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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-19 · Heft 21 (19.5.1868) · p. Seite 417

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 21 (19.5.1868)
Date
1868-05-19
Page
Seite 417 (sequence 11)
Language
German
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unser« ven mi* Bestieg ung bftj gilt, h’t er^elfcnj Vorzugs ' habe,,! Lesser t. Antwort! : dräng» len m,dl rcn ver-I en.; Posen! mle den! wollen.! en Zeit! ndermig! >aß ins-5 tcn der! e Riick-I i, wenn! arunterl , Gesin-I chne ich! chter. tzt auch! tt Wo»-! gegei'-I ierpflicl>-I >nft mtr| tion. Aus Ostpreußen, im April. (Privatmitth.) Wir freuen uns, daß unser Bericht über den Zustand der uden an der Preußisch-Russischen Grenze zur Zeit!«bgedruckt worden. Allein noch einmal ergreifen wir die oder, um auf das dortige Elend die ganze jüdische sWelt aufmerksam zu machen. Nicht Almosen kann hier helfen, wenn es auch für den Augenblick nothwendig st, fvndern diesem' armen, aller Kenntniß der Außenwelt beraubten Theile der Judenheit muß Gelegenheit gegeben werden, sich der Bande zu entledigen, die sie im Elend erhalten. Was würde aus den deutschen Juden geworden sein, wenn sie dabei geblieben, den Schulchan-Aruch zu studieren und sich sonst der Gesellung und Bildung der Zeit nicht anznschließen? Sie ivürden noch heute verstoßen und verachtet tverden, >vie man das Gemeine gern fern von sich hält! Woher stammen alle diese Judenverfolgungen und diese Armuth, dieses Elend in Rußland, in der Moldau und Wallachei? Weil auf dem Lande der krasseste Orthodoxismus obwaltet, der nur zum elendesten Broderwcrb hinleitet, jegliches Wissen und Streben nach der europäischen Gesittigung, die den Juden über seine Umgebung erheben soll, fernhält! Allerdings ist das Judenthum in seiner fortschreitenden Entwicklung, mit der es sich der ganzen Menschheit anschließt, die klarste und wahrste Religion, die mit stets verjüngender Kraft alle Mitglieder erfüllen soll; allein dies geschieht ja so selten! Da erheben sich diese 'Orthodoxen, und erschauen nicht, wie sie die Zukunft ihrer eignen Kinder gefährden, welche unbekannt mit allen den äußern Formen, wenn ihnen nicht der wirkliche geschichtliche Beruf des Judenthums klar geworden, demselben den Rücken kehren werden, wie wir es in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts erlebt. Zu ihnen gesellen sich nun noch diese erbärmlichen Neu-Orthodoxen, die ihre Verlegenheiten mit einigen schönen Redensarten bedecken, mit einigen Worten „unsrer Weisen" brilliren, die vom Volke unverstanden, aber gern gehört werden, für die Jetztzeit keine Bedeutung haben. Wahrlich, es wäre an der Zeit, hier einmal scharf zu Felde zu ziehen, die Wunden offen darzulegen, welche diese Schule mit ihrem Nichtsthun, mit ihrem Mäntelchen, womit sie alles Faule bedecken möchte, dem Fortschritte des Judenthums in den Weg legt. Was wäre aus den Juden Deutschlands geworden, wenn nicht zu ihrem Heile ein Moses Mendelssohn und seine Nacheiferer den Weg der Bildung betreten, während alle die Frommen in ihrem beharrlichen Dahinbrüten die Masse in Unwissenheit und Dumpfheit erhalten hätten! Es ist an der Zeit ein wahres Wort wieder einmal zu sprechen. Nicht das Judenthum ist in Gefahr, denn das können sie nicht zernichten, sondern die Bekenner, theils in ihrer Orthodoxie, theils in ihrem Jndifferentismus, bringen sich und ihren Kindern die größten Gefahren herbei, wenn sie nicht energisch den Gemeinden zeigen, wie nur in einem klaren, einfachen Gottesdienste (da es bald so weit sein wird, daß unsere Kinder den jetzigen gar nicht verstehen, ihm gar nicht „folgen" können) ein Heil der Zukunft zu suchen sei. Ich verzweifle nicht an der Zukunft, allein es muß auch etwas dafür geschehen! Ein Paar eingeschobene Choräle, oder daß die Gemeinde dazwischen etwas Hebräisches singt, statt zu schreien, kann den ästhetischen Widerwillen nicht beseitigen, welchen dieses wirre Untereinandcrschrcien erweckt, wodurch jede wahre Hingebung und stille Inbrunst zum Beten behindert wird. Oder meinen die Herren Orthodoxen, daß schon das bloße Schreien, dieses gedankenlose Hinplappern, um nur schnell fertig zu werden, Gottesdienst sei? Denn'mit Recht schreibt schon Jesaias (43,8): „Tritt her, blindes Volk, ob's auch Augen, das taub, ob's auch Ohren hat. (19) Siehe, Neues bereit ich, jetzt sprießt es hervor: wollt ihr es nicht erkennen?" So drohen von allen Seiten Gefahren und Untergang, wenn nicht strammes Zusammenhalten, das beharrliche Gefühl in der Religion eins zu sein, die wir in ihren äußern Verhältnissen der Zeit anpassen müssen, frische Kräfte in Fluß bringt und den Glauben in seinem geschichtlichen Berufe uns auch äußerlich näher bringt. In Rußland zumal, und auf dem Lande in den Donauherzogthümern, müssen Schulen geschaffen werden, die den gelehrigen Geist in andere Bahnen lenken. Fragen wir die ältern Bewohner des Großherzogthums Posen, wie es vor 60 Jahren noch dort stand, und welch herrliche Kräfte hat nicht gerade dieser Theil des Preußischen Staates seit dem zu Tage gefördert. Es ist natürlich, da der Geringste es dort für eine Nothwendigkeit erachtet, seine Kinder die besten Schulen besuchen zu lassen. Nach allen Gegenden unserer Erde verbreitet, suchen sie dies den Eltern zu lohnen! Die Juden Deutschlands, Italiens, Frankreichs müs- 21*

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