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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-19 · Heft 21 (19.5.1868) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 21 (19.5.1868)
Date
1868-05-19
Page
Seite 411 (sequence 5)
Language
German
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41t signalisirt, welche das fürstliche Gouvernement selbst von der Tribüne herab gegeißelt hat. Sie haben Sich nicht darauf beschränkt, Herr Minister, mir persönlich Ihre Ansichten mitzutheilen, die ich keinen Moment anstehe, als irrig zu bezeichnen, Sie gingen noch weiter, Sie ließen sie officiell allen Vertretern der Mächte in Bukarest zugehen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Sie heute, besser unterrichtet über den wahren Zustand der Dinge in der Moldau, Sich beeilen werden, diese eben so unrichtige als beleidigende Mittheilung zu berichtigen. . Es genügt nicht, Herr Minister, zu Ihrer Kenntniß die Ausschreitungen und behördlichen Gewaltthätigkeiten zu bringen, die in der Moldau Statt gehabt; es ist auch noch meine Pflicht, Ihnen gegenüber darauf zu bestehen, daß Sie selbst bei der Regierung Sr. Hoheit darauf dringen, daß den fürstlichen Behörden augenblicklich peremptorische Befehle zugefertigt werden, um den gegen die Israeliten gerichteten Verfolgungen Einhalt zu thun und um durch energische Maßregeln die Ruhe und Ordnung in Stadt und Bezirk Baken zu sichern: daß ferner die Urheber der strafbaren Acte, die ich die Ehre hatte, Ihnen bekannt zu geben, nach den Bestimmungen des Gesetzes bestraft werden; daß endlich die aus der Gemeinde vertriebenen Familien wieder in Haus und Hof zurückgeführt und für die Verluste entschädigt werden, welche ihre ungesetzliche und gewaltthätige Vertreibung sie erleiden ließ. Genehmigen Sie re. kgez.) Eder. Man schreibt aus Paris vom 4. Mai: Die Diplomatie ist eifrig mit den Ereignissen in Rumänien beschäftigt. Die mehr als blos groteske Anschuldigung des österreichischen Consuls in Jassy in dem Rundschreiben des Herrn Bratiano, die alle Collegen dieses Mannes in der moldauischen Hauptstadt mittrifft, scheint den Ungeschicklichkeiten des rumänischen Minister-Präsidenten die Krone aufgesetzt zu haben. Wie ich höre, sind in Folge dessen die betheiligten Großmächte zu Vorbesprechungen zusammengetreten, aus denen wahrscheinlich eine identische Note derselben an die bukarester Regierung hervorgehen dürfte, für welche bereits ein Entwurf ausgearbeitet vorliegt. Die Entlassung Johann Bratia- »os dürfte wohl das Mindeste sein, welches die beleidigten Mächte vom Gouvernement des Fürsten Carl verlangen werden. Unterdeß hört man nicht auf, sich für die Verfolgen zu verwenden. Aus Leipzig vom 29. April schreibt man: An die hiesige Handelskammer wurde aus Anlaß der Judenverfolgung in der Moldau folgende Eingabe gerichtet: „Die Hetzereien und Verfolgungen gegen die Juden in Rumänien werden vom Ministerium Bratiano und dessen Clique betrieben und hinterher mit der größten Schamlosigkeit in Abrede gestellt, um unbequemen diplolnatischen Anfragen aus dem Wege zu gehen. So sind die jüngsten Vorfälle in Bakeu, obwohl von verschiedenen zuverlässigen Seiten gemeldet, als Erfindung einiger Mißgünstiger hingestellt worden. Nichtsdestoweniger steht die Thalsache fest, wie aus mehreren hier eingetroffenen Privatbriefen aus Jassy hervorgeht. Diese Verfolgungen berühren unsere deutschen Geschäftsverhältnisse unmittelbar und direct ziemlich bedeutend, da unser Handel in nicht geringem Grade in Rumänien engagirt ist. Die Kaufleute von Bottuschan, Jassy, Galacz, Braila und Bukarest, die sich in großer Anzahl hier zu den Messen einzufinden pflegen, bilden keine kleine Kundschaft unserer hiesigen Geschäftsleute und Fabrikanten. Piese größeren Kaufleute in den Hauptstädten Rumäniens haben ihren hauptsächlichsten Absatz nach dem flachen Lande, und wenn vorerst die Hetzereien gegen die jüdischen Bewohner desselben gerich» tet sind, so werden die Interessen der größeren Kaufleute in den Städten hart betroffen, und übt es keine geringe Rückwirkung auf deren Geschäftsfreunde hier in Deutschland. Humanitäts-Rücksichten ganz beiseite lassend, wollen wir nur die materiellen Nachtheile hervorheben, die auch uns hier durch diese brutalen Verfolgungen direct erwachsen. Es wäre daher angezeigt, wenn von Seite des deutschen Handelsstandes ein energischer Protest gegen jene Vorgänge erhoben würde, und Leipzigs Handelskammer dürfte zunächst berufen sein, diese Angelegenheit in die Hand zu nehmen und mittelst einer Petition beim norddeutschen Bunde um Abhilfe gegen u. s. w." (Es folgen 23 Unterschriften der bedeutendsten hiesisigen Firmen, worunter auch mehrere Handelskammer- Mitglieder.) Es frägt sich nun, ob die Leipziger Handelskammer dieser Petition nachkomint, und ob der norddeutsche Bund etwas darin thun werde. Ebenso richteten die jüdischen Cultusgemeinden von Lemberg uudBrody Petitionen an das österreichische Ministerium des Aeußeren, und dieses antwortete an die Brodyer Gemeinde folgendermaßen: „Ich habe das geschätzte Schreiben richtig erhalten, welches der löbliche

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