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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-19 · Heft 21 (19.5.1868) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 21 (19.5.1868)
Date
1868-05-19
Page
Seite 419 (sequence 13)
Language
German
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411 Heiligung von einigen Rabbinen, die doch erst aus der Wahlurne hervorgehen müssen. Leider steckt noch in den Köpfen der Leute der alte verächtliche Begriff von „Meschubed", womit alle Gemeindebeamten gebrandmarkt werden — und selbst die Notablenversammlung, die Elite der Judenschast Ungarns, konnte sich nicht dazu erheben ihre Meschubo.dim zu emancipiren. Ich könnte Ihnen noch von ähnlichen knechtischen Anschauungen und Vorstellungen berichten, die trotz des Widerspruches mit den Ideen der Neuzeit aufrecht erhalten und gerade von den sogenannten Männern des Fortschrittes vertheidigt werden. Bisher haben sich die Rabbinen dem ganzen Vorgehen der Notablenversammlung gegenüber völlig passiv verhalten und wir können dieses Verfahren nur billigen, da die Proteste die Unordnung noch mehr vergrößern würden. Es liegt aber im Interesse eines jeden Denkenden, daß einmal die heillose Wirthschaft ein wenig geregelt werde. Die Gleichberechtigung der Juden bricht sich allmählig praktisch immer mehr Bahn. So wurden z. B. bei den jüngst vorgenommenen Restaurationen der Magistrate in Arad und Gr. B.ecskerek, wobei die Israeliten daselbst zum erstenmale von ihrem Wahlrechte Gebrauch machten, auch mehrere Israeliten in den Magistratsausschuß gewählt. Unter den in den beiden Städten gewählten israel. Ausschußmitgliedern befinden sich, wie die Zeitungen mit wahrem Triumph berichten, die Herren Rabbiner Steinhardt in Arad und Oppenheim in Gr. Becskcrek. Es werden hoffentlich diese beiden Beispiele nicht vereinzelt bleiben, ja sogar häufig Nachahmung finden. In Mähren und Böhmen ist dies öfter der Fall, daß Rabbiner und Lehrer in den städtischen Ausschuß gewählt werden. Wir haben also hier wiederum eine sonderbare Anomalie! Der Rabbiner in Arad ist Ausschußmitglied der k. Freistadt; aber die „Statuten" der Araber Cultusgemeinde schließen den einzelnen Rabbiner vom Wahlrechte und überhaupt von aller Betheiligung bei den Gemeindesitzungen aus! Die Gemeindebeamten üben ferner das Wahlrecht bei der Wahl der Landtagsdeputirten und der Magistratsbeamten, Bürgermeister rc. unbeanstandet aus; aber bei der Wahl des Vorstandes (Rosch Hakahal) und Gabais müssen sie als Parias zurücktreten! Man tröstete sich bisher mit dem Gedanken, daß die Gleichberechtigung alle diese Rebelstände abschasfen wird — und darum ist es um so trrmriger, daß die Notablenversammlung diesen verrotteten Zuständen neuerdings das Siegel aufgedrückt hat. Aus dem Tokajergebirge im April. (Privatm.) SÄ dem die Vertrauensmänner aus Pest heimgckehrt find, hat in manchen Theilen Ungarns eine derartige schroffe Parteiftellung Platz gegriffen, daß ein Riß in den Gemeinden derartig zu fürchten steht, daß hievon selbst die Familien nicht werden verschont bleiben. Während bis zum Jahre 1867 die Kenntniß der magyarischen Sprache schon allein bei den Juden genügte als Patriot bei der Bevölkerung zu gelten, hat sich in jüngster Zeit im Lande eine Partei gebildet, die alle, welche nicht zu ihrer Fahne unbedingt schwören, als Fanatiker verschreit. Und doch ist bei uns in Oberungarn ein Wirken auf die Mafien nur dann möglich, wenn man sich in ihre Eigenthümlichkeiten hineinlebt und vom höhern Gesichtspunkte so manches gut nennt, was man unter anderen Umständen und unter anderen Verhältnissen verdammen müßte. In diesem Sinne heißen wir den so eben in S. a. Ujhelh sich gebildeten „Zempleni izraelita magyar egylet" willkommen, ist es doch ein israelitisch ungarischer Verein, der sich nicht nur zur Aufgabe stellt die Israeliten zu ächten Verlandsbürgern, zu wahren Söhnen dieses Landes zu erziehen, sondern auch die jüdische Literatur in jeder Beziehung zu unterstützen. Unter den Zeitschriften, die der Verein abonnirte, steht in erster Linie, außer den magyarisch-vaterländischen, die allgemeine Zeitung des Judenthums. In Ungarn gilt das Zempliner Comitat als dasjenige, welches dem Fortschritt am wenigsten hold, dieser Umstand mag denn auch die Ursache sein, daß sich beide Parteien bemühten durch Absendung einer Adresse an Se. Excellenz den Herrn Cultusminister Baron Jos. v. Eötvös den Beweis zu liefern, daß dem nicht so sei. Wenn der Präses der Vertrauensmänner des Zempliner Comitates und mit ihm der Schriftführer der Versammlung vor allem Versöhnung aus ihrem Reden und Handeln hervorblicken ließen, wenn sie mit uns von dem Grundsätze ausgingen, daß nur mit Berücksichtigung so mancher Eigenthümlichkeiten fich mit Erfolg auf die Masse wirken läßt, so sollten auf der anderen Seite die Gegner von einem gleichen Gefühl« beseelt sein und bedenken, daß eine Ansicht leicht in einer aufgeklärten Gemeinde dnrchdringen kann, während sie in anderen auf Widerstand stoßen muß. Heute wo es Alt Fortschritt und Bildung zu

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