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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-19 · Heft 21 (19.5.1868) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 21 (19.5.1868)
Date
1868-05-19
Page
Seite 409 (sequence 3)
Language
German
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die Folgerung, daß dieselbe nutz- und erfolglos sei. Faktisch hatten sie Unrecht, denn mit wenigen Ausnahmen werden die stabilen wie die reformirten Gotteshäuser unbesucht gelassen; theoretisch noch mehr Unrecht, denn der allgemeine Verfall des Gottesdienstes brachte eine solche religiöse Bedürfnißlosigkeit, eine solche religiöse Erschlaffung hervor, daß die einzelnen Ausbesserungen an einzelnen Orten dagegen nicht aufzukommen vermochten. Und dies ist denn auch die eigentliche Wurzel des Uebels: Der Mangel an jedwedem Bedürfniß nach gottesdienstlichen Ucbuugen. Und dieses Resultat kann vorzugsweise sich nur jene Stabilität des Cultus zuschreiben, welche zuerst den Gottesdienst zu völliger Unbedeutendheit für das wahre innerliche Leben der Individuen herabsinken ließ, und dann den Bestrebungen nach Verbesserung und Veredelung mit unvernünftiger Hartnäckigkeit, mit widerwärtigem Gezänk, ja mit Haß und Jntriguen entgegentrat, bis die Gegner theils aus Ermüdung und Ekel, theils aus wirklicher Friedensliebe die Waffen niederlegten. Rumänien VI. Die rumänische Angelegenheit rückt nur langsam vorwärts. Sie ist in das diplomatische Stadium eingetreten, und da kann weder Dauer noch Ausgang im Voraus berechnet werden. Von der einen Seite ist es für die rumänischen Juden gut, wenn die Mächte sich immer mehr dabei engagiren. Von der anderen ist es möglich, daß sich sofort die Rivalitätstendenzen geltend inachen, und dann der eine Theil der Mächte paralysirt, was der andere gut macht. So wird es bereits von verschiedenen Seiten aufgefaßt, und geradezu ausgesprochen, daß die Bratianos auf die russische Unterstützung hoffen, wenn Oesterreich, Frankreich und England sich der mißhandelten Juden annehmen sollten. Stellen wir inzwischen noch fernerhin zusammen, was sich in dieser unseligen Affaire ans Licht drängt. Bratiano ist in Bake» von der aufgeregten Masse sehr unliebsam ausgenommen worden, und hat die Erfahrung gemacht, daß es viel leichter ist, einen ungebildeten Pöbel in Aufregung und zu Ausschreitungen zu bringen, als ihn in seinem Gefolge zu halten und zu seinem Nutzen zu verwenden. Nach seiner Rückkehr nach Bukarest hatte er daher nichts Eiligeres zu thun, als in einer Note an die Vertreter der Schutzmächte in härtestem Tone diese wegen ihrer Berichte an ihre Höfe zu tadeln und alle, so vollständig constatirten Thatsachen zu leugnen. Daffelbe that er in einem Artikel seines offiziellen Blattes, worin er aber auch unumwunden aussprach, gegen das „Vagabundeuwesen so lange zu verfahren, bis es in Rumänien ausgerottet sei." Jedermann weiß, was Bratiano darunter versteht. Der gewöhnliche Menschenverstand kann freilich nicht begreifen, wie Jemand in einem AthM Thatsachen leugnen und zugleich zugestehen könne. Aber es wird doch offenbar, daß der rumänische Premier der Ansicht ist, Frechheit und Trotz wären diejenigen Eigenschaften, durch welche in der politischen Welt am ineisten ausgerichtet werde. Die offizielle „Wiener Abendpost" antwortete in folgender Weise (vom I. Mai): „Wie wir vernehmen, hat der rumänische Minister des Aeußern sowohl an den k. k. Agenten und General- Consul in Bukarest, Freiherrn' v. Eder, als auch an die Vertreter der übrigen europäischen Mächte eine Note gerichtet, welche nicht nur die Richtigkeit der in Betreff der Judenverfolgungen in den Donaufürftenthümern verbreiteten Mittheilungeu in Abrede stellt, sondern auch einen tadelnden Hinweis auf die Thätigkeit des k. k. General-Consuls in Jassh, Herrn ».Wohlfahrt, enthält, der sich zum Vermittler derartiger unbegründeter Wahrnehmungen und Erfindungen aufwerfe. General-Consul ».Wohlfahrt hatte bekanntlich seinerzeit in einer aus seiner Initiative hervorgegangenen Berathung die Thatsache und die Ausdehnung der betreffenden Verfolgung constatirt und die Belegstücke der k. k. Agentie in Bukarest gesendet. Unmittelbar nachdem Freiherr v. Eder in den Besitz dieser Documente gelangt war, hat derselbe eine energische Note an den Minister Herrn Gvlesco gerichtet, in welcher er seinerseits in den bestimmtesten Ausdrücken die Unleugbarkeil der von der rumänischen Regierung in Abrede gestellten Thatsachen constatirt, die Angriffe auf Herrn v. Wohlfahrt zurückweist und die volle Schadlos Haltung der durch die jüngsten Ereignisse getroffenen k. k. Unterthanen in Anspruch nimmt." Tiefe Antwortsnote des Herrn v. Eder lautete folgendermaßen: Bukarest, 24^ April 1868. In Folge der wiederholten Schritte, welche ich die Ehre hatte, bei Ihnen im Interesse der in der Moldau verfolgten Israeliten zu thun, haben Sie mir am 22. 21*

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