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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-19 · Heft 21 (19.5.1868) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 21 (19.5.1868)
Date
1868-05-19
Page
Seite 415 (sequence 9)
Language
German
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Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, im Mai. (Privatmitth.) In der „Berl. klinischen Wochenschrift" finden wir Folgendes: „Auf dem vorjährigen internationalen medicinischen Kongreß zu Paris wurde „über die Tuberculose in den Aschiedenen Ländern und über ihren Einfluß auf m allgemeine Sterblichkeit" eine längere Debatte geührt. Dropsh aus Krakau machte einige recht interessante Mittheilungen aus seinen 30jährigen Erfahrungen über die Lebensweise, Gewohnheiten und den Kesundheitszustand der polnischen Juden in Galizien «nd Ungarn. Während dem die Landleute beinahe gänzlich von der Tuberculose verschont bleiben, sind die polnischen Juden beinahe alle van dieser Krankheit befallen, und meint Dropsh, daß das Aussterben dieser Race linnen eines Zeitraumes von zwei bis drei Generationen mit Gewißheit vorherzusagen ist. Ihre überaus schlechte Nahrungsweise scheint der Hauptgrund dieser physischen Verkommenheit zu sein. Und in der That findet man, daß Fleisch oder irgend ein anderes substantielles Nahrungsmittel fast gänzlich von ihrer Nahrung ausgeschlossen bleibt. Sie zeigen sich alle mager, blaß, ausgezehrt und heruntergekommen. Ueberdies liegt es in ihren Gewohnheiten, sich mit 16—18 Jahren schon zu verheirathen, ein Umstands der wohl auch als ein Grund.der großen Sterblichkeit unter ihnen angenommen werden dürste." Man erkennt leicht, daß so viel Wahres hierin liegen mag, es doch sehr übertrieben sein muß, da von einer wirklichen Abnahme der jüdischen Bevölkerung auch in Galizien nirgends gesprochen wird. Bonn, 1. Mai. (Privatmitth.) Wir erhalten fortwährend aus verschiedenen Gemeinden Ostpreußens noch immer dringende Klagen über den Nothstand auch unter unseren Glaubensgenossen, und zwar mit sehr faktischen Belegen. Man bittet daher durch unseren Mund, in der Unterstützung wenigstens während der nächsten Monate nicht nachzulassen, und zwar um so mehr, als das allgemeine Unterstützungscomitö in Königsberg erklärt hat, daß nach der Bildung von Unlerstützungscomitss für die Juden es für die letzteren nichts mehr thun werde.' Man kann wohl mit Fug fragen, ob dies hierbei in seinem Rechte sei, da die Juden für die allgemeine Unterstützung auch beitragen und z. B. jedes städtische Armenwesen sich darum der Unterstützung von Juden, Katholiken, Protestanten u. s. w. nicht entzieht, wenn auch diese Confessionen noch besondere Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine für ihre Glaubensgenossen haben. Doch es ist einmal so, und um so dringender ergeht an uns der Aufruf der Nothleidenden. Wir brauchen nicht mehr hervorzuheben, wie sorgfältig das Unterstützungscomits zu Schippenbeil die empfangenen und vertheilten Gaben veröffentlicht. Auö der Prov. Posen, im Mai. (Privatmitth.) Der Dr. jur. L. in P. Kreis Wollstein lsoll wohl heißen Shnagogenbezirk Wollstein, welches im Kreise Bomst liegt) bei Wöllstein, Gutsverwalter, wendete sich im August vor. I. an die Shnagogengemeinde seiner Vaterstadt Glogau und verlangte hier mit seinem Einkommen eingeschätzt und besteuert zu werden. Die Einschätzungskommission der Glogauer Gemeinde lehnte die Abschätzung ab, weil vr. L. nicht innerhalb des Gemeindebezirks seinen Wohnsitz habe und deshalb nicht Gemeindemitglied sei. Der Vorstand aber nahm die Einschätzung selbst vor und händigte dem Di-. L. dem Steuerzettel ein. Als nun die Gemeinde Wollstein dem in ihrem Bezirk wohnenden Dr. L. die auf ihn repartirte Steuer abverlangte, lehnte derselbe die Zahlung mit Rücksicht auf seine schon in Glogau erfolgende Besteuerung ab und wurde in seiner Weigerung durch das Landrathsamt des Wollsteiner (Bomster) Kreises unterstützt. Durch die von der Wollsteiner Gemeinde erhobene Beschwerde wird nun im Instanzenwege festgestellt werden, ob ein Jude sich die Gemeinde auswählen kalin, bei der er Steuern bezahlen will.— Die jüngste Volkszählung in der Stadt Lissa hat etwa 100 Seelen mehr, als die im Jahre 1864 ergeben. Dieser relativ geringe Zuwachs an Einwohnern hat hauptsächlich in der häufigen Auswanderung ganzer zum Theil sogar zahlreicher Familien aus der Mitte der jüdischen Gemeinde seinen Grund. Diese Auswanderung ist seit mehr als zwei Dezennien zu einer stetigen geworden und nur selten kehren einzelne Auswanderer, noch seltener ausgewanderte Familien in ihre Heimath zurück. Die Stadt Grätz zählt nach der Volkszählung vom 21

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