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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-05-05 · Heft 19 (5.5.1868) · p. Seite 376

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 19 (5.5.1868)
Date
1868-05-05
Page
Seite 376 (sequence 10)
Language
German
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376 Gelänge es nun noch unserem mit vortrefflichen Stimmmitteln begabten Cantor Herrn Silberstein einen Chor in's Leben zu rufen, so würde unsere Gemeinde einer vielverheißenden Zukunft entgegengehen. R.... Dresden, im April. (Privatmitth.) Der Jahresbericht der hiesigen Gemeinde über das Jahr 1867 ist erschienen, und Sie erlauben mir wohl, aus dem trefflich abgefaßten Schriftstück folgende, auch das Allgemeine interessirende Stellen herauszuheben. Es heißt: „Wenn in früheren Zeiten Druck und Absperrung von außen einer israelitischen Gemeinde den Character einer religiös-politischen verlieh, wenn damals die Gemeindegenossen, einzig und allein auf sich angewiesen, in der Synagoge nicht blos das Bethaus, sondern in der That auch das „Versammlungshaus", den Mittelpunkt ihres socialen wie ihres religiösen Lebens erblickten— so ist dies Gott sei Dank in unseren lichteren Tagen, in denen Staat und politische Gemeinde sich auch unseren Glaubensgenossen zu gleichberechtigter Mitarbeit erschließen, anders und besser geworden. Aus der israelitischen Gemeinde wurde eine Religionsgemeinde, die Synagoge wurde lediglich dem Gottesdienste zurückgegeben. Hand in Hand mit dieser Veränderung ging die Läuterung des Gottesdienstes durch Beseitigung alles dessen, was, wenn gleich althergebracht, die Andacht störte, den gebildeten Geschmack verletzte; ging die Erbauung schöner geräumiger Synagogen mit Chorgesang und Orgel, die Einführung deutscher Predigten und mannigfacher Gebetsreformen, wie deutscher Lieder, die z. B. in den Würtembergischen Synagogen und in Prag schon seit dreißig Jahren erklingen. In eben dem Maße als sich dieser allmälige Umschwung vollzog, zeigten sich auch an den Glaubensgenossen bemerkenswerthe Umwandlungen. In den düist es daher eine Pflicht jeder Gemeinde, die eine eigene Schule unterhält, darauf zu achten, daß der Unterricht im Hebräischen ein organisch verbundener Unterrichtszweig derselben sei. Der zweite Vorschlag des Herrn Corresp. scheint uns sehr praktisch. In mittleren und kleinen Gemeinden ist darauf zu sehen, daß die geringen Geldkräste durch Häufung der Aemter nicht zersplittert werden, und da zu aller Zeit unsere Rabbinen mit dem Unterrichte von Schülern — früher im Talmud uud den rabbinischen Fächern — beschäftigt waren, so kommt es auch unserer Zeit zu das Rabbinat mit dem höheren Schulamte zu verbinden. Redaktion. steren Tagen der Zurücksetzung war die Erscheinung nicht selten, daß, während die Mehrheit den althergebrachten Bräuchen in herzlicher Innigkeit anhing, Einzelne im Streben nach weltlicher Bildung und Auszeichnung vom Judenthume abfielen. Solche Erscheinungen haben sich in dem Gradtz-gemindert, in welchem die gesetzliche Gleichstellung unserer Glaubensgenossen mit ihren Mitbürgern znr Wahrheit wurde. Dafür traten an Stelle der früheren, mehr gleichförmigen Observanz mannigfache Richtungen innerhalb der Gemeinden hervor. Den Anhängern des Althergebrachten und den ihnen sich anschließenden Gleichgültigen stellten sich — unterstützt und gefördert von der gleichzeitig aufblühenden Wissenschaft der jüdischen Geschichte und Litteratur — mehr oder minder scharf und ausgesprochen die Glaubensgenossen gegenüber, welche jene Läuterungen im Gottesdienste anregten und durchführten. Während die Einen die Blicke rückwärts kehrten und, theilweise selbst bei vollständiger Entfremdung vom Positiven und seinem Ceremoniell, sich romantischer Schwärmerei für Jugendeindrücke Hingaben, richteten die Anderen ihr Augenmerk auf die Kinder und waren bestrebt, diesen an Stelle jener allmählig schwindenden Jugendeindrücke früherer Zeiten durch zeitgemäßen und herzergreifenden Gottesdienst, durch methodischen Schulunterricht die Hauptsache: die Liebe zum Judenthume, zu erhalten. Wie immer aber auch hier die Meinungen auf einander geriethen, in Einem herrschte Einigkeit und Uebereinstimmung: in dem gemeinnützigen Wirken für die Gemeindeverwaltung, in der Fürsorge für die Wohlthätigkeitsanstalten." Ferner: „Wenn zweitens in der im Jahre 1867 erfolgten Einführung deutscher Lieder anfänglich einzelne Freunde des Althergebrachten etwas Fremdartiges fanden, so darf der Hinweis auf andere Orte, in denen dies Jahrzehnte hindurch in Uebung ist, auch als Fingerzeig dienen, daß die neue Einrichtung bald eine Allen gewohnte sein, die Erwägung aber allmählig überall Platz greifen werde, daß, bei aller Hochachtung der hebräischen Sprache als der geschichtlichen Grundlage unserer Religion, das Bedürfniß der Inbrunst nach Ausdruck in der Muttersprache sich immer unabweisbarer einstellt. Und wem dies für sich zweifelhaft erscheinen sollte, der werfe einen Blick auf — die Kinder!" „Die Rechtsverhältnisse unserer Glaubensge-

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