern verbotn ist, dahin, daß sie Pächter oder Verwalter der bei den Gütern bestehenden Mühlen, Brennereien und anderer Fabriken sein können.