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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-19 · Heft 21 (19.5.1868) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 21 (19.5.1868)
Date
1868-05-19
Page
Seite 418 (sequence 12)
Language
German
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m sen einen Bund schließen, um in diesem Sinne zn wirken, und die Fürsten wie die Völker dieser. Länder werden dann die Juden nicht wie eine Plage, sondern als eine Wohlthat betrachten! Auö Württemberg, im Fcbr. (Privatmitth.) Die Erneuerung der jährlichen Gemeinderathswahlen in Württemberg geht gewöhnlich am Jahresschlüsse vor sich und gibt sich bei denselben viel Agitation und politische Regsamkeit kund. Erfreulich ist es, daß jetzt an allen Orten, wo Juden wohnen, solche das Vertrauen ihrer Mitbürger haben und in die Gemeindecollegien gewählt werden. Es wird säst kein Platz in Württemberg mehr sein, an welchem nicht ein Jude auf dem curulischen Stuhle sitzt.— Wir finden aber unsere Glaubensgenossen unter allen Parteien, und wenn Alban Stolz von revolutionären Schwein efleischjudcn spricht, so kann er ebensowohl Zizisküssende auf der demokratischen Beobachters-Partei, als Neologen bei der politisch conservativen finden. In Göppingen, einer bedeutenden Fabrikstadt, sitzen zwei Juden, die Herren Daniel Rosenthal und Joseph Raff, im Stadtrath; der vielgenannte Adolph Leoi in Stuttgart ist Genieindedeputirter; in Laupheim ist nach hartem Kampfe Rcchtsconsulent Dr. Lämmlc trotz ultramontaner Gegendemonstrationen durchgesetzt worden. Bei den Parlamentswahlen sind zwei Juden, der Nationalökonom Dr. Eduard Pfeiffer und Rechtsconsulcnt Dr. Kilian Steiner, zwei enragirte Preußen, vorgeschlagcn. Wenn sie nicht durchdrungen, so verdanken sie cs ihrem Preußen- und nicht ihrem Judenthum; denn die katholische Bevölkerung ist fanatisch preußenfeindlich.— Die Juden hätten keinen Grund mit Preußen durch „Dick und Dünn" zu gehen, aber alleweg setzt man die nationale Einheit des deutschen Vaterlands über die confessionelle Rücksicht. Durch vie Einheit zurF reih eit trotz Mecklenburg und Wagener. Die Kämpfer aus den Freiheitskriegen Haben für Deutschlands Freiheit ihr Blut gelassen, obwohl sie als Juden bedrückt waren.— Die Civilehe ist nun für jüdische und christliche Nupturienten gesetzlich gestattet und ein Gesetz darüber in den Kammern verabschiedet worden. Die Frage wird selten praktische Bedeutung erlangen. Oesterreichischer Kaiserstaat« Pest, im April. (Privatmitth.) Kaum hat der Culi tusminister mit Kaschau Ordnung gemacht und der! königliche Commissär diesen Ort verlassen, brechen inl Steinamanger Streitigkeiten aus und wurde dennl in der Persvn des Altofener Oberrabbi Hirsch auch > nach diesemOrte ein königlicher Commissär abgeschickt; beigegeben wurden diesem Herrn die Oberrabbiner Ziper und Schreiber, im Verhinderungsfälle des erstem; | Dr. Hildesheimer. In Folge der glücklichen Entbindung Ihrer Majestät erhielten mehre Personen des Landes Auszeichnungen, unter diesen auch Israeliten. So wurde dem | Director der israelitischen Oberelementarschule zu Altofen, Leopold Braun, dem Vorsteher der isr. Cultusgemeinde in Arad, Jos. Hirschinann, das goldene Vcr-1 dienstkreuz verliehen.— Herr Heiur. Rosenberg, einer unserer tüchtigsten Lehrer» des Landes, erhielt aus dem ungarisch-isr. Schulfond, in Folge seiner vorzüglichen Leistungen auf schul - männischem Gebiete eine Belohnung von 150 fl. ö. W. Aus Ungarn, 24. März <Privatm.).Die Ausschließung der Rabbiner und Lehrer von dem activen und passiven Wahlrechte bei der im Monate November zusammengetretenen „Conferenz" der Israeliten Ungarns und Siebenbürgens hat in den betreffenden Kreisen einen peinlichen Eindruck hervorgebracht. Wir glauben kaum ein ähnliches Beispiel in der Geschichte zu finden, wo man grundsätzlich die Männer der Wissenschaft von aller Berathung ausgeschlossen hat. Es hat auch dieser Vorgang bei der gebildeten christlichen Bevölkerung, Beamten, Geistlichen und Advocaten, ein gerechtes Staunen erregt; so daß leider die Conferenz, deren Zusammenkunft in die Ferne verschoben, ab ovo mit einem Chillul haschem inaugurirt wurde. In einem so constitutionellen Lande wie Ungarn ist eine solche unmotivirte Beeinträchtigung des Wahlrechtes eine schwere Beleidigung und Kränkung der gesammten Rabbiner- und Lehrerwelt. Bei den Protestanten in Ungarn führen bekanntlich bei allen Versammlungen die Pastoren den Vorsitz und bei den Juden, so sprach sich dem Schreiber dieses gegenüber ein protestantischer Geistlicher hierüber aus, fürchtet man bei einer aus 220 Mitgliedern bestehenden Conferenz die Be-

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